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Models – von der Modelsuche bis zum Vertrag

Wir hatten Euch im März darum gebeten, für den besten deutschprachigen Fotoblog abzustimmen. Auf einem ehrenvollen achten Platz landete der Blog von Robert Kneschke – “Alltag eines Fotoproduzenten”. Heute schreibt er im fotocommunity Blog als Gastautor über seine Ein- und Ansichten zur Arbeit mit Models.

Robert Kneschke:
Neulich hatte ich die Leser in meinem Blog gefragt worüber sie gerne mehr lesen würden. Die häufigsten Antworten drehten sich um die Arbeit mit Models. Dabei waren drei Schwerpunkte zu erkennen: Wie finde ich Models? Wie “überzeuge” ich Models und wie fotografiere ich sie? Das meiste davon habe ich in meinem Buch “Stockfotografie” praxisnah beantwortet. Heute möchte ich auf einer Meta-Ebene erklären, worauf es bei einer guten Zusammenarbeit ankommt. Das gilt für alle menschlichen Interaktionen, demnach auf für das Zusammenspiel zwischen Model und Fotograf.

Die Kernelemente einer guten Zusammenarbeit sind:

– Vertrauen
– Ehrlichkeit
– Zuverlässigkeit

VERTRAUEN

Am Anfang ist nichts. Wenn wir von einem Hobby-Fotografen ausgehen, der gerne fotografiert, sich aber noch nicht an die Personenfotografie getraut hat, gibt es für den Kontakt mit potentiellen Models wenig, worauf der Fotograf aufbauen kann. Selbst erfahrene Profi-Fotografen müssen ebenfalls Vertrauen aufbauen, bevor eine Zusammenarbeit gelingt. Nur fällt es ihnen leichter, weil sie bessere Voraussetzungen haben.

Wenn wir überlegen, wem wir warum vertrauen, finden wir mehrere Gründe.

Persönliche Bekanntschaften oder persönliche Empfehlungen wirken vertrauensfördernd. Nicht umsonst gibt es Clubs, die neue Mitglieder nur durch Empfehlungen aufnehmen oder Bürgen, die bei Geschäften zwischen zwei Unbekannten als Vertrauensperson agieren.

Mediale Bekanntheit und Kompetenz sind ein Faktor. Wir vertrauen Ärzten, weil wir an deren Ausbildung glauben und wir glauben Prominenten deren Werbesprüche, weil wir das Gefühl haben, sie zu kennen.

Wir vertrauen Menschen mehr, die uns ähnlich sind, weil wir davon ausgehen, dass sie so sind wie wir und wir ihnen die guten Eigenschaften zusprechen, die wir uns selbst zugute halten. Außerdem schenken wir Menschen unser Vertrauen, die es sich verdient haben. Die in der Vergangenheit Zusagen eingehalten, Erwartungen übertroffen und zuverlässig gearbeitet haben.

Was heißt das für Fotografen bei der Suche nach Models?

 

Naturgemäß ist es für neue Fotografen anfangs schwerer, Models zu finden, aber nicht unmöglich. Webseiten wie fotocommunity.de, Model-Kartei.de, Stylished.com oder international Model-Mayhem.com sind Plattformen, auf denen (Amateur-)Models und (Amateur-)Fotografen zusammen kommen können. Die meisten solcher Webseiten haben verschiedene Systeme, um Vertrauen herzustellen. Fotografen können zum Beispiel per Post oder Email der Model-Kartei eine Ausweiskopie schicken. Dann wird die eigene Sedcard dort als “geprüft echt” gekennzeichnet. Außerdem gibt es oft ähnlich wie in sozialen Netzwerken die Möglichkeit, andere Mitglieder zu bewerten, in das Netzwerk aufzunehmen und vieles mehr. Jede dieser Möglichkeiten sollte ein Fotograf nutzen.

Das gilt z.B. auch für die Angabe des richtigen Namens und Wohnorts. Ich lasse mich lieber von einem Markus Meltbach aus 44135 Dortmund fotografieren als von einem “Cameraguy2000” aus 4xxxx. Googlet übrigens mal Euren Namen. Was für Treffer erhaltet ihr? Wirken die Ergebnisse vertrauenserweckend?

