Fotograf/Stadt alle Rechte, fotografierte Person kein Recht

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Foto_Odin Foto_Odin   Beitrag 1 von 29
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Hallo fotocommunity,
bisher war ich hier eher passiv unterwegs, und habe viel gelernt. Vielen Dank dafür.
Heute habe ich als Mitglied des Elternbeirats von der Schule meines Sohnes einen Vertrag zur "Vereinbarung über Bildrechte" der Stadt erhalten, mit der bitte diesen an alle Eltern weiterzuleiten und schnellstmöglich unterschrieben an die Schule/Stadt zurückzuschicken.

Ich interpretiere den Vertrag kurz zusammengefasst so:
Fotograf/Stadt alle Rechte, fotografierte Person keine Rechte

Adresse und sonstige Veranstaltungsdaten habe ich anonymisiert.

<<<--- Start der Vertrages --->>>

Logo der Stadt

Vereinbarung über Bildrechte

Die
Stadtverwaltung xxxx
(Anschrift der Stadt)
und
Herr/Frau (fotografierte Person)
(Anschrift der Person)

vereinbaren, dass unwiderruflich und zeitnah, örtlich und inhaltlich unbegrenzt sämtliche Rechte für jegliche Nutzung und Veröffentlichung an den am (Datum) durch die Stadt xxxx von der fotografierten Person angefertigten Lichtbildern und/oder Videos auf die Stadt übertragen werden. Die Namensnennung der fotografierten Person steht im Ermessen der Stadt.

Inhaltlich umfasst das Recht die Nutzung, insbesondere die Digitalisierung, Vervielfältigung, Verbreitung, Ausstellung, Vorführung, Sendung, öffentliche Zugänglichmachung und öffentliche Wiedergabe durch Bild-/Ton-Datenträger, insbesondere in den Printmedien, im Fernsehen über alle Verbreitungswege, im Internet, in Newslettern, auf CD, DVD und sonstigen Speichermedien, insbesondere auch in sozialen Netzwerken wie Facebook etc., zum Zwecke der Werbung und Öffentlichkeitsarbeit, unabhängig davon, ob diese Zwecke oder Dienstleistungen schon bei Vertragsabschluss bestanden oder bekannt waren. Das Recht zur Nutzung umfasst auch eine Digitalisierung und eine elektronische Bildbearbeitung, etwa durch Retuschierung oder Montagen.

___________
Ort, Datum

_______________________________
Unterschrift Mitarbeiter/Mitarbeiterin
Stadt xxx

___________
Ort, Datum

_______________________________
Unterschrift fotografierte Person
oder Erziehungsberechtigte/r


<<<--- Ende der Vertrages --->>>


Folgen Fragen/Szenarien stellen sich jetzt aus der Elternvertreterschaft.
- Gibt es andere Städte die so ähnliche Verträge haben, weil es ein "Standard-Formular" ist?
- Die Stadt berichtet lokal über das Ereignis und sonst passiert nichts. Auch nicht in Zukunft.
- Die Stadt verkauft irgendwann die Bilder, und irgendjemand entdeckt das Portrait seines Kindes auf einer Süßigkeiten Verpackung. (Vermutlich noch bester Fall). Im schlechtesten Fall könnten sich die Bilder ja auch auf extremistischen oder pornografischen Portalen wiederfinden.
- Ist so ein Vertrag nicht moralisch verwerflich oder sogar sittenwidrig?
- Gibt es noch andere "Gefahren" aus diesem Vertrag, an die wir bisher noch nicht gedacht haben?

Ich hoffe ihr könnt uns (den Eltern) helfen. Jede Information ist willkommen.

Vielen Dank im Voraus.
Grüße Rainer
Manfred Hunger Manfred Hunger   Beitrag 2 von 29
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Zitat: Foto_Odin 16.04.18, 20:25Zum zitierten Beitrag...Vertrag zur "Vereinbarung über Bildrechte" der Stadt erhalten, mit der bitte diesen an alle Eltern weiterzuleiten und schnellstmöglich unterschrieben an die Schule/Stadt zurückzuschicken. ...

Und was würde geschehen, wenn Du
a) den Vertrag nicht weiterleitest
b) die anderen Eltern den Vertrag nicht unterschreiben
c) Du die Verträge nicht zurück sendest?

Meine persönliche Meinung: Wenn die Stadt von den Eltern diese Nutzungsrechte haben möchte, soll die Stadt diesen Vertrag selber an die Eltern senden. Ich würde mich nicht zum "Erfüllungsgehilfen" der Stadt machen.

