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Tiefenwirkung

Inhaltsverzeichnis

Schärfentiefe

Ein wichtiges Gestaltungsmittel in der Fotografie ist die gezielte Steuerung der Schärfentiefe (Tiefenschärfe, Schärfebereich). Durch das Begrenzen des Bereichs, der scharf abgebildet wird, lässt sich z.B. das Augenmerk auf ein bestimmtes Motivdetail lenken, können unwichtige Motivdetails in der Unschärfe verschwinden oder dem Bild insgesamt mehr Tiefenwirkung gegeben werden.

Je nach Brennweite des Objektivs, eingestellter Blende, Fokussierung (Einstellung der Entfernung) und Vergrößerung des Fotos zum Betrachten erscheinen unterschiedlich weit entfernte Motivdetails scharf oder unscharf. Dabei ergibt sich ein mehr oder weniger großer Bereich in der Tiefe des Motivs, innerhalb dessen die dort befindlichen Motivdetails scharf erscheinen.

Wie kommt es zu dieser Erscheinung?

Streng genommen liegt die Ebene der Schärfe in exakt der Entfernung, die mit der Fokussierung eingestellt worden ist, d.h. alle Punkte im Motiv, die genau in dieser Entfernung liegen, werden als Punkte auf dem Film bzw. Sensor abgebildet. Alle Punkte, die davor oder dahinter liegen, werden als mehr oder weniger große so genannte Zerstreuungskreise abgebildet. Mit zunehmender Entfernung von der eingestellten Entfernungsebene werden diese Zerstreuungskreise größer.

Das begrenzte Auflösungsvermögen des menschlichen Auges führt jedoch dazu, dass sehr kleine Zerstreuungskreise als Punkte gesehen werden. Somit erscheint auch ein bestimmter Bereich vor und hinter der eingestellten Entfernung scharf.

Was heißt das fürs Fotografieren?

Wie kann man die Schärfentiefe beeinflussen?

Man muss zunächst vorweg nehmen, dass die bewusste Gestaltung von Fotos mittels gezielter Schärfentiefe praktisch nur mit den Programmen der jeweiligen Kamera gelingt, die eine manuelle Einstellung der Blende ermöglichen, also vor allem die Zeitautomatik (Blende vorwählen, Belichtungszeit wird automatisch eingestellt) und die manuelle Einstellung von Blende und Belichtungszeit. Mit Vollautomatikprogrammen ist dieses gezielte Steuern der Schärfentiefe kaum möglich bzw. wird von der Kameraelektronik übernommen (z.B. im Portraitprogramm oder Landschaftsprogramm).

Bei Landschaftsaufnahmen besteht oft das Ziel, alle Motivdetails vom Vordergrund bis zum unendlich weit entfernten Hintergrund scharf abzubilden. Dieses Ziel erreicht man dadurch, dass man die Blende schließt (abblendet), so dass eine große Schärfentiefe entsteht. Die Fokussierung erfolgt entweder auf ein unendlich weit entferntes Motivdetail oder – um eine noch größere Schärfentiefe zu erzielen - auf die so genannte Hyperfokaldistanz (Erklärung im nächsten Abschnitt).

Anmerkung 1: Die Daten der nachfolgenden Beispiele sind Schärfentiefetabellen entnommen worden und beziehen sich auf das Kleinbildformat (24mmx36mm). Für kleinere Formate (APS-C oder noch kleiner) bleiben diese Werte zwar grundsätzlich gleich, aber es ergeben sich Abweichungen durch die stärkere Vergrößerung. Außerdem haben insbesondere kompakte Digitalkameras oft sehr kleine Sensoren, so dass entsprechend nur sehr kleine Brennweiten zum Einsatz kommen. Trotz stärkerer Vergrößerung der Fotos kommt es dadurch grundsätzlich zu sehr großer Schärfentiefe. Das Freistellen mittels geringer Schärfentiefe ist mit diesen Kameras somit bauartbedingt nicht oder nur eingeschränkt möglich.

Beispiel 1: 28mm Brennweite, Blende 11, Fokussierung auf unendlich ergibt einen Schärfenbereich von ca. 2m bis unendlich

Beispiel 2: 50mm Brennweite, Blende 16, Fokussierung auf unendlich ergibt einen Schärfenbereich von ca. 4,5m bis unendlich

Anmerkung 2: Bei allen modernen Kameras erfolgt die Belichtungsmessung bei offener Blende. Dadurch sieht man im Sucher oder auf dem Monitor zunächst auch nur die Schärfentiefe bei offener Blende. Das Resultat sieht man dann erst beim fertigen Foto. Viele höherwertige Spiegelreflexkameras besitzen eine so genannte Abblendtaste, mit der man bereits vor der Aufnahme – zur Kontrolle der Schärfentiefe – auf die eingestellte Blende abblenden kann. Da dabei auch weniger Licht durch das Objektiv fällt, wird das Bild im Sucher dunkler, was nur noch bedingt eine gute Beurteilung der Schärfentiefe zulässt.

