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SW-Negativ - Entwicklung

Notwendige Gerätschaften

Zum Filmentwickeln braucht man kein ausgebautes Fotolabor. Man muss aber einen Raum haben, der sich total verdunkeln lässt. Eventuell genügt dafür sogar ein Kleiderschrank. Es darf aber kein Fitzelchen Licht hineinkommen! Sonst wird der Film sofort schwarz! Denke daran: Auch in der Kamera wird er nur eine hunderstel Sekunde belichtet! Auch die grüne oder rote Dunkelkammerlampe ist tabu! Der Film ist nämlich viel empfindlicher als das Positivpapier. Außerdem braucht man eine Entwicklungsdose/-tank. Die bekommt man heute oft preisgünstig auf dem Flohmarkt, weil viele das Selbstentwickeln schon längst aufgegeben haben.

Weiterhin braucht man einen Messzylinder/Messbecher für den Entwickler, bei Einmalentwickler für das Wasser und eine Pipette mit Maßeinteilung oder einen kleinen Messzylinder für das Entwicklerkonzentrat (z.B. Agfa Rodinal) sowie ein Thermometer (dafür eignet sich z. B. ein Aquarium- oder ein Laborthermometer). Man sollte die vorgeschriebene Entwicklertemperatur möglichst genau einhalten. Wieviel Entwickler in die Dose muss, steht in der Gebrauchsanweisung, oder man misst die Wassermenge, die nötig ist, so dass die Spirale gerade ganz untertaucht.

Weiterhin sind für das Trocknen des Films zwei Wäscheklammern empehlenswert, eine zu Aufhängen, eine zum Dranhängen, weil sich der trocknende Film sonst aufzuwickeln droht. Manche streifen das letzte Spülwasser mit einer Trockenzange mit Gummilippen ab (Vorsicht, dabei kann man sich wunderbare Kratzer in den Film machen, die ehemals lichtempfindliche Schicht ist ja noch ganz weich und aufgequollen), es geht aber auch zwischen zwei Fingern. Wenn Leitungswasser tropfenweise auf dem Film bleibt, gibt es hässliche Kalkränder beim Trocknen, die beim Vergrößern dann sichtbar sind. Experten spülen den Film nach der Endwässerung kurz mit destilliertem Wasser, um die Kalkflecken zu vermeiden. Es genügt aber auch ein Netzmittel im Spülwasser, das die Tropfenbildung verhindert und für einen gleichmäßigen Wasserfilm sorgt. Dann kann man evtl. sogar auf das riskante Abstreifen ganz verzichten. (Vgl. die Abschnitte Netzmittelbad und Trocknung weiter unten)

Der Entwicklungsvorgang

Der Film muss bei völliger Dunkelheit in die Dose eingelegt werden. Und da beginnt die Schwierigkeit: Das muss man zunächst im Hellen mit einem belichteten Film üben. Zuerst muss man die Filmpatrone öffnen. Das übt man schon mal mit einer gebrauchten Patrone. Das ist gar nicht so einfach, dabei kann man sich gut die Fingernägel abbrechen. Erfahrene Fotografen wissen, dass man besser beim Zurückkurbeln eine Lasche aus der Patrone rausgucken lässt, so dass man den Film herausziehen kann ohne die Patrone zu öffnen. Dann schneidet man den Film mit einer Schere dicht an der Patrone ab. Man sollte dann auch die scharfen Ecken des Films ein klein wenig schräg abschneiden, das kann das Einfädeln erleichtern.

Nun kommt das Einfädeln. In manche Tanks muss man den Film in die Spirale des Tanks einschieben, was manchmal nicht so einfach ist (unbedingt vorher üben!!!), denn er verhakt sich gern (deswegen die abgeschrägten Ecken). Wenn er das tut, kann man ihn möglicherweise durch klopfen lösen, dann geht es wieder für ein/zwei Umdrehungen weiter.... Vorsicht, alles mit Gefühl! Wenn der Film "entgleist", so dass zwei Windungen direkt ohne Zwischenraum aufeinander liegen, kommt der Entwickler nicht heran, und die Stelle des Films wird nicht entwickelt. (Das womöglich dort, wo das galerieträchtige Motiv war...) Bei manchen Tanks kann man auch den Film mit einer Kurbel einziehen. Das ist viel einfacher, muss aber auch unbedingt geübt werden. Dazu die Gebrauchsanleitung lesen! Aus schlechten Erfahrungen kann/soll man zwar lernen, aber die sind auch sehr unangenehm, wenn der Film verdorben wird.

So, nun ist die Hauptarbeit getan, jetzt wird der Deckel gut(!) verschlossen (aufpassen, dass man das Gewinde nicht schräg zu fassen bekommt!). Ab jetzt kann Licht an die Dose, nun kann es mit der Chemie losgehen. (Fortsetzung folgt)

negativfehler und deren abhilfe bzw. vermeidung

1. pinholes (winzige löcher in der emulsion wie von nadelstichen) entstehen durch chemische reaktion, wenn die emulsion vom (immer) alkalischen entwickler in saures stopbad gelangen. der sprung im ph-wert ist zu groß.