LG Manfred
Foto_Odin Foto_Odin   Beitrag 3 von 29
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Zitat: Manfred Hunger 16.04.18, 22:48Zum zitierten BeitragUnd was würde geschehen, wenn Du
a) den Vertrag nicht weiterleitest
b) die anderen Eltern den Vertrag nicht unterschreiben
c) Du die Verträge nicht zurück sendest?

Vielen Dank für das Feedback.
a: dann wäre nur eine Klasse safe, die anderen Klassen jedoch nicht.
b: Dazu müsste in einigen Fällen sicher "Aufklärungsarbeit" geleistet werden. Ich bin mir nicht sicher ob sich alle der möglichen Konsequenzen bewust sind.
c: Die Verträge werden in der Schule eingesammelt.

Weitere Elternvertreter anderer Schulen der Stadt haben ebenfalls dieses Schreiben bekommen.
Habe bereits Kontakt zu der Gesamtelternbeiratsvorsitzenden aufgenommen und werden morgen früh mal versuchen kurzfristig eine Audienz bei der Schulleitung zu bekommen. Werde mich wieder melden sobald ich Neuigkeiten habe. Weitere Informationen aus dem Forum sind nach wie vor Willkommen.

Grüße Rainer
Martin C. Kiefer Martin C. Kiefer Beitrag 4 von 29
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Bekäme ich als Vater für meine Kids einen solchen Vertrag, würde ich ihn unterschreiben.

Grund: Mir fehlt das Vorstellungsvermögen für den Fall, dass die Stadt die Bilder für etwas anderes als für Berichte und ggf. Öffentlichkeitsarbeit (Flyer, soz. Medien etc.) über ihre Schulen / das Leben in der Kommune einsetzt. Dass Nutzungsrechte für Werbezwecke an Private verkauft werden, dürfte ins Reich der Phantasie gehören.
Wahrscheinlich möchte sich die Stadt mit der umfassenden Einräumung von Rechten lediglich absichern gegen Zeitgenossen, die im Fall spezifischerer Nutzungsrechte Hintertürchen suchen und finden, weshalb eine konkrete Nutzung gegen Punkt und Komma der Vereinbarung verstoße.

In welchem Zusammenhang werden denn die Fotos gemacht?

Gruß | Martin
Albrecht D Albrecht D Beitrag 5 von 29
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Die Stadt als Schulträger möchte sich absichern und jeglich Regressansprüche infolge Formfehler vermeiden. Aus dem Text schließe ich, dass es sich um eine bestimmte Schulveranstaltung handelt wo Fotos gemacht werden sollen. Andernfalls müssten alle Personen auf den Bildern unkenntlich gemacht werden.

Gruß
Albrecht
Hermann Klecker Hermann Klecker   Beitrag 6 von 29
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Was sollte daran sittenwidrig sein?
Foto_Odin Foto_Odin   Beitrag 7 von 29
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Update: Es geht um eine gemeinsamme Aktion mehrerer Schulen der Stadt zusammen mit der Stadt. Diese Aktion soll die Stadt bei einem in der Zukunft liegenden größgeren Ereigniss unterstützen. Ich darf hier leidet nicht genauer werden.
Mittlerweile gab es auch Kontakt zu der Stadt und der Pressestelle.
Werde euch hier auf dem laufenden halten.

Die Bedenken und Fragen die ich oben mit an den Vertrag angehängt habe, spiegeln das Feedback wieder, so wie es seitens mehrerer Eltern an mich als Elternbeirat herangetragen wurde. Andere Elternbeiräte, auch aus anderen Schulen, sind ebenso mit ähnlichen Fragen konfrontiert worden.

Vielen Dank für die bisherige Unterstützung
Johannes Röhnelt Johannes Röhnelt Beitrag 8 von 29
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Noch ein paar Hinweis auf die Schnelle.

