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Lernen in der fotocommunity? Wie denn, wenn mir keiner sagt, was ich falsch mache...

Foto: Berthold Schieffer

In unserem letzten Beitrag haben wir uns mit der Frage “Waren die Bilder in der fotocommunity früher besser?” beschäftigt. Vielen Dank Euch allen, die Ihr die Diskussion zu dieser doch etwas provokanten These so interessant mitgestaltet habt. Wir haben Eure Antworten aufmerksam gelesen und einen wichtigen Aspekt herausgegriffen, den wir hier behandeln möchten.

Wie bereits in der o.g. Diskussion deutlich geworden, hat sich das Wesen der Fotografie in den letzten Jahren extrem gewandelt. Es gibt immer preiswertere Digitalkameras, Smartphones mit guten Kameras und die Bildbearbeitung wird inzwischen per App und über Filter gesteuert. Die Fotografie ist nun wirklich ein Massenphänomen geworden. Und sie hat Einzug in alle Bereiche unseres Lebens gefunden. Es ist nicht einmal mehr notwendig, eine Kamera zu besitzen – ein Handy reicht aus.

Vergleichbar ist diese Entwicklung dabei durchaus mit der Einführung der Kleinbildkameras in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts. Auch damals wurde um das Wesen der Fotografie und ihren Wert gebangt, weil Fotografieren plötzlich so einfach, mobil und für (fast) jeden möglich war. Aber die Fotografie ist daran nicht zerbrochen – sie hat sich weiterentwickelt und mit ihr die Fotografen.

Früher waren die Bilder in der fotocommunity besser.
Alles was ich sehe, ist nichts Besonderes.
Wie kann ich da besser werden?
Ich will doch was lernen!“

In diesem Beitrag werden wir uns dem zweiten Teil dieses Zitates widmen – dem Lernen. Wir kommen jeden Tag mit diesem Thema in Berührung und jeder hat eigene Erfahrungen damit gemacht – egal ob in der Schule, im Beruf oder in der Familie. Wir lernen jeden Tag bei allem was wir tun – lebenslang.

Sehr oft lesen wir folgende Sätze in Kommentaren zu Bildern, in Forendiskussionen und z.B. auch in der “Niveau-Diskussion” hier im Blog: “In der fotocommunity wird doch nur noch gelobt und kaum noch kritisiert. Wie soll man da was lernen?” oder “Ich kann doch nicht besser werden, wenn mir keiner sagt wie! Früher hab ich wenigstens noch Tipps bekommen, aber jetzt?” 

Wie soll ich besser werden, wenn mir keiner sagt wie?

Dieser Ansatz ist heutzutage leider noch sehr weit verbreitet und liegt möglicherweise im allen bekannten “Frontalunterricht” begründet. Ich werde für eine Leistung vom Lehrer geprüft und er sagt mir, was falsch oder richtig ist.

Wir beobachten solches Verhalten auch in der fotocommunity. Es werden Bilder “ins Internet geworfen” mit der Erwartung, dass andere Mitglieder konstruktive Rückmeldungen geben und mir sagen, was ich besser machen sollte.
Wie dieser Wunsch in Erfüllung gehen kann und wie Du mit ein wenig Eigenleistung auch qualifizierte Rückmeldungen zu Deinen Fotos bekommst, haben wir in unserem Blogbeitrag zu den Kommentaren bereits beschrieben.

Aber “kritisiert werden” ist nur ein Weg, etwas über Fotografie zu lernen! Du kannst viel mehr tun, als auf den Rat anderer zu warten. Und dabei helfen die berühmten “W-Fragen”.

Wieso – Weshalb – Warum? Wer nicht fragt…

Wir haben unseren (Nacht-)Fotografen Lars-Uwe, den Ihr schon aus dem vorherigen Beitrag kennt, in einem Gespräch mit seinem Foto-Kollegen Carl beobachtet. Die beiden sahen sich Bilder in der fotocommunity an und es entspann sich folgender Dialog:

C: Boah, das Bild gefällt mir gar nicht.
L-U: Echt? Warum nicht? Ich finde es klasse.
C: Keine Ahnung, ich finds einfach nur blöd. Gefällt mir halt nicht.
L-U: Ok? Kannst du gar nicht sagen, warum dir das nicht gefällt?
C: Ne, ist halt so. Ich finds eben nicht gut. 

