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ReflexionWarum sehen wir eigentlich unsere Objekte? Unser Auge bzw. die Kamera registriert doch Licht, und die meisten unserer Objekte leuchten doch nicht? Aber wir wissen ja, ohne Licht geht nichts in der Fotografie. Die Objekte müssen beleuchtet werden, dann werfen sie das Licht zurück, sie reflektieren es. Es gibt zwei Arten der Reflexion, die beide für die Fotografie lebenswichtig sind, die diffuse Reflexion und die spiegelnde Reflexion. Diffuse ReflexionEin Gegenstand mit matter Oberfläche liefert Licht zurück durch diffuse Reflexion. Hierbei ist die gelieferte Lichtmenge proportional zur Beleuchtungsstärke (die in Lux gemessen wird und mit einem Belichtungsmesser gemessen werden kann). Die Absorption (also das Verschlucken von Licht) und damit die Helligkeit des Körpers hängt vom Material, besser vom Oberflächenmaterial des Objekts ab. Wird alles Licht reflektiert, erscheint der Körper weiß, wird alles Licht absorbiert, erscheint er schwarz. Das reflektierte Licht hängt außerdem von der Farbe des Gegenstandes ab, nur deswegen sehen wir Farbe. Ins Auge gelangt ja nicht die Oberfläche selbst, sondern das reflektierte Licht, das den Farbeindruck auslöst. Wenn das Licht der Lichtquelle nicht weiß ist, sind bestimmte Spektralbereiche reduziert oder gar nicht vorhanden. Sie können mithin auch nicht reflektiert werden. Beispiel: Ich verwende Baustrahler (oder anderes Glühlicht oder Energiesparlampen mit Warmton). Da ist der Blauanteil stark abgeschwächt. Dann kommt blau natürlich als zu fotografierende Farbe schlecht rüber! Für Portrait und Akt ist das nicht schlimm, aber bei Fashion werden die Farben verfälscht. Violett sieht bei Lampenlicht viel roter aus, bei Tageslicht viel blauer. Übrigens, auch ein Weißabgleich für 2800 Kelvin kann den fehlenden Blauanteil nicht herbeizaubern! Und eine blaue Folie vor der Lampe macht den Blauanteil auch nicht höher, nur den Rot- und Grünanteil schwächer - und vermindert damit den ohnehin lächerlich geringen Wirkungsrad von Bauscheinwerfern (ca. 5%) noch weiter. Dreht man den Blaukanal später bei der Bearbeitung hoch, bekommt man ein wunderbares Rauschen. Die Beleuchtungsstärke hängt von der Entfernung zur Lichtquelle ab (doppelte Entfernung entspricht 1/4 des Lichts oder zwei Blendenstufen), außerdem vom Winkel, mit dem das Licht auf die Oberfläche auftrifft. Wenn die Oberfläche nicht senkrecht (also 90°) zur Lichtrichtung steht, sondern in 30°, ist das Licht nur noch halb so stark, bei 0°, also Oberfäche parallel zum Licht, ist es dunkel. Das geht mit dem Sinus: sin 90° = 1, sin 60° = 0,866, also noch fast voll, sin 45° = 0,707 (also eine halbe Blendenstufe), sin 30° = 0,5 (eine Blendenstufe), sin 0° = 0. Beispiel: Eine Kugel mit matter Oberfläche, frontal beleuchtet, wird am Rande dunkler und ist daher als Kugel zu erkennen. (Gilt auch für ein Gesicht, auch wenn es nicht kugelförmig ist.) Das ist jetzt die Beleuchtungsstärke, mit der das Licht auftrifft. Die Helligkeit, mit der der Körper dem Auge erscheint, hängt nicht vom Winkel ab, aus dem wir die Oberfläche betrachten! Eine weiße glatte Oberfläche, die gleichmäßig beleuchtet ist, sieht von allen Seiten gleich hell aus! Ein Kugel, gleichmäßig von allen Seiten ausgeleuchtet, wirkt einfach als runde Fläche. Der räumliche Eindruck geht verloren. Das gilt auch für ein ganz gleichmäßig ausgeleuchtetes Gesicht: Die Nase ist dann kaum noch zu sehen. Beispiel: Wir haben ein knitteriges weißes Tuch. Beleuchten wir seitlich, sind die Falten aus allen Richtungen gut zu sehen. Beleuchten wir es aber senkrecht, dazu noch mit einer großflächigen ("weichen") Lichtquelle (Softbox, Schirm vor dem Bauscheinwerfer oder Blitz), dann sind die Falten aus jeder Richtung kaum noch zu sehen. Das gilt übrigens auch für Hautfalten! Will man also Hautfalten weitgehend reduzieren, muss man frontal und weich beleuchten, also am besten mit zwei möglichst großen Softboxen rechts und links von der Kamera. Das schmeichelt besonders älteren Damen! Will man aber einen Körper möglichst plastisch darstellen, braucht man den Kontrast von hell und dunkel - und die Übergänge. Das