Infrarotfotografie – So geht es!

Infrarotfotografie – Der Traum des alten Baumes  Fotograf: Klaus Ender

Der Traum des alten Baumes Fotograf: Klaus Ender

fotocommunity Mitglied Klaus Ender hat uns einen sehr grundlegenden Artikel zur Infrarotfotografie geschrieben. Dafür bedanken wir uns herzlich.
Also erst einmal den Artikel in Ruhe lesen, dann selbst Verschiedenes ausprobieren und anschließend die Ergebnisse in einer unserer Infrarot-Sektionen zeigen.

Wir wünschen Euch ein wunderbares Wochenende!

Infrarotfotografie im digitalen Zeitalter

Wer noch die analoge Infrarot-Fotografie kennt, wird mit Erleichterung die Möglichkeiten nutzen, welche die Digital-Fotografie bietet. Kein gekühlter Film mehr, keine Nachteile unter südlicher Sonne, keine mühsame spezielle Entwicklung mehr, kein Geld für teure Filme, dafür sofortige Korrektur-Möglichkeiten, weil das Ergebnis gleich auf dem Display eingeschätzt – und notfalls korrigiert werden kann.

Soweit erst einmal der Eindruck, den die heutige Infrarot-Fotografie hinterlässt. Jede Speicherkarte eignet sich und fast jede Digital Kamera liefert mit entsprechenden Infrarot-Filtern ein besseres Endergebnis, als die alten körnigen IR-Filme.

Der Haupt-Eindruck eines IR-Bildes ist die helle, fast weiße Wiedergabe allen Blattgrüns, das bis auf das Chlorophyll durchdrungen wird. Ob Laubbäume, Nadelbäume, Büsche oder Gräser – alles ist in Raureif ähnliche Strukturen gehüllt und das Blau von Himmel und Wasser erscheinen fast schwarz. Augen erscheinen dunkel und jedes rotfarbene Motiv hat ein weisliches Aussehen.

Das Licht, das unser Auge erfasst, liegt zwischen 450 und 750 Nanometer (nm) und das infrarote Licht, das von uns nicht wahrgenommen wird, ist langwellig und liegt bei über 750 nm. Um die Auswirkungen dieses Lichts zu erfassen, müssen wir IR-Filter nehmen. Es gibt sie in verschiedenen Dichten. Hier sollte man nicht sparen, sondern Filter von speziellen Herstellern wie: Zeiss, B+W oder Heliopan verwenden.

Der günstigste Winkel ist bei Infrarot das Seitenlicht und mit kleinen Abstrichen, das Gegenlicht, das man beherrschen sollte. Wenn das Laub Hauptgegenstand der IR-Aufnahmen ist, dann sollte es so grün wie möglich sein. Der Mai bietet sich am besten an, weil das Laub  frisch – und ohne viel Staub ist. Je seitlicher das Licht einfällt, um so größer ist der Effekt. Filter von 670nm bis hin zum Schwarzfilter können verwendet werden.

Umso höher die nm-Angabe auf dem Filter ist, um so intensiver die Wirkung – und um so schwerer ist es, mit dem Filter vor dem Objektiv scharf zu stellen, da es zu dunkel ist. Ein Stativ ist unumgänglich, aber die nun erreichbare Langzeitbelichtung, gibt Ästen, Zweigen, Blättern, Gräser, Wasser und Wolken eine schöne Bewegungsunschärfe.

Dass der Infrarot-Scharfstellpunkt nicht bei Unendlich liegt und in analogen Zeiten auf hochwertigen Objektiven extra markiert war (der IR-Punkt fehlt heute), macht das Fokussieren evtl. schwieriger. Da auch der automatische Focus (je nach Filter) Probleme bei Scharfstellung haben kann, sollte man durch Tests ermitteln, wo die Unendlich-Marke wirklich liegt.

Ich verwende die 3 unterschiedlichen IR-Filter, 670er, 715 und Schwarzfilter, die das ganze Spektrum erfassen. Diese herkömmliche Variante der IR-Fotografie zeigt Bilder, die alle Schattierungen des SW-Filmes besitzen und nur die grüne Vegetation in ihrer eigentümlichen Raureif-Struktur wiedergibt.

Das farbige Infrarot

Wenn das „normale“ Thema Infrarot ausgereizt ist, wird es Zeit, sich Gedanken zu machen, wie man den „Woodeffekt“ vom SW behält – und Farbe dazu gewinnt. Diese Farben sind anderer Natur, als es frühere Falschfarbenfilme waren.

