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Lost Places – Tipps für die Fotografie an verlassenen Orten

Lost Places - Bild 20Ein Gastartikel von go2know – Geheime Orte entdecken

Im ersten Teil der Reihe zum Thema “Lost Places” berichteten wir über die Entstehung jener Orte und mögliche Gefahrenquellen. Der zweite Artikel beschäftigte sich mit den wichtigsten Regeln, damit der Besuch der verlassenen Orte möglichst unfallfrei verläuft und gab Tipps für die richtige Ausrüstung. Heute geht es speziell um die Fotografie an verlassenen Orten.

Lost Places - Bild 29Grundsätzlich unterscheidet sich die Fotografie der verlassenen Orte von keiner anderen Form der Malerei mit Licht. Die Grundprinzipien der Bildkomposition, der Beleuchtung oder der Farblehre bleiben auch hier erhalten. Wie bei jedem gutem Foto gilt es auch hier die perfekte Blickführung oder den besten Lichtverlauf abzubilden. Grundprinzipien wie der „Goldene Schnitt“ bleiben erhalten.

In unserer langjährigen Betreuung von Lost Place Fotografen haben wir viele Erfahrungen gesammelt und konnten so eine Top5 der häufigsten, fotografischen Problematiken und ihrer einfachsten Lösungen aufstellen:

1. Die Wahl des richtigen Bildausschnitts

  • Meistens ist weniger mehr. Achtet darauf nicht in jedem Raum eine „Totale“ zu schießen. Oftmals ist es nicht der Raum der imponiert, sondern nur das Waschbecken an der Wand. Habt Mut an die Motive heranzugehen, denn Details machen jede Fotoserie erst wirklich interessant. “Näher ran” ist einer unserer meisten Empfehlungen vor Ort.
  • Versucht bei einer „Totalen“ zu spielen. Sucht euch einen spannenden Vordergrund und verändert die Schärfebereiche im Bild. Dazu könnt ihr die Blende aber auch die Brennweite des Objektivs verändern. Erzeugt durch gezielt positionierte Vorder- und Hintergründe Weite und Tiefe aber auch Spannung.

Lost Places - Bild 42. Wie belichte ich manuell richtig?

  • Die Belichtung eines Fotos setzt sich immer aus 3 Faktoren zusammen: Belichtungszeit, Blende und ISO- oder ASA Zahl
  • Die Belichtungszeit ist in der Lost Place Fotografie meist zu vernachlässigen. In der Regel hat jeder Fotograf ein Stativ dabei und kann somit so lange belichten wie er/sie möchte, ohne etwas zu verwackeln. Es gilt jedoch zu beachten, dass Zeiten von mehr als 1/60s selten aus der Hand gehalten werden können, es sei denn man verfügt über einen Bildstabilisator. Ist ein Bildstabilisator vorhanden sollte man diesen bei Belichtungszeiten von mehr als 1/8 s ausschalten und unbedingt vom Stativ aus fotografieren. Es liegt an der Physik der Stabilisatoren, dass sie bei längeren Zeiten „wegschwimmen“ und ihrerseits für Unschärfen sorgen können.
  • Die richtige Wahl der Blende hängt davon ab welchen Schärfebereich man im fertigen Bild erzielen möchte. Hierbei hilft die Eselsbrücke: „Je mehr Schärfe, desto höher muss die Blendenzahl sein.“ Möchte man also einen langen Gang von vorne bis hinten absolut scharf abbilden, stellt man die Blende auf einen hohen Zahlenwert. Möchte man punktuell ein einzelnes Detail herausarbeiten, wählt man einen kleinen Zahlenwert.
  • Der ISO- oder ASA Wert kann bei der Lost Place Fotografie normalerweise vernachlässigt werden. Er kann auf eine Zahl von 100 oder 200 fest eingestellt werden. Dieser Wert gibt die Lichtempfindlichkeit des Sensors oder Films an. Je kleiner er ist, desto weniger reagiert der Chip oder Film auf das Licht und desto rauschärmer oder weniger körnig ist das fertige Foto. Da man in verlassenen Objekten meist ein Stativ dabei hat, ist es egal, wie schnell der Sensor auf das Licht reagiert. Hier zählt nur die beste Abbildungsqualität.