Auch die eigene Foto-Webseite sollte gut auffindbar Name und Adresse enthalten, am besten sogar Telefonnummer und ein Foto. Ja, ein Foto. Zwar stehen wir nicht vor der Kamera, aber die meisten Menschen wissen es zu schätzen, eine Person vor einem Treffen schon mal gesehen zu haben. Auch die Adresse der Webseite oder Email sind Vertrauens-Faktoren. Eine Webseite im Stil von www.vorname-nachname.de mit der Mail-Adresse kontakt@vorname-nachname.de wirkt seriöser als www.klickfun.blogger.com und klickfun@yahoo.com.

Da das meiste Vertrauen über persönliche Empfehlungen entsteht, rate ich, anfangs erst Freunde, Verwandte und Bekannte zu fragen, ob sie für einen modeln wollen, bis genug vorzeigbare Fotos vorhanden sind, um sie fremden Models zu zeigen. Übrigens habe ich anfangs meinen Models und auch Freunden ein Vermittlungshonorar von zehn Euro gezahlt, wenn sie mir Personen empfohlen haben, mit denen danach ein Shooting zustande gekommen ist.

Oft werde ich vor allem von Anfängern im Bereich der Stockfotografie gefragt, wie man Models möglichst günstig – sprich im Idealfall kostenlos – bekommt. Diese Herangehensweise macht es einem aber nur schwerer als nötig.

Ich zahle meinen Models nicht sehr viel, dafür erhalten aber alle immer auch die fertig bearbeiteten Fotos für die private Verwendung und zur Eigenwerbung. Wer am Anfang seiner fotografischen Laufbahn steht, wird jedoch wenig Models mit seinen noch verbesserungswürdigen Fotos als Lohn überzeugen können. Darum habe ich auch anfangs meinen Models deutlich mehr gezahlt, denn nur so konnte ich schnell ein gutes und vielfältiges Portfolio aufbauen.

Deshalb: Wer am Anfang Models finden will, sollte ruhig mal 100 Euro ausgeben. Wer Models für die Stockfotografie sucht, sollte das Geld sowieso nicht als Ausgabe, sondern als Investition betrachten, die wieder eingespielt wird.

Wer das Geld nicht hat, kann sich auch selbst als Model nehmen und Selbstportraits machen. Es gibt etliche Fotografen, die diese Fotos auch über Bildagenturen verkaufen. Selbst meine Visage kann gekauft werden. Eine bessere Möglichkeit, um den Models zu zeigen, dass Stockfotografie nicht schlimm ist, gibt es sicher nicht.

Es gibt viele Gründe, weshalb ein Fotograf Models vor dem Shootingtag treffen sollte. Zum einen lassen sich so Fragen klären, der Fotograf kann schauen, ob die Personen fotogen sind und beide merken, ob “die Chemie stimmt”. Bei der Wahl des Treffpunktes gibt es meist zwei Optionen: Entweder im Studio oder an einem neutralen Ort. Ich lade potentielle Models am liebsten zu mir ins Studio ein. Das hat für mich mehrere Vorteile: Falls das Model unpünktlich ist oder nicht kommt, habe ich keine Zeit vergeudet und kann weiterarbeiten, das Model kennt am Shootingtag schon den Weg zum Studio und kann besser abschätzen, wie lange die Anfahrt dauern wird und das Model weiß, welche Räumlichkeiten sie erwarten werden. Das alles spart Zeit beim Shooting selbst.

Nachteilig kann ein Treffen im Studio sein, wenn das Shooting in einem “Home-Studio” stattfinden soll oder der Fotograf immer das Wohnzimmer oder den Keller umräumt, um zu fotografieren. Das soll nicht fotografisch abwertend gemeint sein. Es bedeutet für das Model nur, zu einer fremden Person (meist einem Mann) in eine Privatwohnung zu kommen, die es nicht kennt. Angst ist dann vorprogrammiert. Spätestens hier sollte der Fotograf deshalb von sich aus dem Model anbieten, zum Vorgespräch – und auch zum Shooting selbst – eine Begleitperson mitzubringen, damit es sich sicherer fühlt.

