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SW-Negativ - Netzmittelbad

Zweck des Netzmittelbads


Wasser hat eine gewisse Oberflächenspannung, die es zusammenhält. Man kann dies gut daran erkennen, daß es nicht einfach auf einer Oberfläche auseinander- oder abfließt, sondern Tropfen und kleine Flüssigkeitsflächen bildet, die durch diese Oberflächenspannung zusammengehalten werden. Auf einem Filmstreifen, der zum Trocknen aufgehängt wird, sind solche Wassertropfen, die dann langsam oder gar nicht ablaufen und auf den Negativen eintrocknen, nicht erwünscht. Beim Trocknen des Wassers bleiben nämlich Kalk und andere gelöste Bestandteile innerhalb der Flüssigkeit zurück, die dann als Trocknungsflecken sichtbar sind, sich auch auf der Vergrößerung der Negative zeigen und mühsam wegretuschiert werden müssen. Je härter (= kalkhaltiger) das Wasser in einer Region ist, umso größer ist die Gefahr, daß Kalkflecken beim Trocknen zurückbleiben. Diese unliebsamen Flecken sind auf dem Negativ mit einer Lupe auf dem Leuchtpult klar an ihrem tropfenförmigen oder halbrunden Aussehen zu erkennen.

Netzmittel enthält nun chemische Bestandteile, die dafür sorgen, daß die Oberflächenspannung des Wassers verringert wird, das Wasser also nicht mehr zusammengehalten wird und somit deutlich besser ablaufen kann anstatt an dem Negativstreifen zu haften. Die Gefahr von Trocknungsflecken wird dadurch deutlich veringert.

Ansatz des Netzmittelbads


Ein Netzmittelbad sollte unbedingt mit destilliertem Wasser angesetzt werden. In destilliertem (= entmineralisiertem) Wasser befinden sich kaum Kalk und andere Mineralien, die beim Trocknen zurückbleiben könnten. Wird nun der zuvor mit normalem Leitungswasser (egal welchen Härtegrades) gewässerte Negativstreifen in einem mit destilliertem Wasser angesetzten Netzmittelbad gewässert, läuft das danach verbleibende (destillierte) Wasser nicht nur besser von den Negativen ab, sondern es befinden sich auch keine fleckenfördernden Bestandteile mehr in dem doch noch anhaftenden Wasser.


Leider ist immer wieder festzustellen, daß die Sorgfalt, die beim Ansetzen des Entwicklers angewandt wird, beim Ansatz des Netzmittelbads nicht zu finden ist. Beim Ansatz des Bads sollte man sich unbedingt an das vom Hersteller angegebene Mischungsverhältnis Netzmittelkonzentrat zu Wasser halten, gerade bei der Verwendung von destilliertem Wasser sogar etwas unterhalb der empfohlenen Menge an Netzmittelkonzentrat bleiben (80% der angegebenen Menge sollten auch ausreichend sein) - beim Ansatz des Entwicklers mischt man schließlich auch nicht nach Gefühl, sondern hält sich möglichst genau an die empfohlene Konzentration. Denn wird zuviel Netzmittelkonzentrat verwendet, bildet sich mehr Schaum, dessen Blasen dann beim Trocknen auch gerne Trocknungsränder hinterlassen.


Da pro Liter Wasser oft nur wenige Milliliter Netzmittelkonzentrat benötigt werden, hat sich beim Abmessen eine Einwegspritze mit entsprechender Millilitereinteilung bewährt. Solche Spritzen kann man für wenige Cent in jeder Apotheke kaufen. Dabei empfiehlt sich ein einigermaßen seriöses Erscheinungsbild, will man nicht gleich für einen Heroinabhängigen gehalten werden.

Anwendung des Netzmittelbads


Prinzipiell gibt es folgende Methoden das Netzmittelbad anzuwenden:


  • In der Filmdose


Das Netzmittel wird nach dem Abschütten des Wassers von der vorhergehenden Wässerung und einem kurzen Abtropfenlassen in die offene Dose gefüllt. Der Film muß dabei vollständig bedeckt sein. Die Dose vielleicht nochmals kurz aufstoßen, damit vorhandene Luftblasen aufsteigen und dann den noch auf der Spirale befindlichen Film einfach etwa 1 Minute im Netzmittelbad ruhen lassen, bevor er zur Trocknung entnommen wird.


Es ist bei Rotationsentwicklung natürlich auch möglich, die für Rotation benötigte Menge an Netzmittel in die Dose zu geben und diese rotieren zu lassen, aber dabei gilt es zu beachten, daß durch die Drehbewegung und das damit verbundene Umherschwappen des Netzmittels auch gerne mehr Schaum entsteht, den es eigentlich (siehe oben) zu vermeiden gilt. Auch bei Rotationsentwicklung ist daher eher das ruhende Bad in der offenen Dose zu empfehlen.


Nicht jeder bevorzugt die Methode, das Netzmittelbad in der Filmdose anzuwenden. Da auch kleine Mengen an Netzmittel leicht zu Schaumbildung führen, müssen Filmdose und Spiralen hinterher auch sehr gründlich mit frischem Wasser gereinigt werden. Kleinste eingetrocknete Netzmittelreste können nämlich bei der nächsten Verwendung der Gerätschaften zu Schaumbildung z.B. beim Entwickler führen, was die Gefahr einer ungleichmäßigen Entwicklung und damit Unbrauchbarkeit der Negative vergrößert.


  • In der Schale


Hierbei wird eine kleine flache Plastikschale für das Netzmittelbad verwendet. Eine Laborschale für kleine Bildformate oder eine flache Gefrierbox eignen sich hierzu gut. Der Film wird dann aus der Spirale entnommen, jedes Filmende mit einer anderen Hand gegriffen und der Film dann etwa 1 Minute langsam in einem flachen Bogen immer wieder hin und her durch das Netzmittelbad in der Schale geführt.


So bleiben Filmdose und Filmspiralen frei von der Berührung mit Netzmittel und die Gefahr von Schaumbildung beim Entwickeln ist nicht mehr vorhanden. Dafür besteht hier durch das Bewegen des Films in der Netzmittelschale die Gefahr mechanischer Beschädigungen der feuchten, aufgequollenen und damit weichen Emulsionsschicht. Die verwendete Schale sollte staub- und schmutzfrei gelagert werden. Kleinste Sandkörnchen z.B. aus dem Leitungswasser könnten ansonsten den Film zerkratzen. Auch die Berührung mit den Schalenwänden und dem Schalenboden sollte weitgehend vermieden werden. Daher empfiehlt es sich, die Emulsionsseite des Films oben zu haben, so daß nur die unempfindlichere Trägerseite mit der Schale in Kontakt kommt.


Nach erfolgreich durchgeführtem Netzmittelbad folgt nun die Trocknung der Negativstreifen.


  Letzte Änderung: 02:02, 12. Jan 2006 von Franz-Josef Wirtz . Basiert auf dem Text von Gabriela Ürlings und Ralf Brauer. - Aufrufe: 3749
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