Fotografieren in Nordkorea:
Vor meinem Peking/Nordkorea-Urlaub kaufte ich mir neu die Canon EOS 60D sowie das Canon 24-105 f4.
Einreise:
Ich musste die Kamera sowie das Netbook aus dem Rucksack nehmen und zeigen. Ich wurde gefragt, ob die Kamera GPS-fähig sei was ich verneinte (was auch stimmt) und auch die Frage nach einem Internetanschluss bzw. Verbindung des Netbook verneinte ich (was auch korrekt war). Man hat mich dann weiter gelassen und weder Kamera noch Netbook genauer angeschaut. Kameras die GPS-fähig sind, dürfen nicht eingeführt werden. In früheren Jahren hatte man schon Probleme, überhaupt eine Fotokamera in das Land mitnehmen zu dürfen. Wenn ihr von dem her eine Kamera habt, die irgendwo das GPS-Logo aufweist, könnte es Probleme geben (es muss nicht). Alles was man beim Zoll abgibt (wie Reisepass und Mobiltelefone), bekommt man wieder zurück, bzw. es wird verpackt und den Reiseleitern/Aufpassern gegeben.
Fotografieren während dem Fahren:
In Nordkorea fährt man oft direkt zum Zielgebiet oder zur Sehenswürdigkeit und dort ist die Zeit knapp. Im Internet habe ich viele Berichte gelesen, das man während dem Fahren nicht vom Auto aus fotografieren durfte. Bei uns war das aber kein Problem. Sonst hätte ich sehr viele Fotos von Pjöngjang nicht machen können. Während der Fahrt mit dem Zug von Pjöngjang nach Peking konnte man ungestört aus dem Fenster fotografieren (die Gegend erinnert stark an südostasiatische Länder). Das Fenster konnte man aber nicht öffnen. Im nordkoreanischen Speisewagen wollten die Leute nicht, dass wir Fotos machen.
Fotografieren:
Fotografieren ist in der Regel erlaubt. Aber man muss gewisse Dinge beachten: Wenn die Reiseleiter sagen, dass hier nicht fotografiert werden soll, dann sollte man sich auch daran halten. Sonst bekommt man Probleme (und auch die Reiseleiter können Probleme bekommen). Da man in der Regel nie mit der einheimischen Bevölkerung in Kontakt kommt, erübrigt sich das Fragen oder Probleme mit dem Ablichten von der lokalen Bevölkerung. Wenn man zur Grenze an der DMZ fährt, gibt es eine Stelle, an der man nicht fotografieren darf. Wir fragten dort trotzdem, ob wir ein Propagandaschild ablichten dürfen und es wurde uns erlaubt. Aber man muss gar nicht versuchen, heimlich weitere Fotos zu machen. Auch auf gewissen Strecken dort durfte nicht aus dem Auto heraus fotografiert werden. Bei der Grenze angekommen hiess es, dass wir fotografieren dürfen. Also machte ich auch Fotos von den Soldaten. Mal näher, mal weiter weg. Man machte ja auch Gruppenfotos mit einzelnen Soldaten usw. Trotzdem wurde ich, als wir den Ort verliessen, von der Reiseleiterin scharf gerügt, weil ich die Soldaten nicht gefragt hätte usw. Trotzdem musste ich keine Fotos löschen. Bei der internationalen Freundschaftsausstellung darf man keine Kamera hinein nehmen, man muss sie abgeben (und auch das ganze Zubehör, auch einzelne SD-Karten). Der Eingang dieser Ausstellung wird von Wachen mit silberner AK47 bewacht. Hier fragte ich brav die Reiseleiterin, ob ich den jungen Mann fotografieren dürfe. Sie sagte, ich solle ihn fragen. Ich fragte ihn, er sagte nichts. Sie übersetzte und sprach dann etwas mit ihm und dann sagte sie, es sei in Ordnung.