Die Firma Makario in Mönchengladbach ist dafür der richtige Ansprech-Partner. Sie führte 2005 den Umbau (Tuning) der Digital-Kamera ein – und bietet den Umbau und die Nachberatung der umgebauten Kameras an. Welche Kamera in Frage kommt, wie teuer der Umbau wird und welche Effekte erreichbar sind, erfährt man bei Optik Maccario.

Ich ließ meine MfT-Kamera Lumix GH 2 umbauen und habe es nicht bereut. Der Gewinn von hoher Empfindlichkeit lässt erstmals das Stativ vergessen, so dass man trotz strenger Infrarotfilter, Belichtungszeiten erhält, die noch über die normale Belichtung hinausgehen.

Es werden sogar Innenaufnahmen bei mäßigem Licht machbar und zum bekannten Woodeffekt in der Natur kommen etliche Varianten Farbe hinzu.  Von Blautönen über Kupferfarben, bis Rot und Grün können alle Farben mit den gleichen IR-Filtern erreicht werden. Allerdings muss hier eine zusätzliche Arbeit am PC vorgenommen werden, die aufwendiger ist, als die bisherige SW-IR-Fotografie. Hilfreiche Informationen finden Sie unter: http://photo.frantzen.de/ir_tipps.htm

Die Kameras können in 2 Variationen umgebaut werden. Man kann wählen kann, ob der Umbau nur noch IR-Aufnahmen zulässt oder ob man zusätzlich weiterhin die normale Farbfotografie vornehmen kann.

Da jede Kamera ein so genanntes Tiefpassfilter vor dem Sensor hat, das vor fehlerhaften Artefakten und Staub schützt, aber auch „Nebenwirkungen“ wie Minderung der Auflösung mit sich bringt, wird dieses entfernt und durch ein hochwertiges Qualitätsfilter ersetzt, das viele optische Vorzüge hat.

Um nun zu einer Entscheidung zu kommen, ob nur noch Infrarot oder doch alle Möglichkeiten der Fotografie mit der gleichen Kamera bearbeitet werden können, muss man die zwei Varianten des Umbaus kennen.

Infrarotfotografie – Farn:Filigrane Kostbarkeit  Fotograf: Klaus Ender

Farn:Filigrane Kostbarkeit Fotograf: Klaus Ender

Die undefinierte Version: 

Durch ein multi-vergütetes farbloses UVI-Filter, das ein Transmissionsfilter enthält, wird der Empfindlichkeitsbereich erheblich erweitert. Durch den Umbau erhält der Sensor eine Lichtmenge von 350 bis 1100 nm und die Kamera wird erheblich schneller.

Mit dieser Kamera – ohne zusätzliches Filter vor dem Objektiv – können sogar Astro- und Nachtaufnahmen mit kurzen Verschlusszeiten durchgeführt werden. Für Infrarot-Aufnahmen muss dann ein entsprechendes Filter davor geschraubt werden. Um in der herkömmlichen Farbfotografie wieder farbneutrale Ergebnisse zu erhalten, muss vor das Objektiv ein farbechtes IR-Neutralisationsfilter gesetzt werden, das Maccario auch liefert.

Nachteil: Man muss (fast) immer schrauben.

Vorteil: Es ist Infrarotfotografie mit verschiedenen IR-Filtern und normale Farbfotografie möglich.

Damit hat man nun alle Möglichkeiten, in der SW-, Farb- und IR-Fotografie gute Ergebnisse zu erzielen, ohne dass man mehrere Kamera-Gehäuse braucht.

Die neudefinierte Version:

Sie wird von Maccario als komfortabelste Version bezeichnet, da die Kalibrierung  MWK auf eine genaue Wellenlänge eingerichtet wird, bei der der Verschluss bis zur Auslösung auf ist und ein helles Sucherbild erlaubt. Der Autofocus wird genau auf eine bestimmte Wellenlänge kalibriert, der auch im langwelligen Infrarot-Bereich scharf stellt. Die Kamera löst automatisch oder manuell aus und produziert scharfe, hoch auflösende Bilder.

Hier muss man sich allerdings für ein bestimmtes Infrarotfilter entscheiden, dass fest eingebaut wird. Normale Farbfotografie ist dann nicht mehr möglich.

Sehr gute Bildbeispiele findet man auf der Kunden- und The Best Site: http://www.h-maccario.de/wordpress/  Beratung: E-Mail: optik@optik-makario.de

Wer Lust auf Infrarotbilder bekommen hat, dem sei mein neues Rügen-Infrarot-Buch „Rügen – Flair einer Insel“ empfohlen.