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"Was wie künstliche Welten anmuten könnte, sind in Wahrheit Begegnungen der Kunst mit den Menschen, die sie besuchen"."
+ Frederick schrieb:
"what came first Art(egg) or the Mensch(chicken) ".
Tja, die Frage, wer oder was bewirkte ursprünglich was, eine Antwort darauf zu finden, treibt uns immer wieder an, die einfache Akzeptanz der Korrelation scheint nicht ausreichend.
Das Foto ist für mich Ausdruck, wie klein Mensch vor der Größe, des selbst Geschaffene erhalten kann.
Fast, wie ein Schattenriss wirken Frau und Treppe vor blauer Eimer-Kompanie.
"Es geht abwärts, in die Isolation", ein Gedanke, der mir beim Betrachten durch den Kopf schoss.
Ich glaube, dass zuerst das Ei, die Kunst da war. Denn lange, bevor der Mensch die Bühne der Welt betrat, wurde dort schon längst großes Theater gespielt. Der Mensch freilich "macht auch großes Theater". Die Gigantomanie, welche in der Welt der Künste herrscht, ist ja nur da, um von den Türstehern des Kunstmarktes überhaupt bemerkt zu werden. Und das, was letzlich in den Museen hängt, ist Ausdruck der Evolution der schieren Kraft, der Gewalt in der Kunst. Insofern ist dieses Foto für mich Ausdruck der Resignation vor der Werbung, vor der komplizierten und aufwändigen Inszenierung, die Resignation vor der Zensur. Denn nichts landet in den Museen, was nicht durch die Zensur des Kunstmarktes gelassen wurde. Die Welt der leisen Töne und klugen Kunstjuwelen ist außen vor. Die Frau drückt es für mich genau aus: schnell vorbei an dem Riesendings da und aufgepasst, dass ich mir nicht die Haxen breche auf der Treppe.
Interessante Diskussion, die Frederick hier anstößt; ich denke allerdings, dass Kunst immer eine mentale Konstruktion/ Refexion der Welt ist, also menschengeschaffen...Kunst ist ja nicht Natur, dort herrscht fruchtbares Chaos, das zwar auch hin und wieder zu selbstorganisierter Ordnung findet, aber um Ordnung zu erhalten, brauchts mentale Energie- von allein schwindet letztlich alles wieder in Nichts...für mich ist Kunst- neben Wissenschaft- die höchste mentale Leistung des Menschen- ohne diese Leistung wäre alles Nichts...erst im Erkennen, in der Gestaltung und Kommunikation werden Wirklichkeiten geschaffen, die Wirklichkeiten sind stets Konstruktionen des Geistes und nicht unabhängig davon existierbar...so denke (konstruiere) ich jedenfalls...
GRuß Mario
Die Kunst also solche, ja, daran besteht kein Zweifel, ist Ausdruck höchster geistiger Leistung. Doch wo die Kunst ihre Freiheit verliert, ihre Unabhängigkeit und zum greifbaren Symbol für den Kapitalismus wird, dort ist für mich die Schallmauer durchbrochen. Die Gigantomanie ist der Ausdruck dafür. Der Kunstmarkt ist heute der teuerste Markt der Welt, es werden Umsätze erzielt, die nicht mehr nachvollziebar sind, geistiges Eigentum wird verhökert und russische oder arabische Milliardäre, die durch Bodenschätze an ihr Vermögen gekommen sind, hängen sich ihre Lofts mit Bildern und Rieseninstallationen voll. Viele Künstler produzieren nur für diese "Hallen der Seligkeit". So funktioniert unsere Welt, die Kunst als unabhängige geistige Kraft hat ausgedient. Solange die Kunst nicht als höchste geistige Leistung anerkannt wird und sich Künstler mit ein Euro Jobs über Wasser halten müssen und dann keine Kraft mehr für ihre Kunst haben, wird es weiterhin verständlicherweise Künstler geben, die alles daran setzen, der Mafia ihre Bilder zu verkaufen, mit dem Preis der Aufgabe ihrer Ideale. Stattdessen werden sie mehr Muskeln bekommen müssen, wenn sie die Materialschlachten für die neuen Fürsten bewältigen wollen.
