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Ein ungewöhnlicher Ort für eine Kunstausstellung: Auf dem Autofriedhof im Gürbetal in der Nähe von Bern sind zwischen Autowracks verschiedene Installationen zu sehen. Die Idee stammt vom Berner Künstler Heinrich Gartentor.
1933 hat der Zimmermann Werner Messerli beschlossen, nicht mehr mit Holz zu arbeiten, sondern mit Ersatzteilen von alten Autos zu geschäften.
Auf dem Bauernhof seiner Eltern standen mit der Zeit immer mehr Autowracks herum, die Messerli für die Reparatur anderer Wagen ausgeschlachtet hatte. 1975 ging der Landwirtschaftsbetrieb in den Besitz des Sohnes Franz Messerli über.
Heute stehen auf dem Autofriedhof von Franz Messerli rund 800 Oldtimer, die aus den 1920er- bis 60er-Jahren stammen. Bogward Isabella, Hillman, Lloyd, Goggomobil, Tempo Matador - Marken aus einer anderen Zeit.
Überall verrostete Autowracks. Auf den Dächern wachsen Sträucher, die Räder sind mit Moos bewachsen. Und die Autositze bieten Füchsen und Hasen ein Refugium.
Zwischen den Blechkarrossen sind in den letzten dreissig Jahren Bäume gewachsen, die Wracks liegen heute versteckt im Wald. Der Autofriedhof übt auf den Besucher eine gewisse Faszination aus. Eine Faszination der Vergänglichkeit, wie sie etwa auch auf dem Friedhof Père Lachaise in Paris spürbar ist.
Die Tage des Autofriedhofs sind jedoch gezählt. Gemäss einem Bundesgerichts-Entscheid muss der Platz bis am 1. April 2009 geräumt werden, weil er den Umweltschutzbestimmungen nicht entspricht. Die Richter richten sich nach den Umweltgesetzen und nicht nach der nostalgischen und etwas makabren Aura, die von diesem Ort ausgeht.
"Einmaliger Kulturplatz in Europa"
Über diesen Entscheid ist der Berner Künstler Heinrich Gartentor gar nicht erfreut. "Der Autofriedhof von Kaufdorf ist ein einmaliger Kulturplatz in Europa", sagt Gartentor, der von dessen Magie sichtlich überwältigt ist. "Es ist das Zeugnis einer Zeit, in der die Autos noch Autos und nicht nur Hilfsmittel waren, um sich im Raum zu bewegen."
Aus dieser Begeisterung heraus ist schliesslich die Idee entstanden, hier eine "nationale Kunstausstellung" zu organisieren. Gartentor hat dazu Künstler aus der ganzen Schweiz sowie Auslandschweizer und Ausländer eingeladen, die in der Schweiz leben. Künstler, "die Material in die Hände nehmen können" und mit einem solchen Ort umzugehen wüssten.
Der Titel "Nationale Kunstausstellung" ist eine kleine Provokation: Gemäss einem Beschluss von 1887 soll das Bundesamt für Kultur alle zwei bis drei Jahre eine nationale Kunstausstellung durchführen. Seit 1961 hat das BAK dies jedoch nicht mehr getan.
Nun hat Gartentor, der von 2005 bis 2007 der erste von der Künstlerschaft gewählte Kulturminister der Schweiz war, dieser Aufgabe angenommen. Er möchte mit der Ausstellung die Bevölkerung auch für den in Kaufdorf bestehenden Konflikt zwischen Natur und Kultur sensibilisieren und wenn möglich den Autofriedhof retten.
Vogelgezwitscher und Autolärm
Bis am 12. Oktober sind die Installationen von rund zwanzig Künstlern auf dem Autofriedhof ausgestellt. Sie machen den Ort, der schon für sich allein faszinierend ist, zu einer einzigartigen Galerie. Der Autofriedhof war bisher lediglich im Jahr 2007 für das Publikum geöffnet.
So steht etwa ein glänzender gelber Fiat "Giallo Limone" auf dem Dach eines vermoosten grauen Lieferwagens (Stefan Baz und Caroline Bachmann). In einem ehemaligen Militärfahrzeug trifft der Besucher auf eine mysteriöse Figur, die aus der Vergangenheit aufzutauchen scheint (Chantal Michel). Und in blechernen Überresten wurde eine Art Wohnraum, eine "gute Stube", eingerichtet (Aldo Mozzini).
Blues Brothers lassen grüssen
Auf dem Autofriedhof ist auch die berühmte Schlussszene des Films "Blues Brothers" mit den aufeinandergestapelten Polizeiautos dreidimensional zu sehen (Collectif Fact).
Ein Rätsel wirft dem Besucher der in Plastik eingewickelte Mercedes der Künstlerin Anna Amadio auf. Auch möchte der Besucher wissen, was sich hinter der Mauer aus Backsteinen und Automobilen von Bob Gramsma verbirgt. Der Künstler Herbert Distel unterlegt das Ganze mit einem Klangteppich aus Vogelgezwitscher, Autolärm und Kutschenrädern.
Der Besucher entdeckt an diesem aussergewöhnlichen Kunstwerk unter freiem Himmel immer wieder Neues. Es ist ein Gesamtwerk, das täglich von Regen und Sonne, von wachsendem Gras und Moos, den darin lebenden Tieren und der Zeit verändert wird.