Fotos löschen/“unvorteilhafte Fotos“:
Als wir später auf einem Feld einige Arbeiter fotografierten, ist die Reiseleiterin wütend geworden. Sie sagte, das seien Soldaten und wir sollen die Fotos löschen. Ich löschte daraufhin umgehen die zwei Fotos und zeigte ihr das auch. Der andere Reisende hatte eine neue Kompaktkamera und als er die Fotos nicht gleich löschen konnte, hat sie ihn angefaucht. Er löschte die Bilder und wir beide konnten die Kamera behalten. Die zwei andern Reisenden konnten währenddessen mit ihrer kleinen Kompaktkamera auch ein Fotos des Feldes machen ohne das die Reiseleiter er bemerkt hätten. Es war nichts Spezielles, trotz vollem Zoom waren die Menschen noch weit genug weg. Und wir hatten nicht zum ersten Mal Farmer abgelichtet. Später musste ich im Auto nochmals ein Foto löschen, weil ich einen LWK vor uns fotografierte, auf dem hinten viele Männer sassen. Sie erinnerte mich daran, dass man keine Soldaten fotografieren solle und ich löschte es nach einem vergeblichen Ausredeversuch. Als ein anderer Tourist einen mit Teer beladenen rauchenden Lastwagen fotografierte, ist die Reiseleiterin auch sehr wütend geworden. Es scheint, als seien sie sehr sensibel, was “unvorteilhafte“ Fotos angeht. Leider sind die Nordkoreaner auf vieles nicht stolz und finden, dass es schlecht aussieht, wenn man z. B. Arbeiter auf dem Feld fotografiert. Auch staubige Strassen an den kleineren Orten oder einfach Felder und Natur finden sie nicht speziell, hatten wir das Gefühl. Dabei macht man in Vietnam oder Laos auch solche Fotos.
Art der Kamera:
Ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass man es mit einer kleinen, leisen Kompaktkamera leichter hat, in Nordkorea zu fotografieren. Wer eine Spiegelreflexkamera hoch hebt, durch den Sucher blickt, zoomt und mehrmals abdrückt, kann sich den Blicken der Reiseleiter gar nicht entziehen, während man mit den kleinen Apparaten z. T. schon wahnsinnige Zooms hat und dezenter fotografieren kann. Trotzdem würde ich beim nächsten Urlaub wieder meine Spiegelreflexkamera mitnehmen.
Gruppenbilder:
Man kann die Reiseleitern oder die lokalen Führer fragen, ob man zusammen mit der Gruppe ein Foto machen kann. Das wird meistens auch erlaubt. Aber man kann den Reiseleitern kein Foto schicken, weil man nicht in Kontakt bleiben kann (was ich schade finde).
Tabus:
Die grossen Bronzestatuen (z. B. von Kim Il Sung) dürfen nur als ganzes fotografiert werden. Man darf also nicht nur den Kopf oder den Oberkörper ablichten, sondern muss die ganze Statue auf dem Bild haben. Kontrolliert wurde es nie, aber ich habe mich an die Regel gehalten. Man kann die Auflösung hoch einstellen und später ev. einen Ausschnitt verwenden, wenn es denn sein muss. Die Statuen dürfen auch nicht von hinten fotografiert werden. Man muss sich immer erst verbeugen. Bei den grossen Statuen auf dem Mansu-Hügel muss man auch Blumen niederlegen.
Hotel:
Im Hotel konnte man ohne Probleme Fotos machen. Im Lift oder in der Eingangshalle. In den Gängen und auch im Zimmer liessen sich zu meiner Überraschung die Fenster öffnen. So konnte man abends oder früh morgens auch einige gute Fotos machen. Man kann im Zimmer auch die Fotos z. B. auf andere Karten, Festplatten oder das Netbook speichern, falls man Angst hat, das man irgendwo plötzlich Fotos löschen muss (wie z. B. bei der Ausreise).
Ausreise:
Oft habe ich gelesen, das die Kamera stichprobenartig kontrolliert werden, das einige Bilder ev. gelöscht werden müssen. Aber ich habe auch von Reisenden gelesen, deren Kamera gar nicht angeschaut wurde. Wie dem auch sei, wir haben alle unsere Fotos mehrmals gesichert. Einer der anderen hatte sogar Verschlüsselungssoftware auf seinem Gerät (halte ich für übertrieben). Ich meine, im schlimmsten Falle, wenn Fotos gelöscht werden, könnte man die ja auch wiederherstellen, in dem man danach die Karte raus nimmt und nicht mehr braucht und später mit RecoverySoftware die Bilder wiederherstellt. Ausserdem machten wir während der fast fünfstündigen Zugfahrt bis zur Grenze am Ende Tausende Serienfeuerfotos ohne Sinn. Das wäre zum Kontrollieren sehr mühsam geworden. Aber welch Überraschung: Von uns vier Touristen wurde keine einzige Kamera oder Netbook kontrolliert. Es ist eben nicht mehr zeitgemäss.
Fotos Peking und Nordkorea:
http://iljajenzer.ch/permanent/2012_Bei ... _DPRK.html
Von dem her ist es in Nordkorea als Hobbyfotograf sehr interessant.
