Dies ist eine Bezahl-Funktion
Bezahlende User können schon ab 4 € im Monat alle Funktionen der fotocommunity nutzen.
  • In allen Foren lesen und schreiben
  • Aktbilder hochladen und anschauen
  • Am Galerie-Voting teilnehmen
  • Bis zu 30 Fotos / Woche hochladen
> Jetzt Bezahl-Mitglied werden
 
ad ad ad
 
 
 
spacer.gif

SW-Negativ - Trocknung

Inhaltsverzeichnis

Gefahren


Die größten Feinde eines nassen Negativstreifens, dessen Emulsion sich noch in einem aufgequollenen, weichen und damit hochempfindlichen Zustand befindet, sind:


  • Staub


Jedes noch so feine Stäubchen, das sich in diesem Zustand auf der Emulsion niederläßt, verklebt im Laufe des Trocknungsprozesses mit dieser, so daß es danach meist nicht mehr ohne Verletzung der Filmemulsion entfernt werden kann. Wer seine Bilder nach dem Vergrößern gerne retuschiert, da er dies ebenfalls als wertvolle künstlerische Bearbeitung seiner Aufnahmen schätzt, wird damit keine Probleme haben, aber für alle anderen sind die daraus resultierenden weißen Fädchen und Flecken auf den Vergrößerungen ein ziemliches Ärgernis. Staub- und Fusselfreiheit sind also sehr wichtig in dieser Phase der Negativverarbeitung, denn die hier mit der Emulsion dauerhaft verklebten Staubteilchen lassen sich später nicht mehr wegblasen oder wegpinseln.


  • Kratzer


Die noch weiche Filmemulsion ist jetzt natürlich noch sehr leicht verletzbar durch mechanische Einwirkungen. Hier sind insbesondere feinste Sandteilchen im Leitungswasser (u.a. deshalb sollte das Netzmittelbad unbedingt mit destilliertem Wasser eingesetzt werden) oder an einem Hilfsmittel zum Abstreifen der Negative zu nennen. Absolut vorsichtige Handhabung im Umgang mit den Negativen und Sauberkeit aller mit ihnen in Kontakt kommenden Mittel (einschließlich der eigenen Hände) sind unerläßlich, will man später keine häßlichen Telegrafendrähte auf seinen Prints sehen, wo eigentlich gar keine verlaufen sollten.


  • Trocknungsflecken


Solche Trocknungsflecken sind durch ihr tropfenförmiges oder halbrundes Aussehen nicht nur gut auf dem Negativ, sondern danach auch ebenso deutlich auf der davon erstellten Vergrößerung zu sehen und nur aufwendig zu retuschieren. Ein zuvor korrekt durchgeführtes Netzmittelbad, das mit destilliertem (= kalkfreiem) Wasser angesetzt wurde, stellt sicher, daß die Trocknung schnell und ohne Hinterlassung von Trockenflecken, bei denen es sich meist um Kalkflecken handelt, vonstatten geht. Das auch antistatisch wirkende Netzmittel stellt dabei auch sicher, daß der Filmträger nicht als Magnet für Staub (siehe oben) wirkt. An die vom Hersteller angegebene Konzentration beim Ansatz des Netzmittels sollte man sich unbedingt halten, da durch ein Zuviel an Netzmittelkonzentrat ansonsten auch Flecken durch das Netzmittel beim Trocknen entstehen können.



Abtropfen, Schleudern oder Abstreifen ?


Der erste Schritt zur Trocknung der Negative vollzieht sich beim Entnehmen der Negative aus dem Netzmittelbad. Über die richtige Methode kann man stundenlang diskutieren ... wie über fast alle unterschiedlichen Methoden im Bereich der Fotografie und Laborarbeit. Nachdem alle der hier aufgezählten Methoden bei einer Vielzahl von Laboranten zur Anwendung kommen, gibt es wohl auch keine einzig wahre Methode - auch wenn einige dies natürlich anders sehen werden. Prinzipiell stehen folgende Möglichkeiten mit all ihren Vor- und Nachteilen zur Auswahl:


Abtropfen


Wer jegliches Risiko von Kratzern auf der in nassem und aufgequollenen Zustand besonders empfindlichen Filmemulsion vermeiden will, kann seine Negativstreifen nun direkt zum Trocknen aufhängen. Dafür besteht das Risiko, durch die größere Menge an noch überschüssigem Wasser, das sich auf den Negativen befindet, doch Trocknungsflecken zu bekommen.