  • abhilfe: kein saures stopbad verwenden, sondern nur klares wasser (1-2x wasserwechsel; je 5x kippen).

2. runzelkorn entsteht durch starke temperaturschwankungen während der negativentwicklung (alle bäder).

  • abhilfe: ALLE bäder sollten die gleiche temperatur haben (max. +-1°C).

3. bläschenbildung (stellenweise unter- oder nichtentwicklung) entsteht durch hohe oberflächenspannung des entwicklers (stark kalkhaltiges wasser) und durch zu geringe mechanische bewegung.

  • abhilfe: vorwässerung: entwicklungsdose mit film vor der eigentlichen entwicklung mit wasser füllen und kräftig 2-3x auf festen untergrund aufstoßen und mehrere kippbewegungen ausführen.

entwicklung ohne vorwässerung: nach einfüllen des entwicklers die dose kräftig 2-3x aufstucken, damit mögliche luftbläschen sich vom film lösen können. wasser für entwickler vorher abkochen (und abkühlen lassen...).

4. entwicklungswölkchen, quer zum flüssigkeitstand verlaufende streifen (ungleichmäßig entwickeltes negativ): entstehen durch starke entwicklerwirkung. der negativentwickler arbeitet zu beginn sehr schnell und stark und seine wirkung schwächt sich mit fortschreitender zeit und fortschreitendem entwicklungsstadium ab. wenn der entwickler zu langsam in die dose eingefüllt und diese zu wenig und zu langsam und zu gleichförmig bewegt wird, kann dies zu unregelmäßiger entwicklung des negatives führen.

  • abhilfen:

a: einfüllen: entwickler wirklich zügig einfüllen und sofort mit der bewegung beginnen.

b: bewegung: bei der kippentwicklung sollte man bei vor jedem kippzyklus die dose ein stück um die längsachse drehen, um in verschiedene richtungen zu kippen. bei der rotationsentwicklung sollte man bei auftreten eines solchen fehlers die dose während der entwicklung 1-2x entnehmen und 1x kippen. der wechsel der bewegungrichtungen sorgt für eine gleichmäßige vermischung von verbrauchtem und frischem entwickler in der dose, so daß eine homogenere entwicklung möglich ist.

c: vorwässerung: durch vorwässern erreicht man ein vorquellen der schicht und vermeidet ein zu schnelles und ungleichmäßiges eindringen und reagieren des entwicklers. (siehe auch 3.)

d: konzentration: durch verdünnen des entwicklers startet der entwicklungvorgang weniger heftig und die entwicklungszeit wird länger (vorschriften beachten). meist entstehen auch ausgeglichenere negative und feineres korn (entwicklerabhängig). manchmal kann die schärfe etwas geringer sein (film- und entwicklerabhängig)

5. verlaufsstreifen (meist von einem filmrand zur mitte hin: entstehen durch ungenügende bewegung und zu niedrige füllhöhe des entwicklers in der dose. der entwickler verbraucht sich an den stellen, wo er das negativ entwickelt hat. wenn er zu wenig bewegt und durchmischt wird, bleibt er am negativ stehen und durch dichteerhöhung sinkt er langsam an der schicht entlang nach unten (dadurch entstehen diese streifen). dort wo sich verbrauchter entwickler befindet, gelangt kein frischer entwickler hin. bei zu geringer durchmischung erfolgt eine ungleichmäßige entwicklung.

  • abhilfe: sorgfältiges einhalten der entsprechenden bewegungsvorgaben.

auf ausreichende befüllung achten: alle filmspulen müssen von der flüssigkeit BEDECKT sein.

6. kalkflecken oder andere verschmutzungen auf dem trockenen negativ: entstehen durch auftrocknen von hartem (kalkhaltigem) wasser das in tropfen auf dem film stehen bleibt und nicht ordentlich abgelaufen ist. verschmutzungen sind meist staubauflagen auf dem feuchten film. die emulsion ist sehr klebrig, bevor sie trocken ist.

  • abhilfe: zum abspülen des filmes nach der schlußwässerung sollte man destilliertes (entmineralisiertes) wasser (billig: baumarkt) verwenden, dem man ein paar tropfen(!) netzmittel zusetzt (wenn das ganze schäumt wie badewasser, ist es zuviel netzmittel).

der trockenraum sollte wirklich sauber sein (vor dem aufhängen des filmes FEUCHT durchwischen, auch obenrum, nicht nur den fußboden, um staub zu entfernen). spezialtrick: unmittelbar vor dem aufhängen des filmes den raum mit wasser gefüllten pumpsprühflasche aussprühen. die feuchtigkeit bindet den staub in der luft. nach aufhängen des filmes sollte man den raum schließen (fenster auch!) und ihn wenigstens 2 stunden nicht betreten, um keinen staub aufzuwirbeln. mit dem fön trocknen geht klasse und schön schnell und der fön pustet auch prima staub auf den film...