Suchhilfen:
"Einverständniserklärung fotos schule"
"Recht am Bild Zustimmung der Kinder"

Sehr viele Ergebnisse, z.B.:

https://www.arag.de/auf-ins-leben/inter ... ld-kinder/
"Zwischen acht und 17 Jahren gilt dann die sogenannte Doppelzuständigkeit: Nun müssen sowohl die Eltern als auch die Kinder oder Jugendlichen befragt werden, ob sie mit einer Veröffentlichung einverstanden sind."

http://www.datenschutz-bayern.de/5/einw ... ler_17.pdf
Ganz unwiderruflich muss nicht sein, insbesondere nicht bei der Zustimmung von Kindern.

und hier noch ein Zitat aus dem Mustertext des Schulamtes Krefeld:
"Erläuterung der wesentlichen Punkte
(1) Unzulässig ist eine pauschale Einwilligung „für alle Zwecke“. Der Zweck der Verwendung ist daher konkret anzugeben."
Michael B. Rehders Michael B. Rehders   Beitrag 9 von 29
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Zitat: Johannes Röhnelt 17.04.18, 15:17Zum zitierten Beitragund hier noch ein Zitat aus dem Mustertext des Schulamtes Krefeld:"Erläuterung der wesentlichen Punkte(1) Unzulässig ist eine pauschale Einwilligung „für alle Zwecke“. Der Zweck der Verwendung ist daher konkret anzugeben."
Der Fett markierte Teil sollte grundsätzlich fester Bestandteil sein. Ansonsten können derlei Verträge angefochten werden, wie ich aus eigener Erfahrung weiß.

Darüber hinaus frage ich mich konkret, was passiert, wenn mehrere Eltern diesen Wisch nicht unterschreiben und deren Kinder trotzdem (zum Beispiel in einer Gruppe) fotografiert werden und wie diesbezüglich gewährleistet ist, dass diese Bildwerke nicht öffentlich zur Schau gestellt werden. Hier ist vom Fotografen/Videografen und den Organisatoren noch einiges zu berücksichtigen.

Auch das Thema Datenschutz finde ich in diesem Vertrag sträflich vernachlässigt.
Albrecht D Albrecht D Beitrag 10 von 29
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Zitat: Michael B. Rehders 17.04.18, 19:45Zum zitierten Beitrag wenn mehrere Eltern diesen Wisch nicht unterschreiben und deren Kinder trotzdem (zum Beispiel in einer Gruppe) fotografiert werden und wie diesbezüglich gewährleistet ist, dass diese Bildwerke nicht öffentlich zur Schau gestellt werden.Etwa durch unkenntlich machen der betreffenden Kinder.

Gruß
Albrecht
Foto_Odin Foto_Odin   Beitrag 11 von 29
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Hallo fotocommunity,
erstmal vielen Dank für die Infos, und Hinweise die die von euch gekommen sind.

Es gibt eine weitere Information der Stadt.
Die Elternbeiräte der Schulen haben eine Mail der Stadt bekommen.
Die Stadt und das Ereignis habe ich wieder anonymisieren müssen.

<<<--- Start der Ergänzung --->>>

Bei der verteilten Vereinbarung über die Bildrechte, handelt es sich um eine zweckgebundene Verwendung der abgefragten Bilder.
Die Stadt xxxx wird die Bilder ausschließlich zur Vor- und Nachbereitung im Rahmen xxxx (das kommende Ereignis)[Anmerkung von mir in ()] zu verwenden. Dieser Zusatz gilt als Erweiterung der Vereinbarung über die Bildrechte.

<<<--- Ende der Ergänzung --->>>

Nach Rücksprache mit meinen Elternbeiratskollegen, sind wir der Meinung das der Vertrag in Verbindung mit dem Zusatz der konkreten Verwendung, so in Ordnung geht.

@Michael B. Rehders
Wie die Stadt dann sicher stellt, das sich auf den Fotos nur Kinder mit unterschriebenem Vertrag befinden, werden wir auf der nächsten GEB-Sitzung, an der auch Vertreter der Stadt teilnehmen, direkt an die Verantwortlichen richten.

@Albrecht D
Unkenntlich machen ist sicherlich eine etwas größerer logistisch Herausforderung.
Schüler aus mehreren Schulen bunt gemischt bei diesem Ereignis. Ich kann mir fast nicht vorstellen das sich Vertreter aller Schulen zum Identifizieren "Ihrer" Schüler treffen, und das mit den unterschriebenen Verträgen abgleichen.

Je mehr man sich mit diesem Thema befasst, den Umfang des Ereignisses betrachtet, und die wertvollen Hinweise hier aus dem Forum mit einbezieht, entsteht bei mir immer mehr der Eindruck, das es sich bei dem Vertrag, auch mit Zusatz, eher um eine Alibi-Aktion der Stadt handelt.
So nach dem Motto:"Wir von städtischer Seite haben alles nur erdenklich mögliche getan, aber jetzt hat sich da leider ein Schüler ohne unterschrieben Vertrag mit auf Foto gemogelt."

