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Panoramafotografie Teil 3 – 360×180 Grad Panoramen vom Einbeinstativ

Martin Wolfert, bei uns als „lichttraeumer” unterwegs, beschreibt im dritten Teil seiner Serie zur Panoramafotografie, wie man „… 360×180° Panoramen vom Einbein- oder Polestativ aus in einer architektonisch anspruchsvollen Umgebung produziert” und bringt uns so die diversen Einsatzmöglichkeiten dieser spannenden Variante der Fotografie wieder etwas näher. Wir bedanken uns einmal mehr für dieses anspruchsvolle fotografische Spezialwissen, das er nachvollziehbar für uns aufbereitet hat.

Bisher erschienen:

  1. Panoramen aus der Hand
  2. Panoramafotografie mittels Nodalpunktadapter
Kathedrale-Fecamp

1 – Kathedrale-Fecamp

Im letzten Beitrag über Panoramafotografie mit dem Nodalpunktadapter wurde ein normales Stativ als Basis für den Nodalpunktadapter vorausgesetzt. Mit diesem Beitrag wird die Messlatte wieder ein wenig höher gelegt, da das Ziel die Erzeugung von 360×180 Grad Panoramen vom Einbeinstativ bzw. Polestativ sein soll.

Auch hier wieder der wichtige Hinweis: ich beschreibe in dieser Artikelreihe meinen Weg und meinen Workflow, den ich mit den für mich am besten funktionierenden Produkten umsetze.

Ich möchte Euch zum Ersten zeigen, wie man ein sauberes 360×180° Panorama vom Einbeinstativ in einer architektonisch anspruchsvollen Umgebung produziert.

Klippen von Etretat

2 – Klippen von Etretat
entstanden aus jeweils fünf Bildern, mit einer Nikon D800 und dem Nikon 10.5 mm Fischauge, KISS und Einbeinstativ

Polerpanoramen-Markttag in Ettlingen

3 – Polerpanorama-Markttag in Ettlingen
entstanden aus jeweils sieben Bildern, mit der Nikon D800 und dem Nikon 10.5 mm Fischauge, KISS, Monopod Polestativ

Zum Zweiten versuche ich Euch auch einen „Überblick” – quasi im Sinne des Wortes – zu geben und ein 360×180 Grad Panorama von einem Polestativ aus vier Metern Höhe zu erzeugen.

Polepanorama-Europapark-Bluefire

4 – Polepanorama-Europapark: Bluefire
entstanden aus jeweils sieben Bildern, mit der Nikon D800 und dem Nikon 10.5 mm Fischauge, KISS, Monopod Polestativ

Zum Dritten werden aufmerksame Leser sicherlich bemerkt haben, dass ich den Begriff 360 Grad Panorama um „x180” ergänzt habe. Das bedeutet, dass ihr am Ende dieses Artikels dazu in der Lage sein werdet, mit PTGui ein zusätzliches Bodenbild (Nadirbild) in ein Panorama einarbeiten zu können.

Welches Equipment setze ich dafür ein?
In der Regel ist man mit dem Einbeinstativ, als auch mit dem Polestativ mit „kleinem Besteck” unterwegs. Kleines Besteck meint in meinem Falle die Kombination „Nikon D800, Nikon 10.5mm Fischauge, KISS von pt4pano, Rotator von pt4pano” oder auch „Nikon D300s, Nikon 10.5 mm Fischauge, SLANT von pt4pano, Rotator von pt4pano”.

KISS und SLANT Nodalpunktadapter von pt4pano versus NodalNinja
Die Nodalpunktadapter von pt4pano sind, Zitat des Herstellers: „ready to shot”. Sprich, für fast jede Systemkamera- oder Objektivkombination, werden maßgefertigte Nodalpunktadapter angeboten. Man muss nur noch die Kamera daran befestigen; der Nodalpunkt stimmt dabei exakt. Einen Vergleich beider Nodalpunktadapter mit dem NodalNinja 5 kann man auf meinem Blog nachlesen: Teststellung KissTeststellung Slant

360×180° Panoramen vom Einbeinstativ
Das Panoramabild des Kircheninnenraumes zu Fecamp – Bild 1 ganz oben – wurde mit der Kombination „Nikon D800, Nikon 10.5mm Fischauge, KISS von pt4pano und einem Rotator von pt4pano” aus vier Bildern plus einem Bodenbild fotografiert.


Einzelbilder-EinbeinImmer schön gerade halten
Die Herausforderung bei Panoramen vom Einbeinstativ ist es, die Kamera auf dem Einbein beim Drücken des Auslösers möglichst genau „im Wasser” zu haben. Natürlich kann PTGui (Stitching Software) Unregelmäßigkeiten ausgleichen, aber auch hier gilt: je genauer man an dieser Stelle arbeitet, umso einfacher und genauer lässt sich das Panorama schlussendlich stitchen.

Da die Kamera auf Einbeinstativ logischerweise nicht so ruhig gehalten werden kann wie auf einem normalen Stativ, ist auch auf eine entsprechende Belichtungszeit zu achten; unter 1/60 würde ich persönlich dabei nicht gehen.

