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TLR

Die TLR (=twin lens reflex camera; zu Deutsch: zweiäugige Spiegelreflex-Kamera) verfügt über zwei Objektive (="Augen"), von denen das obere das Bild über einen Spiegel auf eine Mattscheibe wirft, während das untere zur Belichtung des Films (meist Rollfilm 120 oder 220) dient. Das Bild auf der Mattscheibe ist seitenverkehrt und kann durch einen Lichtschacht (waist level finder) von oben betrachtet werden.

Da die optische Achse des Sucherobjektivs einige Zentimeter oberhalb der optischen Achse des Aufnahmeobjektivs liegt, kommt es zur so genannten Parallaxe, d.h. dass das Sucherbild besonders im Nahbereich nicht mit dem aufgenommenen Bild übereinstimmt. Darin liegt, neben den meist fest verbauten Objektiven, einer der Hauptnachteile von TLR-Kameras.

Der Parallaxenausgleich war dementsprechend immer eines der Hauptanliegen der TLR-Konstruktion. Erst durch die Entwicklung der SLR (=single lens reflex)-Kamera (Hasselblad!!) mit nach oben schwingendem Spiegel - der Fotograf kann durch das Objektiv blicken, mit dem auch die Aufnahme gemacht wird - konnte das Problem wirklich gelöst werden.

Hauptvorteile einer TLR sind die verhältnismäßig leise und vibrationsfreie Arbeitsweise (bei der Aufnahme "bewegt" sich nur der Zentralverschluss des Aufnahmeobjektivs) und die Tatsache, dass das Sucherbild auch im Augenblick der Aufnahme sichtbar bleibt (daher war dieser Kameratyp vor allem bei Porträt- und Hochzeitsfotografen beliebt). Ausserdem punkten TLRs durch ihre kompakten Abmessungen und dem geringen Gewicht.

Erfinder der TLR ist Rollei. Urvater aller TLR-Modelle ist die legendäre Rolleiflex von 1929, die in diversen Ausführungen gebaut wurde und mit der ebenso legendäre Fotografen wie Fritz Henle (Mr. Rolleiflex), Robert Capa oder Helmut Newton gerne gearbeitet haben. Sie ist bis heute in Produktion und derzeit in der Version FX im Handel. Ausser der klassischen Rolleiflex mit einem 75 oder 80mm Normalobjektiv wurden auch Modelle mit Tele- ("Telerollei" mit 135mm Objektiven) und Weitwinkelobjektiven (die "Weitwinkelrollei" mit 50mm und 55mm Objektiven) hergestellt. Siehe auch Wikipedia ->Rolleiflex (http://de.wikipedia.org/wiki/Rolleiflex)

Yashica stellte verschiedene TLR-Modelle her die durch ihren günstigen Gebrauchtpreis und die guten Objektive einen guten Einstieg in die Mittelformatfotografie mit TLRs darstellen. Besonders die letzten hergestellten Modelle, die Yashica Mat 124 und 124G sind eine günstige Alternative zu einer Rolleiflex.

Auch die japanische Firma Mamiya produzierte eine TLR, die Mamiya Flex C Professional, die ursprünglich der Rolleiflex nachempfunden war, ab den frühen 50er Jahren aber eine eigene Linie mit Wechselobjektiven verfolgte. Dieser Typ C, später C3, C33 und C330, in einer etwas leichteren und vereinfachten Variante als C22 und C220 erhältlich, wurde bis Mitte der 90er Jahre produziert. Hauptvorteil der Mamiya TLRs gegenüber den TLRs von Rollei, Yashica & Co ist die Möglichkeit die Objektive zu wechseln, allerdings erkauft durch die grösseren Abmasse und das deutlich höhere Gewicht.

Die chinesischen Seagull TLRs werden noch immer neu produziert, sind günstig, aber Aufgrund der mittelmässigen optischen und mechanischen Qualität nicht unbedingt ein Alternative zu einer gebrauchten Yashica Mat oder Rolleiflex...


  Letzte Änderung: 12:45, 17. Aug 2005 von Marc Schlueter . Basiert auf dem Text von ... Sansflash. - Aufrufe: 3504
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