Schleudern


Nein, bitte nicht die Negative in die Wäscheschleuder geben. Dies wäre zwar eine sehr gründliche Wasserentfernung, wäre der Qualität der empfindlichen Negative aber wohl eher abträglich. Obwohl: Hat dies schon einmal jemand versucht? Aber es gibt eine andere Schleuder, die von manchen Laboranten gerne eingesetzt wird: Eine Salatschleuder. Der Film wird mitsamt der Spirale in eine Salatschleuder gegeben und dort ganz einfach durch die damit üblichen schnellen Drehbewegungen von überschüssigem Wasser entfernt. Auch hierbei ist das Risiko von Kratzern minimiert, aber der Wasserfilm wird auf diese Weise ohne mechanische Berührung mit dem Film wirksam entfernt.


Abstreifen


Dies ist die wirksamste Methode, das überschüssige Wasser des Netzmittelbades zu entfernen. Allerdings besteht hier das Risiko, auf der Filmemulsion Kratzer zu hinterlassen, die dann bei der Vergrößerung häßliche Streifen auf dem Print ergeben. Daher ist auch darauf zu achten, daß sich im Netzmittelbad keine Verunreinigungen (z.B. Sand aus dem Wasseranschluß) befinden. Sofern das Netzmittelbad in einer Schale angesetzt wird, ist natürlich darauf zu achten, daß diese Schale ebenfalls absolut sauber ist und keinen Staub, keine Sandkörnchen etc. beinhaltet.


Für das Abstreifen stehen zwei Möglichkeiten zur Auswahl:


  • Abstreifen mit einer Abstreifzange


Eine solche Abstreifzange hat mehrere weiche Gummilamellen, zwischen die der Fim geklemmt und dann durchgezogen wird. Das Wasser wird so fast vollständig entfernt. Die Abstreifzange muß generell staubfrei und absolut sauber in einem Behältnis gelagert werden, denn ein winziges Sandkorn o.ä., das in ihren Lamellen sitzt, kann den gesamten Filmstreifen irreparabel zerkratzen.


  • Abstreifen mit den Fingern


Hierzu wird der Fim einfach zwischen Mittel- und Zeigefinger geklemmt und dann mit Hilfe der anderen Hand durch diese beiden Finger gezogen. Die beiden Finger zum Einklemmen des Films sollten dabei gefühlvoll zusammengepresst werden, so daß das Wasser abgestreift wird, aber die Filmemulsion auf dem Trägermaterial verbleibt. Es empfiehlt sich auch, einen eventuell an der Hand befindlichen Ehering abzunehmen, da dessen Metall (manche haben ja recht scharfe Kanten) natürlich problemlos die Emulsion verletzten kann. Der oder die Angetraute wird diesen kurzen Moment der Untreue verzeihen ... während die Filmemulsion den Kontakt mit diesem Treuebeweis weniger verzeihen würde.
Daß sich die Hände in einem sauberen Zustand ohne Staub und Dreck befinden sollten, muß wohl nicht besonders erwähnt werden. Nach einem Motorölwechsel oder Gartenarbeit sollte man vielleicht auch nicht sofort Filme entwickeln ohne eine vorherige gründliche Reinigung der Hände vorzunehmen. Die Hände sollten bei einer vorherigen Reinigung auf keinen Fall mit einem Handtuch abgetrocknet werden, da sich dann nämlich jede Menge feinster Fusseln des Handtuchgewebes auf der Haut wiederfinden, die beim Abstreifen dann dauerhaft mit der Emulsion verkleben und dort unentfernbar bei der Trocknung verkleben. Nasse, auch tropfnasse Hände sind dagegen kein Problem beim Abstreifen.



Anbringen der Filmklammern


Zum Aufhängen der Negative gibt es sogenannte Filmklammern, die oben und unten an dem Negativstreifen - wie der Name schon sagt - angeklammert werden. Die oben angebrachte, gewichtsmäßig leichtere Klammer hat einen Haken zum Aufhängen, während die untere Klammer ein deutlich größeres Gewicht hat, damit der Streifen beim Trocknen gestreckt wird und sich nicht zusammenrollen kann.