Lost Places - Bild 123. Ich verliere zu viel Zeit, weil ich mit den Einstellungen an der Kamera nicht vorankomme.

  • Ein gutes Foto ist kein Bild, das komplett manuell aufgenommen wurde. Ein gutes Foto hält den perfekten Moment fest. Es erzählt Geschichten und wirft Fragen auf. Es begeistert oder erschreckt und es bleibt lange im Gedächtnis des Betrachters. Um das, was man vor Ort empfindet, in eine Fotografie umzusetzen, reicht die Technik der Kamera alleine nicht aus. Das Foto macht der Fotograf. Die Kamera ist dabei ein technisches Arbeitsgerät, das die Arbeit des Fotografen mit bestimmten Funktionen erleichtern soll.
  • Um uns voll auf unsere Kreativität einlassen zu können, haben die Kamerahersteller viele, sehr nützliche Dinge in ihre Apparate gebaut. Autofokus und automatische Belichtungsmesser mit Motivprogrammen sind nur 2 dieser Möglichkeiten. Was uns die Technik jedoch nicht abnehmen kann, ist der Blick. Noch immer suchen wir uns die Motive und die Bildausschnitte selbst aus. Wenn man also mehr Zeit investiert, um sich mit den Bildinhalten zu befassen, anstatt mit der Aufnahmetechnik, wird es sicher auch gelingen, das gesehene für andere Betrachter über die Fotografie richtig zu transportieren. Deshalb sollten wir uns auch genau darauf konzentrieren. Die Kamera macht in den meisten Fällen ihre Arbeit im P-Modus recht gut. Damit man sich darauf auch verlassen kann, hat man ja beim Kamerakauf auch gutes Geld auf den Tisch gelegt.
  • Deshalb: nach der Aufnahme unbedingt am Display kontrollieren, ob das Foto so gefällt.
  • Sollte die Belichtung nicht stimmen, kann man im P-Modus schnell mit der +/- Taste Korrekturen vornehmen. Stimmt etwas mit der Schärfe nicht, hilft es oft, sich in die Live-View hineinzuzoomen oder die Blende höher zu stellen.

Lost Places - Bild 014. Der Autofokus stellt nicht scharf.

  • Damit der Autofokus ordentlich funktionieren kann, projiziert die Kamera Licht oder ein Muster auf das Motiv. Ist das Motiv zu dunkel reicht die Leistung dieser Projektion nicht mehr aus. In diesem Moment hilft nur noch eine externe Lichtquelle wie eine Taschenlampe. Damit einfach das Motiv beleuchten und gleichzeitig den Auslöser der Kamera antippen.

5. Auf meinen Fotos sind absolut weiße und/oder schwarze Flächen zu sehen.

  • Der Kontrastbereich im Foto ist zu groß. Es liegt in der Physik und Chemie der Sensoren und Filme begründet, dass unser Auge viel genauer zwischen Dunkel und Hell unterscheiden kann. Daran können auch moderne Aufnahmemedien nichts ändern.
  • Über die +/- Taste an der Kamera kann man versuchen einen einigermaßen passenden Mittelwert zu finden.
  • Man erstellt eine HDR-Belichtungssreihe.

Lost Places - Bild 30HDR-Aufnahmen

Moderne Fotosensoren erreichen nicht im Geringsten die Möglichkeiten des menschlichen Auges. Nicht mal annähernd können sie so große Helligkeitsunterschiede wie in der Realität darstellen. Schon in den 1960ern beschäftigten sich deshalb findige Entwickler mit einer Lösung dieses Problems. Man fotografiert einfach mehrere Aufnahmen ein und desselben Motivs mit verschiedenen Belichtungen. So erhält man eine Reihe unter- perfekt- und überbelichteter Bilder. Diese fügt man danach am Computer oder Vergrößerungsapparat wieder zu einem Bild zusammen und erhält so ein Foto, in dem alle Helligkeiten gespeichert sind. Die Sache an sich hört sich schwieriger an als sie ist. Dennoch sollte man für perfekte Ergebnisse genau wissen was man macht.

Fotos von weiteren Lost Places kann man sich z.B. in der Sektion Marodes oder in der Sektion Wirtschaftswunden ansehen.