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Nie wieder Blindflug! – bessere Fotos durch Kalibrierung des Monitors

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Warum er eine regelmäßige Kalibirierung des Monitors für so äußerst wichtig hält, beschreibt uns heute Gunther Wegner. Er betreibt den Blog gwegner.de, der von Euch gerade zum besten Fotoblog 2013 gewählt wurde. Die Schwerpunkte seines Blogs sind Fotografie, Video, Zeitraffer und Reisen. Außerdem bietet er Workshops, Coachings und Fotoreisen an. Darüberhinaus ist er auch noch Erfinder und Autor von LRTimelapse, der marktführenden Software zur Bearbeitung von Zeitraffern.

Wie haltet Ihr es überhaupt mit der Monitorkalibirierung? Habt Ihr ein eigenes Tool dafür oder leiht Ihr Euch von Zeit zu Zeit mal eines aus? Ist diese Kalibrierung in Euren Augen wichtig oder kan man ruhig darauf verzichten? Was denkt Ihr?

Dies hier ist jedenfalls Gunthers Meinung zum Thema:
„Oft sitze ich an fremden Rechnern und schon der Anblick der Bedienelemente des Betriebssystems verursacht mir fast körperliche Schmerzen. Nein – ich spreche hier nicht von Windows vs. Mac Vorlieben – ich spreche von der Farbwiedergabe des jeweiligen Laptops oder Monitors.
Seit Jahren bin ich es gewohnt, alle meine Bildschirme zu kalibrieren und ausschließlich an solchen zu arbeiten. Dies ist eine der ersten Aktionen nach dem Kauf eines neuen Geräts, und ich wiederhole die Prozedur einigermaßen regelmäßig. Dadurch haben sich meine Augen an die neutrale, kalibrierte Farbwiedergabe gewöhnt. Sitze ich dann an einem anderen Rechner, fällt mir sofort auf, wenn mit den Farben etwas nicht stimmt. Und das ist, leider, bei den allermeisten Geräten so. Laptop-Monitore sind besonders häufig und stark betroffen, aber auch “große” Monitore kommen vom Werk aus fast immer mit “falscher “ Farbwiedergabe.

2013-08-12_215738_GW8_9437Unter “Falsch” verstehe ich zum einen, dass die Farben zu kühl oder zu warm wiedergegeben werden – zum anderen aber, sind viele Monitore auch zu hell eingestellt, manchmal auch zu dunkel oder die Gamma-Kurve, also ihre Helligkeitsverteilung stimmt nicht.

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Genauso, wie sich meine Augen an die “richtige” Farbwiedergabe gewöhnt haben, dauert es leider nicht allzu lange, bis sich Augen und Gehirn an die falschen Farben eines nicht kalibrierten Monitors gewöhnt haben. Insbesondere, da man ja in der Regel keinen unmittelbaren Vergleich hat.

2013-08-12_215738_GW8_9437-3Warum ist das nun so schlimm? mag der eine oder andere sich nun fragen. “Wichtig ist doch, dass derjenige, der sich meine Bilder ansieht eine gute Farbwiedergabe hat. Und das kann ich doch sowieso nicht beeinflussen!

Ja und Nein. Die Einstellung der Monitore der Zielgruppe “da draußen” können wir tatsächlich nicht beeinflussen. Je nach Einstellung ihrer Monitore sehen sie unsere Bilder so oder so. Auch ihre Augen sind aber an die Einstellung ihres eigenen Monitors gewöhnt – leben sie z.B. mit einem Blaustich, kompensiert ihr Gehirn das dann zum Teil. Dazu kommt, dass sie ja gar nicht wissen, wie Euer Bild eigentlich “richtig” aussehen soll und somit keinen Vergleich haben.

Problematisch wird es vor allem, wenn ihr selbst einen nicht kalibrierten Monitor mit falscher Farbwiedergabe zum Bearbeiten Eurer Bilder einsetzt. Bei einem blaustichigen Monitor werdet ihr automatisch den Weißabgleich eher Richtung Gelb verschieben und so verhältnismäßig immer zu warme Bilder erzeugen. Bei einem zu hell eingestellten Monitor, werdet ihr Eure Bilder immer zu dunkel bearbeiten. Das heißt, bei der Bildbearbeitung arbeitet ihr gegen eine falsche Referenz, die dann nur bei Euch in genau der Form existiert und Euch, an Eurem Monitor, vorgaukelt, alles sei in Ordnung. Das Ergebnis dieses “Blindfluges” ladet ihr dann ins Netz hoch und es landet auf anderen Monitoren – sowohl kalibrierten, als auch nicht kalibrierten – und sieht dann fast überall nicht optimal aus.

Die Abhilfe gegen dieses Dilemma ist nicht etwa ein neuer, mehrere Tausend Euro teurer Monitor. Nein – die Lösung ist viel simpler und kostet vermutlich weniger als das günstigste Objektiv, dass ihr in Eurer Fototasche habt. Es ist ein sogenanntes Colorimeter, ein externes Gerät zum Kalibrieren des Monitors. Ein solches Gerät wird vor den Monitor gehängt und misst, mithilfe eines speziellen Testprogramms, dessen Farbwiedergabe. Dann berechnet es entsprechende Korrekturwerte und lädt diese direkt in die Grafikkarte. Beim nächsten Start des Betriebssystems erfolgt die Korrektur dann automatisch. Einfacher geht es nicht. Und nicht nur Eure Fotos, sondern auch die Farbwiedergabe der Fenster und anderen Bedienelemente des Betriebssystems und aller Programme wird dadurch “richtiggestellt” – die Referenzen stimmen nun wieder. Grau ist nun wirklich grau, Weiß- und Schwarzpunkt passen und auch die Gamma-Kurve wird korrekt eingestellt.

Im ersten Moment werdet ihr nach der Erstkalibrierung vermutlich denken, Euer Monitor habe einen Farbstich – das liegt daran, dass Euer Gehirn sich schon so an die alte, falsche Farbwiedergabe gewöhnt hat, dass es nun versucht, die neuen, neutralen Farben zu kompensieren.
Es gibt am Markt einige solche Geräte zur Kalibrierung des Monitors. Ich selbst setze den Spyder 4 Pro oder Elite ein und habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Der Pro reicht i.d.R. völlig aus und liegt preislich bei ca. 130 Euro. Es gibt natürlich noch andere Lösungen, z.B. von X-Rite, die ich jedoch nicht getestet habe. Die Anschaffung eines solchen Colorimeters ist sicherlich eine der Investitionen, die Euch von allem fotografischen Zubehör den größten Nutzen im Vergleich zum Preis liefern wird.

vorher-nachherIhr könnt nicht die Farbwiedergabe der Monitore aller Betrachter Eurer Bilder beeinflussen – das ist auch gar nicht notwendig. Aber ihr könnt dafür sorgen, dass ihr selbst bei Eurer Bildbearbeitung mir einer ordentliche Referenz arbeitet. Dann werden Eure Bilder heute – und auch noch morgen, an einem neuen Computer – sowohl bei Euch als auch bei anderen deutlich besser aussehen!“