Wer sich mit neuen Models lieber auf neutralem Boden treffen will, sollte ruhige, positive Orte mit Publikumsverkehr wählen, zum Beispiel ein stilvolles Café. Es versteht sich von selbst, dass eine Table-Dance-Bar nachts um 23 Uhr oder ein Friedhof nicht die idealen Treffpunkte sind.

Fassen wir zusammen: Vertrauen wird von Fotografen durch folgende Punkte erzeugt
– Er nennt seinen vollen Namen
– Er hat eine eigene Webseite mit dazugehöriger Mail-Adresse
– Er hat eine Telefonnummer, über die er auch zu erreichen ist
– Er hat einen Vertrag, der vor dem Shooting einsehbar ist
– Er kann erklären, was und wofür er Fotos machen will

Vertrauen erhalten auch die Menschen, die es sich verdienen. Das führt uns zum zweiten Punkt.

EHRLICHKEIT

Wer von Anfang bis zum Ende ehrlich kommuniziert, wird langfristig Vertrauen erzeugen und Models gewinnen, die gerne mehrmals mit einem arbeiten. Das erspart dann lange Vorgespräche und oft reicht ein Anruf: “Alles wie letztes Mal” und das Shooting kann beginnen. Bis dahin ist es aber ein langer Weg.

Vor allem im Bereich der Stockfotografie tauchen viele Fragen der Models auf, da diese Fotos nicht nur veröffentlicht, sondern auch verkauft werden. Dazu nicht mal vom Fotografen, sondern von Bildagenturen, auf die der Fotograf wenig bis keinen Einfluss hat. Ich lege großen Wert darauf, dass die Models wissen, was mit den Bildern nach dem Shooting geschieht und ich sage ehrlich, dass ich oft nicht weiß, wer die Käufer sind und dass ich nur bei einem Bruchteil der Verkäufe ein Belegexemplar erhalte.

Mittlerweile habe ich eine dicke Mappe mit etlichen veröffentlichten Beispielen, sodaß die Models einen guten Überblick bekommen, in welchen Bereichen ihre Fotos eingesetzt werden können. Einige Models wollen genau deshalb mit mir zusammenarbeiten (Zitat: “Ich will mich gerne mal in der Apotheken-Umschau oder in einer Frauenzeitschrift sehen”), andere sind sehr unsicher und zögerlich. Letzteren rate ich dann von einer Zusammenarbeit ab. Es ist nicht sinnvoll, ein Model zu einem Shooting zu drängen, wenn es hinterher Bauchschmerzen hat und mit den Veröffentlichungen nicht einverstanden ist. Solche Models empfehlen den Fotografen auch nicht weiter.

Der Model-Vertrag, mit dem ich ausschließlich arbeite, ist als PDF auf meiner Webseite und in meinem Blog für jeden einsehbar zu finden und wird auch bei jeder meiner Model-Ausschreibungen mit verlinkt. Da dieser Vertrag in englisch ist, habe ich vor einiger Zeit einen Übersetzer bezahlt, damit ich eine fachgerechte deutsche Version erhalte. So haben die Models Zeit und Muße, sich meinen Vertrag in Ruhe durchzulesen und vor dem Shooting offene Fragen zu klären. Das ist auch ein Punkt, der Vertrauen schafft.

Außerdem zeige ich den Models vor einem geplanten Shooting anhand von Beispielfotos, was für Bilder ich ungefähr machen möchte. So eine Zusammenstellung kostet zwar Zeit, erhöht aber das Vertrauen des Models und spart beim Shooting selbst wieder viel Zeit.

Am Ende eines Shootings erkläre ich den Models ausführlich, was jetzt mit den Bildern passiert. Ich werde sie retuschieren, verschlagworten und dann an meine Agenturen schicken. Da ich meine Fotosessions streng chronologisch abarbeite, kann es passieren, dass es 8-10 Wochen dauert, bis das Model die fertigen Fotos erhält. Genau deshalb bearbeite ich aber nach jedem Shooting prinzipiell 3-4 Fotos und schicke sie allen teilnehmenden Models spätestens am nächsten Tag. Mit einigen Fotos zur Ansicht fällt die Wartezeit viel leichter. Übersteigt die Wartezeit ca. zwei Monate, schicke ich den Models nach jeder bearbeiteten Fotosession eine kurze Mail, in der sie sehen können, auf welchem Stand ich bin, denn Transparenz sorgt für Verständnis. Die Mail sieht dann ungefähr so aus:

—–
Titel: Bearbeitungsplan Eurer Fotos.

