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Sehen und sehen scheint dasselbe und ist doch zweierlei. Eine ungewönliche Behauptung. Beweisbar?
Nun,wir öffnen die Augen und sehen,wenn wir nicht blind und wenn nicht völlige Dunkelheit herrscht. Das tun wir Tag für Tag, erleuchtete Nacht für erleuchtete Nacht. Was bedeutet das schon? Selbstverständlichkeit und Wunder zugleich. Unser Alltagssehen ist meist ein automatisches, fast passives Sehen, ein Orientieren, ob rechts oder links, unten oder oben, schwarz oder farbig, gewissermaßen eine Art Notdurft des mechanischen Wahrnehmens. Wie sehr es mechanisch und passiv geschieht, wird einem erst bewußt, wenn man sich nachher fragt, was man denn nun gesehen hat. Dabei ermöglichen es die Fortschritte in Wissenschaft und Technik dem Menschen von heute mehr zu sehen als jemals in seiner langen Geschichte. Er kommt den Geheimnissen des Lebens und des Alls vollends auf die Spur. Und doch scheint es so, als sähe er immer weniger. Zuviele Eindrücke stürmen auf ihn ein, und er ist außerstande, sie alle in sich aufzunehmen. Vergangen ist die Zeit, da der Anblick eines blühenden Baumes Gemüt und Verstand des Menschen durchaus bewegen und begeistern konnte. Sind wir nicht arm geworden, wenn nur noch ein Flug zum Mond oder der neue Weltrekord eines Supermenschen uns zu beeindrucken vermögen? Da ist es tröstlich, festzustelllen, daß es noch die andere, bewußte Fähigkeit des aktiven, von Herz und Hirn gesteuerten Sehens gibt. Sie ist selbsterzogen und sehr bereichernd.Die Beweisführung ist einfach: Schließlich sind wir in der glücklichen Lage - und das seit über 100 Jahren- das Gesehene in einem originalen Abbild an unsere Mitmenschen weiterzureichen, dank der Fotografie!