Grüße Rainer
Michael B. Rehders Michael B. Rehders   Beitrag 12 von 29
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Zitat: Albrecht D 17.04.18, 20:03Zum zitierten BeitragEtwa durch unkenntlich machen der betreffenden Kinder.Jemanden unkenntlich zu machen, ist sicherlich kein Problem. Das lässt sich recht einfach via Photoshop bewerkstelligen.
Aus der Praxis durch zahlreiche Events weiß ich, dass es bei derartigen Veranstaltungen kaum möglich ist, zu verhindern, dass Kinder mit auf die Fotos kommen, deren Eltern dies nicht vorab gestattet haben.
Rainer hat das ja im letzten Post angerissen.

Da auf den Verträgen keine Fotos der Kinder sind, wird eine nachträgliche Überprüfung kaum möglich sein. Auch dürfte es organisatorisch kaum möglich sein, bei einem derartigen "Großevent" hunderte Kinder den Verträgen zuzuordnen - und es wird in jeder Klasse Eltern geben, die Fotoaufnahmen bzw. deren Nutzung nicht gestatten.
Aus diesem Grund habe ich bei Foto-Shootings auf "Sommerfesten" grundsätzlich eine Assistenten an der Seite, die sich sofort nach den Fotoaufnahmen aufmacht, eine Erlaubnis von den Eltern der fotografierten Kinder einzuholen.
Sollte das (warum auch immer) nicht gelingen, werden diese Fotos nicht verwendet oder gleich aus der Kamera gelöscht.
Noch ein Tipp: Immer die Bildnummern auf den vor Ort unterschriebenen Verträgen notieren. Dadurch lassen sich auch später Bilder und Namen verbindlich zuordnen.

Denn der mögliche Ärger ist einfach zu groß, wenn Fotos ohne Einwilligung der Eltern/Kinder irgendwo auftauchen. Ein "guter Wille" durch die Stadt reicht da nicht, wenn Erziehungsberechtigte später ihr Recht durchsetzen.
info34 info34   Beitrag 13 von 29
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Hallo,

sorry, das würde ich niemals unterschreiben, ich gebe doch als Vater nicht irgendeiner anderen xxx alle Rechte für irgendwas immer .. ab, ausserdem kann ich es als Vater niemals bestimmen, dass meine Kinder diesem vertrag nach Volljährigkeit auch zustimmen. Sollte die Stadt die Namensnennung umsetzen, bekommen sie Post. Vor diesem Schlamper-Vertrag steht das Grundgesetz und das ist meiner Ansicht höher anzusiedeln.

Egal um welche Stadt es geht, mit dem Anwalt der diesen Vertrag entworfen hat möchte ich mich mal austauschen, am liebsten unter Zeugen und vor Gericht.

lg
Tino Zeidler Tino Zeidler Beitrag 14 von 29
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Ich frage mich gerade, inwieweit ein Vertrag überhaupt nötig ist, das klingt ja nach einer wirklich größeren Aktion, so dass hier Ereignisse der Zeitgeschichte festgehalten werden, also quasi journalistisch festgehalten werden und man das ganze als Versammlung verstehen kann. So kann an immerhin abdecken, dass Stimmungsaufnahmen auch ohne Vertrag genutzt werden können. Bei Detailaufnahmen muss man dann halt darauf achten, im großen und ganzen wird es dem Veranstalter aber sich um die "Übersichts-Fotos" gehen, die er gern Vermarkten möchte.
Albrecht D Albrecht D Beitrag 15 von 29
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Zitat: info34 26.04.18, 14:35Zum zitierten BeitragEgal um welche Stadt es geht, mit dem Anwalt der diesen Vertrag entworfen hat möchte ich mich mal austauschen, am liebsten unter Zeugen und vor Gericht.Das bleibt ein Wunschtraum, da niemand gezwungen ist, diesen "Vertrag" zu unterschreiben. Vor Gericht wird dieser Vertrag nicht landen.

Früher hatte man sowas ohne Vertrag einfach gemacht, aber heute geht keiner mehr das Risiko ein, wegen Verletzung der Persönlichkeitsrechte belangt zu werden.
Zitat: Tino Zeidler 26.04.18, 15:56Zum zitierten Beitrag im großen und ganzen wird es dem Veranstalter aber sich um die "Übersichts-Fotos" gehen, die er gern Vermarkten möchte.Ich glaube das wird überschätzt. Möglicherweise werden Bilder in einer Festschrift o.ä. abgedruckt, aber große Gewinne wird man hier eher nicht machen.

Gruß
Albrecht
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