Triumphbogen in Pjö…
Ilja Jenzer
07.06.12
4
Nachricht bearbeitet (20:36)
Vor meinem Peking/Nordkorea-Urlaub kaufte ich mir neu die Canon EOS 60D sowie das Canon 24-105 f4.
Einreise:
Ich musste die Kamera sowie das Netbook aus dem Rucksack nehmen und zeigen. Ich wurde gefragt, ob die Kamera GPS-fähig sei was ich verneinte (was auch stimmt) und auch die Frage nach einem Internetanschluss bzw. Verbindung des Netbook verneinte ich (was auch korrekt war). Man hat mich dann weiter gelassen und weder Kamera noch Netbook genauer angeschaut. Kameras die GPS-fähig sind, dürfen nicht eingeführt werden. In früheren Jahren hatte man schon Probleme, überhaupt eine Fotokamera in das Land mitnehmen zu dürfen. Wenn ihr von dem her eine Kamera habt, die irgendwo das GPS-Logo aufweist, könnte es Probleme geben (es muss nicht). Alles was man beim Zoll abgibt (wie Reisepass und Mobiltelefone), bekommt man wieder zurück, bzw. es wird verpackt und den Reiseleitern/Aufpassern gegeben.
Fotografieren während dem Fahren:
In Nordkorea fährt man oft direkt zum Zielgebiet oder zur Sehenswürdigkeit und dort ist die Zeit knapp. Im Internet habe ich viele Berichte gelesen, das man während dem Fahren nicht vom Auto aus fotografieren durfte. Bei uns war das aber kein Problem. Sonst hätte ich sehr viele Fotos von Pjöngjang nicht machen können. Während der Fahrt mit dem Zug von Pjöngjang nach Peking konnte man ungestört aus dem Fenster fotografieren (die Gegend erinnert stark an südostasiatische Länder). Das Fenster konnte man aber nicht öffnen. Im nordkoreanischen Speisewagen wollten die Leute nicht, dass wir Fotos machen.
Fotografieren:
Fotografieren ist in der Regel erlaubt. Aber man muss gewisse Dinge beachten: Wenn die Reiseleiter sagen, dass hier nicht fotografiert werden soll, dann sollte man sich auch daran halten. Sonst bekommt man Probleme (und auch die Reiseleiter können Probleme bekommen). Da man in der Regel nie mit der einheimischen Bevölkerung in Kontakt kommt, erübrigt sich das Fragen oder Probleme mit dem Ablichten von der lokalen Bevölkerung. Wenn man zur Grenze an der DMZ fährt, gibt es eine Stelle, an der man nicht fotografieren darf. Wir fragten dort trotzdem, ob wir ein Propagandaschild ablichten dürfen und es wurde uns erlaubt. Aber man muss gar nicht versuchen, heimlich weitere Fotos zu machen. Auch auf gewissen Strecken dort durfte nicht aus dem Auto heraus fotografiert werden. Bei der Grenze angekommen hiess es, dass wir fotografieren dürfen. Also machte ich auch Fotos von den Soldaten. Mal näher, mal weiter weg. Man machte ja auch Gruppenfotos mit einzelnen Soldaten usw. Trotzdem wurde ich, als wir den Ort verliessen, von der Reiseleiterin scharf gerügt, weil ich die Soldaten nicht gefragt hätte usw. Trotzdem musste ich keine Fotos löschen. Bei der internationalen Freundschaftsausstellung darf man keine Kamera hinein nehmen, man muss sie abgeben (und auch das ganze Zubehör, auch einzelne SD-Karten). Der Eingang dieser Ausstellung wird von Wachen mit silberner AK47 bewacht. Hier fragte ich brav die Reiseleiterin, ob ich den jungen Mann fotografieren dürfe. Sie sagte, ich solle ihn fragen. Ich fragte ihn, er sagte nichts. Sie übersetzte und sprach dann etwas mit ihm und dann sagte sie, es sei in Ordnung.