Hallo,

hier eine Übersicht, wie weit ich mit der Bearbeitung meiner Fotosessions bin:

01.08.2012 Fotosession mit Maria (Status: Fertig. CD wurde heute verschickt)
07.08.2012 Fotosession mit Familie W. (Status: Am Bearbeiten)
13.08.2012 Fotosession mit Paul und Anna (Status: Warten)
22.08.2012 Fotosession mit Dennis (Status: Warten)
25.08.2012 Fotosession mit Birgül (Status: Warten)

Für jede Fotosession brauche ich zur Zeit ca. 8-10 Tage.
Ich danke für Eure Geduld.

Schöne Grüße,
Robert Kneschke
—–

Übrigens spreche ich trotz aller Höflichkeit auch Mängel direkt an. Wenn das Model eine große sichtbare Narbe hat oder dreckige Fingernägel, sage ich das, denn nur so besteht die Möglichkeit, dass wir entweder entwas dagegen tun oder die Probleme kaschieren können.

ZUVERLÄSSIGKEIT

Ich möchte mich auf meine Models verlassen können. Deswegen müssen sie sich auch auf mich verlassen können. Wenn ich mit einem Model telefoniere und sage: “Ich schicke Dir am Montag vor dem Shooting meine Kleidungsliste und paar Beispielfotos”, dann mache ich das auch. Ich schreibe mir solche Aussagen sogar in meinen Terminkalender, damit ich sie nicht vergesse.

Wenn ich dem Model Fotos nach dem Shooting verspreche, liegen sie am nächsten Tag im Postfach. Oft genug gibt es Klagen von Models im Internet über Fotografen, die versprochene Fotos nicht liefern. Meist ist nicht mal die Wartezeit der Jammergrund, sondern die fehlende Kommunikation. Wenn der Fotograf sagen würde: Hör zu, ich fahre drei Wochen in den Urlaub, danach wird es zwei Wochen auf Arbeit stressig, aber dann bearbeite ich Dir paar Fotos, dann warten die meisten Models auch fünf Wochen – wenn der Fotograf zu seiner Aussage steht.

Zur Zuverlässigkeit gehört aber auch Pünklichkeit und gute Planung. Das Model verlässt sich auf den Fotograf, dass er gute Fotos machen wird, deswegen hat der Fotograf dafür zu sorgen, dass er gute Fotos machen kann. Dazu gehören auch profane Dinge wie Ersatzakkus, ausgedruckte Model-Verträge und passende Requisiten.

Ich hatte zum Beispiel vor paar Tagen ein Shooting mit vier Models in einer Apotheke. Für das Shooting habe ich drei Arztkittel in verschiedenen Größen gekauft, mir von zwei Freunden sechs unterschiedliche Kittel geliehen – diese auch gewaschen und gebügelt – und ein Model gebeten, ihren eigenen Kittel mitzunehmen. So hatte ich zehn Kittel zur Auswahl und konnte schauen, welcher Kittel welchem Model am besten passt. Da Sonntag war, habe ich auch einen Tag vorher Wasserflaschen und Snacks gekauft, damit die Models mittags etwas essen konnten. Merke: Nur satte Models sind gute Models.

Kompetenz ist ein weiterer Faktor, der für mich zur Zuverlässigkeit zählt. Für allem Amateur-Models erwarten vom Fotografen klare Anweisungen. Schüchterne Fotografen müssen hier über ihren Schatten springen und einem Model direkt sagen, wo es sich hinstellen soll, wohin die Augen schauen sollen und so weiter. Wenn das dann auf dem Foto nicht gut aussehen sollte, können die Anweisungen immer noch korrigiert werden. Es ist aber besser als am Anfang zu sagen: “Ich habe keine Ahnung, probier doch selbst mal rum…”

Vertrauen. Ehrlichkeit. Zuverlässigkeit. Diese drei Grundpfeiler sind für eine gelunge Arbeit unerlässlich. Wer sie beherzigt, wird problemlos viele glückliche Menschen vor der Kamera haben.