Soll nur ein bestimmtes Detail des Motivs scharf abgebildet werden, z.B. eine einzelne Blüte, öffnet man die Blende so weit wie erforderlich, um einerseits die Blüte in der gewünschten Tiefenausdehnung scharf abzulichten und andererseits den Vorder- und Hintergrund in der Unschärfe verschwinden zu lassen.

Beispiel 3: 85mm Brennweite, Blende 4, Fokussierung auf 4m ergibt einen Schärfenbereich von ca. 3,7m bis 4,3m. Möchte man z.B. eine Blüte mit ca. 20cm Tiefenausdehnung scharf ablichten, wäre dies z.B. eine gute Einstellung.

Wenn man in den Bereich von Nahaufnahmen kommt, kann die Schärfentiefe u.U. nur noch wenige mm betragen. Daher ist reichliches Abblenden bei Makros nötig.

Beispiel 4: 100mm Brennweite, Blende 11, Fokussierung auf 1m ergibt einen Schärfenbereich von ca. 0,97m bis 1,03m.

Mit diesem Wissen sollte es nun möglich sein, die Schärfentiefe als Gestaltungselement gezielt einzusetzen.

Noch ein Hinweis (für die, die den Link noch nicht kennen) und vielleicht als Hilfe zum besseren praktischen Verstehen: http://www.striewisch-fotodesign.de/lehrgang/anmerk/ts_kb.htm

Hyperfokaldistanz

Mit einem Trick lässt sich die Schärfentiefe erweitern (um z.B. das Motiv bei Weitwinkel-Landschaftsaufnahmen vom betonten Vordergund bis zum Horizont scharf abzubilden), indem man die Hyperfokaldistanz eines Objektivs ausnutzt.

Da sich der Schärfenbereich - wie im Absatz zuvor dargestellt - sowohl vor als auch hinter der eingestellten Fokussierung befindet, kann man dies ausnutzen, indem man das Objektiv auf eine kürzere Entfernung fokussiert, so dass das Motiv insgesamt über einen größeren Bereich scharf abgebildet wird, als bei einer Fokussierung auf undendlich.

Beispiel: 50mm-Objektiv, Blende 8

Bei Fokussierung auf Unendlich ergibt sich ein Schärfenbereich von 9m bis unendlich. Stellt man unter diesen Bedingungen jedoch die Entfernung auf 8m, so ist alles ab 4m bis unendlich scharf. Wie man auf diesen Wert (8m bei Blende 8 und 50mm Brennweite) kommt, siehe unten aufgeführtes Beispiel.

Die Schärfentiefe kann mit diesem Trick (in diesem Beispiel) von 9m bis unendlich auf 4m bis unendlich erweitert werden, ohne die Blende zu verstellen.

Da den Objektiven moderner Kameras Skalen, wie im unten verlinkten Beispiel zu sehen, fehlen, ist man auf die Berechnung angewiesen, die z.B. hier zu finden ist: http://www.striewisch-fotodesign.de/lehrgang/anmerk/ts_hfd.htm

Eine weitere sehr interessante Internetseite zur Berechnung der Schärfentiefe und anderen Werten ist: Schärfentiefe-, Abbildungsmaßstab- und Nahlinsenrechner (http://www.erik-krause.de/schaerfe.htm)

Bei abgeblendetem Objektiv ist es also in den meisten Fällen unsinnig auf unendlich scharf zu stellen, da man hierdurch Schärfentiefe verschenkt.

Eine weitere Anwendung dieser Überlegung ist das Fotografieren ohne ständiges Scharfstellen, also mit einer so genannten Schnappschusseinstellung. Beispiel mit einem 50mm-Objektiv: Man stellt das Objektiv z.B. auf 3m scharf und wählt Blende 11. Dann kann man ohne Auto-Fokus oder ständiges manuelles Scharfstellen einfach und schnell Fotos machen, denn die Schärfentiefe reicht in diesem Fall von ca. 2m bis 5,5m. Aus dem Wissen von oben folgt aber, dass dies nur bei kurzen Brennweiten sinnvoll einsetzbar ist. Gewöhnungsbedürftig bei dieser Arbeitsweise ist auch, dass in vielen Fällen das Motiv beim Blick durch den Sucher unscharf ist. Da muss man erst Vertrauen in die Methode gewinnen.

Beispiele in der fotocommunity

  • Schärfentiefe (http://www.fotocommunity.de/pc/pc/extra/egallery/pcat/291796/display/14778958)
  • Hyperfokaldistanz (http://www.fotocommunity.de/pc/pc/extra/egallery/pcat/291796/display/14182416)

Weblinks


  Letzte Änderung: 16:55, 6. Jan 2009 von Franz-Josef Wirtz . Basiert auf dem Text von Frank Bothe und Rolf Fack und anderen. - Aufrufe: 43404
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