Da sich am Anfang und am Ende des Films ein ausreichend langer, unbelichteter Streifen Filmmaterial befindet, sind auch die durch manche Filmklammern verursachten Löcher kein Problem. Diese Stücke werden nach der Trocknung einfach abgeschnitten.



Trocknungsort


Das wichtigste bei der Trocknung ist die Staubfreiheit. Der staubfreiste Ort, der sich in einem normalen Haushalt findet, ist i.a. die Duschkabine, insbesondere dann, wenn kurz vorher darin geduscht wurde. Beim Trocknen innerhalb der Duschkabine sollten die Türen geschlossen bleiben. Das Bad hat dabei den zusätzlichen Vorteil, daß es darin meist recht warm ist, der Film also schneller trocknet. Eine einfach über die Duschkabine gelegte Stange (z.B. eine kleine zusammenschiebbare Gardinenstange) oder ein Metallrohr o.ä. kann dabei als Haltestange für die Filmklammern dienen. Dabei muß darauf geachtet werden, daß die Filme sich nicht berühren und deshalb zusammenkleben; also etwas Abstand lassen, wenn mehrere Filme aufgehängt werden.

Es gibt auch spezielle Trockenkabinen (oft einfache Kunststoffschläuche) mit oben angebrachtem Trockengebläse. Die wenigsten Selbstverarbeiter jedoch dürften ein solches Hilfsmittel besitzen, dessen Anschaffung sich zum einen kaum lohnt, und das zum anderen eher kontraproduktiv wirkt. Denn das Trockengebläse sorgt zielsicher dafür, daß auch das letzte ruhende Staubkörnchen aufgewirbelt wird, um zielsicher seine unlösliche Verbindung mit der Filmemulsion einzugehen.

Eine ähnliche Wirkung entfaltet ein Föhn, den manch unbedarfter Zeitgenosse schon zur Trocknung seiner Negative zu Hilfe nahm. Nicht nur die große Hitze sondern auch der nun besonders wirkungsvoll mit kräftigem Schwung förmlich in die Emulsion hineingeblasene Staub sind tödlich für qualitativ hochwertige Negative.



Trocknungsdauer


Die Trocknung der Negative soll nicht nur eine oberflächliche Entfernung von Nässe bewirken, sondern es soll dadurch die gesamte, in der Filmemulsion noch gespeicherte Restfeuchte entweichen können. Dies setzt eine angemessene Dauer der Trocknung voraus. Für die Langzeithaltbarkeit, die sogenannte Archivfestigkeit, ist dies eine wichtige Voraussetzung. Von daher ist es empfehlenswert, die Negative lieber etwas länger als zu kurz trocknen zu lassen, denn eine zu lange Trocknung gibt es eigentlich gar nicht. Sind die Negativstreifen erst einmal geschnitten und in Ablageblättern archiviert, bildet sich bei vorhandener Restfeuchte ein zwar für Mikroorganismen und tropische Pflanzen optimales Gewächshausklima im Ablageblatt, das den empfindlichen Negativen jedoch weniger zuträglich ist als den genannten Lebewesen. Eine langfristig irreparable Beschädigung der Negative ist die Folge von Ungeduld beim Trocknen.

Auch wenn vom rein oberflächlichen Eindruck ein Negativstreifen oft schon nach 2-3 Stunden trocken aussieht, so steckt in der Emulsion zu diesem Zeitpunkt meist noch einiges an Restfeuchte. Als generelle Empfehlung kann gelten, daß ein an einem eher etwas wärmeren Ort (wie z.B. einem Badezimmer) getrockneter Negativstreifen nach 12 Stunden durchgetrocknet ist. Noch sicherer ist es, die Negative einen ganzen Tag, also 24 Stunden lang, trocknen zu lassen.


  Letzte Änderung: 02:03, 12. Jan 2006 von Franz-Josef Wirtz . Basiert auf dem Text von Gabriela Ürlings und Ralf Brauer. - Aufrufe: 4504
Der Textinhalt dieser Seite steht unter der Creative Commons License. Alle Fotos und Grafiken sind urheberrechtlich geschützt, wenn nicht anders angegeben. Der Text spiegelt nicht unbedingt die Meinung der fotocommunity wider.