geht mit seitlichem Licht. Bekannt ist die so genannte "Lichtzange", Licht in ca. 90° von links und rechts, evtl. auch noch gegenlichtiger. Das Objekt erscheint dann schön plastisch. Aber da das Licht von beiden Seiten her vorn parallel zum Körper verläuft, bekommt man bei dieser Beleuchtung in der Mitte einen charakteristischen Schattenstreifen, der besonders in Gesichtern zu schwarzen Augenhöhlen und dunklen Flächen um die Nase herum führen kann, die nicht sehr schön aussehen. Abhilfe: Das Gesicht zu einer der beiden Lichtquellen hindrehen (oder aber ein zusätzliches Licht nur für das Gesicht). Für Portrait ist die Lichtzange aus den genannten Gründen weniger geeignet. Spiegelnde Reflexion:Das ist die Reflexion, die wir alle vom Spiegel her kennen. Es gilt das Reflexionsgesetz: Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel. Blanke Metalloberflächen zeigen fast nur diese spiegelnde Reflexion und sind daher schwer zu fotografieren. Eine Trompete oder ein Saxophon mit frontalem Blitz sieht nicht sehr schön aus, da große Flächen dunkel bleiben. Da muss eine weiche, großflächige Beleuchtung her. Draußen bei diffusem Licht, z. B. mit bedecktem Himmel, geht es am besten. Aber auch nichtmetallische Oberflächen zeigen die spiegelnde Reflexion, z.B. Glas, Wasser, polierte Oberflächen, lackierte Oberflächen. Auch die Haut zeigt, besonders wenn sie angespannt und/oder schwitzig ist, spiegelnde Reflexe, die oft unerwünscht sind. Man kann sie durch Pudern weitgehend wegbekommen. Man kann sie aber auch verstärken, z. B. mit Babyöl. Die spiegelnden Reflexe zeigen übrigens nicht die Farbe des reflektierenden Körper, sondern ausschließlich die Farbe des beleuchtenden Lichts. Außerdem neigen sie dazu, in der Kamera Überstrahlungen auszulösen, da ihre Intensität größer ist als die der diffusen Reflexion. Deswegen sind solche Reflexe im Gesicht ziemlich unbeliebt. Beliebt sind dagegen bläuliche Reflexe in den Haaren. Man braucht dazu eine (schwache!) blaue Lampe, die gegenlichtig auf die Haare scheint. Sogar blonde oder rote Haare bekommen dann einen blauen Schimmer! Einen bemerkenswerten Effekt zeigen die spiegelnden Reflexe auf nichtmetallischen Oberflächen: Sie liefern (teilweise oder vollständig) polarisiertes Licht. Vollständig polarisiert ist das reflektierte Licht, wenn das Licht unter dem "Brewsterschen Winkel" (der liegt bei etwa 42 oder 43°) auftrifft. Dann kann man die Reflexion mit einem Polarisationsfilter vollständig, bei andern Winkeln teilweise unterdrücken - oder auch noch verstärken, je nach Drehung des Polfilters. Deswegen sind alle Polfilter drehber eingerichtet, auch wenn sie ganz draufgeschraubt sind. (Man sollte ein zirkulares Polfilter anschaffen, ein lineares zeigt zwar den Effekt genau so gut, aber es kann die Messung der Kameraautomatik irritieren). Bei Windschutzscheiben von Autos funktioniert das hervorragend, die haben meistens den annähernd richtigen Winkel. Bei Schaufensterscheiben geht es, wenn man etwa 45° aus von der Seite fotografiert. Das muss man ausprobieren. Bei Wasser, schräg auf die Oberfläche gesehen, geht es auch hervorragend, da kann man sogar die Fische im Wasser schwimmen sehen (deswegen sind Polarisatiosbrillen bei Angelwettbewerben verboten, die gelten als unfair.) Auch bei Reflexen im Gesicht oder auf glänzenden Gegenständen geht es. Einfach mal ausprobieren! Und immer das Filter schön drehen! Beispiel für spiegelnden Reflex auf der Haut: Dazu muss das Licht gegenlichtig scheinen. Die Tatsache, dass die Reflexe weiß erscheinen, hat weder etwas mit der Hautfarbe noch etwas damit zu tun, dass das Foto dort überstrahlt wäre. Es ist einfach die Farbe des Striplights. Siehe den Reflex im Auge, die Reflexe im Auge bilden die Beleuchtungssituation prima ab und verraten ganz viel! Die roten Stellen in den Haaren sind nicht solche Reflexe, sondern Durchlicht. Dann macht sich die Farbe bemerkbar. (Ursprünglicher Text und Foto: Hermann A. (http://www.fotocommunity.de/pc/account/myprofile/593691), siehe auch fc-foto:16927350 (http://fc-foto.de/16927350), freundliche Anmerkungen sind willkommen.) |
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