Carl verpasst unbewusst eine große Chance zu lernen, indem er Fotos, die ihm nicht gefallen, zur Seite legt und sich nicht weiter damit beschäftigen will. Dabei sind Fotos, die persönlich nicht gefallen, für die eigene Entwicklung extrem wertvoll.
Es lohnt sich ein zweiter Blick auf diese Bilder, denn eine Abneigung hat immer objektive Gründe, die sich darin zeigen, was Du selbst an gleicher Stelle anders gemacht hättest.

Bei der Betrachtung von Fotos sind für das eigene Lernen Fragen wie die folgenden Beispiele hilfreich:

  • Warum gefällt mir das Foto? / Warum gefällt es mir nicht?
  • Welche Dinge gefallen mir sehr gut? / Welche Dinge stören mich besonders?
  • Was empfinde ich, wenn ich das Foto ansehe?
  • Welche Bildaussage hat das Foto für mich?
  • Was hätte ich anders gemacht?

Dabei geht es nicht unbedingt darum, mit fotografischen Grundsätzen zu jonglieren oder Lehrsätze zu rezitieren. Meist reicht schon das Aussprechen von vagen Gefühlen wie: “Das ist mir zu konfus und zu wirr.”; “Ich finde das Bild langweilig!” oder aber auch “Ich hätte das Bild niemals gemacht!”.
Im Umkehrschluss und positiv formuliert liest man dann folgendes: “Ich hätte das Bild mehr strukturiert und klarer gestaltet”; “Ich hätte das Bild spannender aufgebaut!”.

Diese Art der Auseinandersetzung mit den Fotos anderer Fotografen hilft der eigenen Fotografie ein großes Stück weiter. Denn Du hast dadurch bereits ein besseres Bild in Deinem Kopf. Und zu wissen, was Du nicht möchtest, ist ebenso ein großer Gewinn.

Von den eigenen Bildern lernen…

Dieser Ansatz funktioniert übrigens auch perfekt bei den eigenen Bildern. Dort ist diese Vorgehensweise sogar noch viel effektiver, da Du die Rahmenbedingungen bei der Aufnahme der Fotos genau kennst und selbst Einfluss auf das Ergebnis hattest. Du kannst sogar verschiedene Aufnahmen vom gleichen Motiv machen und unterschiedliche Wirkungen testen.

Daher bei der nächsten Fototour die “schlechten” Bilder nicht gleich auf der Kamera löschen. ;) Bei der Auswertung aller Bilder lernst Du sehr viel. Ein gewisser zeitlicher Abstand zum Zeitpunkt der Aufnahme ist dabei aber ratsam. So legt sich die Euphorie und Du kannst Deine Bilder neutraler beurteilen.

Ebenfalls sehr effektiv ist folgende Technik: Schreibe bei Deinen Bildern auf, was Dir gefällt und was Dir nicht so gefällt. Dadurch erkennst Du, welche Gestaltungselemente Du unbewusst nutzt und findest damit Deine gestalterischen Vorlieben heraus. Diese besonderen Elemente kannst Du dann beim Fotografieren bewusst betonen oder “zurücknehmen”.

Kleiner Tipp, wenn Du noch nicht so richtig weißt, was genau Dich an den eigenen Bildern stört: Such Dir ein Foto des gleichen (oder ähnlichen) Motivs, fotografiert von einem anderen Fotografen. Nun überlege, was an diesem Bild im Vergleich zum eigenen besser/anders ist. Wenn Du die Unterschiede benannt hast, formulier sie positiv und Du hast perfekte Ansätze, mit welchen Themen Du Dich demnächst beschäftigen kannst.
Diese Fragen kannst Du natürlich auch im Beschreibungstext Deines Bildes an die User der fotocommunity stellen. Mehr dazu findest Du hier.

Wir freuen uns, wenn wir mit unserem Beitrag zeigen konnten, dass jeder – mit ein wenig Aufwand und den richtigen “W-Fragen” – allein durch das Ansehen von Fotos viel für sich mitnehmen kann. Bei dem “Wie” in der Umsetzung hilft Euch dann sicher der ein oder anderer Artikel der fotocommunity-Fotoschule oder eine kleine Fachsimpelei mit einem Fotofreund.

 


 

Weitere Beiträge aus der Reihe:

  1. Ein einfacher Weg zu mehr Aufmerksamkeit für Deine Fotos
  2. Hilfe! Sinkt das Niveau wirklich? Waren die Fotos in der fotocommunity früher besser?