7. schmierstellen und kratzer auf dem fertigen negativ: entstehen durch mechanische einwirkung.

  • abhilfe: film nach möglichkeit NICHT abwischen, abstreifen oder ähnliches (womit auch immer). der film sollte hängend mit netzmittelhaltigem destilliertem wasser abgespült werden. am besten und sparsamsten geht das mit einer spritzflasche. das wasser läßt man nur ablaufen.

alternative: einige schleudern den film in einer salatschleuder: entwicklungsfilmspule MIT film aus dem netzmittelwasser nehmen und hochkant in die den schleuderkorb stellen, mit der achse zur mitte hin. wichtig ist der gewichtsausgleich: wenn man nur eine spule mit film hat, stellt man gegenüber eine leere spule als gegengewicht. bei mehr als 2 spulen befüllt man den schleuderkorb gleichmäßig verteilt, um unwucht zu vermeiden. dann deckel zu und das ganze kräftig schleudern. durch die fliehkraft wird das oberflächenwasser nach außen gedrängt und die filmoberfläche ist nicht mehr benetzt. achtung: stolperfalle: die emulsion ist jetzt mechanisch SEHR empfindlich und SEHR klebrig. deshalb ist beim herausnehmen des filmes aus der spule hier GRÖßTE VORSICHT geboten, um den film nun nicht noch zu verkratzen und durch staubaufwirbeln für verschmutzung zu sorgen. vorteil der schleudermethode: der film ist deutlich schneller trocken. ich persönlich bevorzuge nach eigenversuchen verschiedener methoden diese: wenn man SEHR sorgfältig und VORSICHTIG arbeitet kann man den film zwischen zwei netzmittelNASSEN fingern IN EINEM ZUG abstreifen.

8. farbige negative (meist pink, lila, blau, rötlich): das sind reste der lichthofschutzschicht, die im entwicklungsprozeß nicht ordungsgemäß entfernt wurde. manchmal dienen farbstoffe auch zur sensibilisierungsanpassung im lichtspektrum (panchromatische sensibilisierung). normalerweise löst der alkalische entwickler diese farbstoffe. aber wenn der entwickler (stark) verdünnt ist (einmalentwickler) kann es vorkommen, daß die alkalität hierfür nicht reicht. bei manchen filmsorten wird die färbung auch im fixierprozeß entfernt. hier ist darauf zu achten, daß der fixierer nicht zu verbraucht ist und daß die konzentration der fixierkösung und die fixierzeiten eingehalten werden.

  • abhilfe: bei einigen filmsorten hilft sonnenlicht: die reste bleichen aus.

im entwicklungsprozeß: film vor dem entwickeln vorwässern (siehe auch 3.). dies löst schon die meisten teile der lichthofschutzschicht. im fixierprozeß: fixierermege, -konzentration und fixierzeit einhalten. bei bedarf kann man nochmals nachfixieren, hier aber dann komplette schlußwässerung nicht vergessen. bei manchen filmsorten (ilford) kann man farbstoffreste auch durch ein alkalisches sodabad entfernen - danach nochmals eine schlußwässerung.

9. fleckige negative nach einiger zeit der lagerung (meist gelblich oder braun-rötlich): entstehen, wenn das negativ nicht genügend gewässert ist.

  • abhilfe: ausgiebige nachwässerung. dies verhindert nur weitere flecken. bereits gebildete flecken gehen davon nicht wieder weg.

10. "nachgedunkelte" (auch fleckige) negative nach lagerung (bereits nach kurzer zeit): entstehen durch ungenügende fixage.

  • abhilfe: nachfixieren - ordentliche schlußwässerung nicht vergessen.

11. verschleierte, nicht klare negative: entstehen durch überentwicklung oder durch ungenügende fixage.

  • abhilfen: überentwicklung: entwicklerkonzentration, entwicklertemperatur und entwicklungszeit einhalten.

höhere temperatur=kürzere zeit, geringere konzentration=längere zeit und umgekehrt und auch in kombination... vorschriften des herstellers beachten. fixage: vorschriften bezüglich zeit, menge und konzentration einhalten. nachfixieren ist möglich und kann abhilfe schaffen - schlußwässerung nicht vergessen.

12. flaue und fast durchsichtige negative: entstehen durch unterbelichtung und/oder unterentwicklung.

  • abhilfen: entsprechend der filmempfindlichkeit und der gewünschten bildwirkung die negative richtig belichten - einstellungen der kamera/des belichtungsmessers beachten.

beim entwickeln ist zu beachten: temperatur, konzentration und einwirkdauer des entwicklers einhalten.

13. sehr harte und dunkle, fast undurchsichtige, negative: entstehen durch überentwicklung und/oder überbelichtung.

  • abhilfe: siehe 12.



  Letzte Änderung: 23:12, 21. Nov 2006 von Hermann A. . Basiert auf dem Text von Franz-Josef Wirtz und Detlef Jahn und anderen. - Aufrufe: 14000
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