Fotos löschen/“unvorteilhafte Fotos“:
Als wir später auf einem Feld einige Arbeiter fotografierten, ist die Reiseleiterin wütend geworden. Sie sagte, das seien Soldaten und wir sollen die Fotos löschen. Ich löschte daraufhin umgehen die zwei Fotos und zeigte ihr das auch. Der andere Reisende hatte eine neue Kompaktkamera und als er die Fotos nicht gleich löschen konnte, hat sie ihn angefaucht. Er löschte die Bilder und wir beide konnten die Kamera behalten. Die zwei andern Reisenden konnten währenddessen mit ihrer kleinen Kompaktkamera auch ein Fotos des Feldes machen ohne das die Reiseleiter er bemerkt hätten. Es war nichts Spezielles, trotz vollem Zoom waren die Menschen noch weit genug weg. Und wir hatten nicht zum ersten Mal Farmer abgelichtet. Später musste ich im Auto nochmals ein Foto löschen, weil ich einen LWK vor uns fotografierte, auf dem hinten viele Männer sassen. Sie erinnerte mich daran, dass man keine Soldaten fotografieren solle und ich löschte es nach einem vergeblichen Ausredeversuch. Als ein anderer Tourist einen mit Teer beladenen rauchenden Lastwagen fotografierte, ist die Reiseleiterin auch sehr wütend geworden. Es scheint, als seien sie sehr sensibel, was “unvorteilhafte“ Fotos angeht. Leider sind die Nordkoreaner auf vieles nicht stolz und finden, dass es schlecht aussieht, wenn man z. B. Arbeiter auf dem Feld fotografiert. Auch staubige Strassen an den kleineren Orten oder einfach Felder und Natur finden sie nicht speziell, hatten wir das Gefühl. Dabei macht man in Vietnam oder Laos auch solche Fotos.
Art der Kamera:
Ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass man es mit einer kleinen, leisen Kompaktkamera leichter hat, in Nordkorea zu fotografieren. Wer eine Spiegelreflexkamera hoch hebt, durch den Sucher blickt, zoomt und mehrmals abdrückt, kann sich den Blicken der Reiseleiter gar nicht entziehen, während man mit den kleinen Apparaten z. T. schon wahnsinnige Zooms hat und dezenter fotografieren kann. Trotzdem würde ich beim nächsten Urlaub wieder meine Spiegelreflexkamera mitnehmen.
Gruppenbilder:
Man kann die Reiseleitern oder die lokalen Führer fragen, ob man zusammen mit der Gruppe ein Foto machen kann. Das wird meistens auch erlaubt. Aber man kann den Reiseleitern kein Foto schicken, weil man nicht in Kontakt bleiben kann (was ich schade finde).
Tabus:
Die grossen Bronzestatuen (z. B. von Kim Il Sung) dürfen nur als ganzes fotografiert werden. Man darf also nicht nur den Kopf oder den Oberkörper ablichten, sondern muss die ganze Statue auf dem Bild haben. Kontrolliert wurde es nie, aber ich habe mich an die Regel gehalten. Man kann die Auflösung hoch einstellen und später ev. einen Ausschnitt verwenden, wenn es denn sein muss. Die Statuen dürfen auch nicht von hinten fotografiert werden. Man muss sich immer erst verbeugen. Bei den grossen Statuen auf dem Mansu-Hügel muss man auch Blumen niederlegen.
Hotel:
Im Hotel konnte man ohne Probleme Fotos machen. Im Lift oder in der Eingangshalle. In den Gängen und auch im Zimmer liessen sich zu meiner Überraschung die Fenster öffnen. So konnte man abends oder früh morgens auch einige gute Fotos machen. Man kann im Zimmer auch die Fotos z. B. auf andere Karten, Festplatten oder das Netbook speichern, falls man Angst hat, das man irgendwo plötzlich Fotos löschen muss (wie z. B. bei der Ausreise).
Ausreise:
Oft habe ich gelesen, das die Kamera stichprobenartig kontrolliert werden, das einige Bilder ev. gelöscht werden müssen. Aber ich habe auch von Reisenden gelesen, deren Kamera gar nicht angeschaut wurde. Wie dem auch sei, wir haben alle unsere Fotos mehrmals gesichert. Einer der anderen hatte sogar Verschlüsselungssoftware auf seinem Gerät (halte ich für übertrieben). Ich meine, im schlimmsten Falle, wenn Fotos gelöscht werden, könnte man die ja auch wiederherstellen, in dem man danach die Karte raus nimmt und nicht mehr braucht und später mit RecoverySoftware die Bilder wiederherstellt. Ausserdem machten wir während der fast fünfstündigen Zugfahrt bis zur Grenze am Ende Tausende Serienfeuerfotos ohne Sinn. Das wäre zum Kontrollieren sehr mühsam geworden. Aber welch Überraschung: Von uns vier Touristen wurde keine einzige Kamera oder Netbook kontrolliert. Es ist eben nicht mehr zeitgemäss.
Fotos Peking und Nordkorea:
http://iljajenzer.ch/permanent/2012_Bei ... _DPRK.html
Von dem her ist es in Nordkorea als Hobbyfotograf sehr interessant.
Triumphbogen in Pjö…
Ilja Jenzer
07.06.12
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