Der Stiching-Workflow für ein sauberes 360×180 Panorama in PTGui unterscheidet sich nicht wesentlich von dem im letzten Artikel vorgestellten; er wird einfach nur um einen weiteren, aber entscheidenden Schritt ergänzt. Bei diesem entscheidenden Schritt nutzt man die sogenannte „Viewpoint Funktion” von PTGui, um das zusätzlich aufgenommene Bodenbild einzuarbeiten.

„Bodenbild“ 
Mit einem „Bodenbild” – der Fachbegriff dafür ist „Nadirbild” – ergänzt man die fehlenden Bildinformationen, die sich „unter” dem Stativ befinden, um sauber retuschieren zu können. Hierzu tritt man einfach ein bis zwei Meter von dem Standpunkt zurück, von dem aus man die anderen Einzelbilder aufgenommen hat und macht dieses eine zusätzliche Foto vom ursprünglichen Standpunkt.

Extra ein Bodenbild machen: ist das nicht überflüssig?
Berechtigte Frage. Im Prinzip kann man das Stativ im finalen Panorama auch in Photoshop retuschieren. Das funktioniert bei homogenen, einfachen Untergründen wie Gras, Asphalt oder Sand auch wirklich gut. Bei einem regelmäßigen Muster wie zum Beispiel den Fliesen in der Kirche von Fecamp, kann ich bei der Retusche in Photoshop nur viel Geduld wünschen.
Mit PTGui ist das Bodenbild mit ein wenig Übung und mit Hilfe der Viewpoint Funktion binnen Minuten sauber in das Panorama eingearbeitet.

Wie funktioniert das nun genau mit dem Bodenbild?

  1. Im ersten Schritt werden die normalen Einzelbilder in PTGui geladen und mit „Align Images” zu einem Panorama gestitcht.
  2. Nun lädt man im Project Assistant das Bodenbild extra hinzu. Die Fehlermeldung, die PTGui dabei anzeigt, wird ignoriert.
  3. Nun wechselt man in den Panorama Editor und aktiviert (von rechts nach links) die Anzeige der Bildnummern, der Bildränder, als auch das individuelle Bewegen der Einzelbilder.
  4. Dann ist das zusätzliche Bild mit der Maus anzuklicken und ungefähr deckungsgleich zu den vorhandenen Bildern auszurichten.
  5. Danach klickt man im PTGui Hauptfenster rechts oben auf „Advanced” und es erscheinen zusätzliche Reiter.
  6. Der nächste Schritt besteht darin, manuell jeweils vier bis fünf Kontrollpunkte zwischen den normalen Einzelbildern und dem zusätzlichen Bodenbild zu setzen.
  7. Für den letzten und auch entscheidenden Schritt muss in den Reiter „Optimizer” gewechselt und auch dort der „Advanced” Modus aktiviert werden.
  8. Der Trick besteht nun darin für das Bodenbild (im Beispiel ist das Image 4) den Haken bei „Viewpoint” zu setzen. Finalisiert wird alles mit einem Klick auf „Run Optimizer”.
Einbein-Optimizer

Einbein-Optimizer

Viewpoint

Viewpoint

Je nachdem wie genau die manuellen Kontrollpunkte gesetzt wurden ist das Ergebnis entsprechend: „very good”, „good”, „bad” etc.

360×180° Panoramen vom Hoch-Polestativ
Für meine Polepanoramen setze ich ein individuell modifiziertes „Monopod“ Stativ von pt4pano ein. Einen Review mit Details findet Ihr hier auf meinem Blog.
Das Besondere an der Panoramafotografie mit dem Polestativ: Man schraubt die Kamera auf das Polestativ und fährt das Ganze auf vier Meter aus. Die ersten Male ist das ein wirklich komisches Gefühl, die teure Kamera in luftige Höhen zu bugsieren. Die resultierenden Bilder entfalten jedoch eine einzigartige Wirkung. Zudem ist einem die Aufmerksamkeit der Umgebung so ziemlich sicher.

Polepanorama-Europapark

5 Polepanorama-Europapark
entstanden aus jeweils sieben Bildern, mit der Nikon D800 und dem Nikon 10.5 mm Fischauge, KISS, Monopod Polestativ

Mit dem Polestativ sollte man sehr verantwortungsvoll umgehen, vor allem wenn Menschen in der Nähe sind. Rutscht einem das Polestativ aus der Hand, so entfaltet eine Kamera, die aus mehreren Metern Höhe einen Passanten trifft, eine verheerende Wirkung. Auch möchte ich davor warnen, sich mit „Gartengerätschaften” aus dem Baumarkt selbst ein Polestativ zu basteln. Diese sind nicht für den Einsatz einer Kamera gebaut und brechen leichter durch, als man es glauben mag.

Im Grunde werden Panoramen vom Polestativ genauso erzeugt, wie vom Einbeinstativ aus.
Lediglich die Retusche des resultierenden Bildes, oftmals auch des Nadirs, ist trotz der Zuhilfenahme der Viewpoint Korrektur deutlich aufwändiger. Auch hier muss sehr achtsam mit dem möglichst senkrechten Stand des Polestatives umgegangen werden.

So, nun bleibt mir nichts mehr übrig, als Euch viel Spaß beim Erzeugen von 360×180° Panoramen vom Einbeinstativ, oder sogar von einem Polestativ zu wünschen.

Der nächste Artikel „Panoramaprojektionen (Zylindrisch/Equirectangular)“ erscheint am 17.09.2014.