Interessant, deine Sicht der Dinge, und Kunst als Kraft, als vielleicht, zum Teil ungesteuerte TRIEBfeder, mit der Evolution gleichzusetzen.
Gehe mit dir konform, was den aufgeblasenen Kunstmarkt angeht, er entspricht doch unserer aufgeblasenen Gesellschaft – die irgendwann zu implodieren droht.
"Der Mensch freilich "macht auch großes Theater", so ist es ;(
"Die Welt der leisen Töne und klugen Kunstjuwelen ist außen vor. "
War es nicht immer so, das Kunst außen vor blieb, nähme man mal Kunst als Kult, als Ritual aus.
Es gab die Auftragsarbeiten, dann auch "freie Kunst" (das Bild "des armen Künstlers" kommt sicher nicht von ungefähr).
Vielleicht mal die 60ger bis 90ger Jahre ausgenommen, wo Interaktion zwischen Kunsttreibenden und dem "gewöhnlichen Volk" stattfand, so auch eine Neudefinition von Kunst.
Ich traue mich mal eine Hypothese zu stellen, "das frühe 21ste Jahrhundert ist das Ende der Aufklärung".
Das Foto von Chris, vermute am gleichen Ort vermittelte mir etwas anderes und doch ähnliches. Dort stand für mich mehr die Grafik im Mittelpunkt, allerdings auch die "Kleinheit" von Mensch, als Individuum.
Ich freue mich, einen Teil dessen, was du mit diesem Foto ausdrücken wolltest, erfasst zu haben, da machst Etwas sehr richtig, so dass die Übersetzung klappt.
Birgit, vielen Dank für den Gedankenaustausch, auch wenn ich mich nun weit nach vorn gewagt habe :)
Also Eure Kritik am KunstMARKT teile ich ich natürlich- aber die Frage Fredericks war ja nach dem Ursprung der Kunst gestellt, nicht nach deren Prostituition in unseren wie auch in vergangenen Zeiten, oder hab ich da was falsch verstanden? Die Kritik am Markt ist Kritik am Markt- da hängen sich viele, fast alle rein, auch einige Künstler, wohl wahr...und das Ende der Aufklärung wäre sehr wohl vorangetrieben, würden wir alles, auch die Bildung und die Kunst und die Wissenschaft dem Markt unterordnen, da stimme ich mit Euch überein.
Gruß Mario
Claudia, man kann sich nie weit genug nach vorne wagen, so finde ich.
Mit deinem Satz: "Ich traue mich mal eine Hypothese zu stellen, "das frühe 21ste Jahrhundert ist das Ende der Aufklärung", triffst du genau ins Schwarze.
Mario, nein du hast nichts falsch verstanden, das Thema ist nur ein wenig ausgeufert, ich wollte nur nochmals zu dem Foto mehr sagen, was dahinter steckte.
Also nun nochmal...wer war nun zuerst da...? Wenn man die Evolution als kreativen Akt betrachten würde, nicht nur nach dem Trial and Error-Verfahren einschätzte, wenn man die Evolution wirklich VERSTEHEN würde, könnte man die Frage vielleicht beantworten. Also wird die Frage "what came first Art(egg) or the Mensch(chicken) " weiterhin unbeantwortet bleiben.
Du schreibst :"...aber um Ordnung zu erhalten, brauchts mentale Energie- von allein schwindet letztlich alles wieder in Nichts...für mich ist Kunst- neben Wissenschaft- die höchste mentale Leistung des Menschen- ohne diese Leistung wäre alles Nichts..." Kunst ist freilich die höchste mentale Leistung, zusammen mit der Wissenschaft. da gebe ich dir recht. Die Frage ist aber letzlich, welchen Einfluss beide tatsächlich haben. Kunst ist Reflektion, sie bewirkt nicht wirklich etwas, aber sie ist in der Lage, als der Seismograph einer Gesellschaft, frühzeitig zu zeigen, in welche Richtung eine Gesellschaft geht. Insofern könnte die Kunst tatsächlich etwas bewirken, näme man ihre seismischen Zeichen ernst.