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Panoramafotografie Teil 1: Einfache Panoramen aus der Hand

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Panorama aus der Hand; D300 bei 24mm

Wir konnten Panorama-Spezialist und fotocommunity Mitglied Martin Wolfert dafür gewinnen, sein Wissen zum Thema „Panorama-Fotografie“ mit uns zu teilen.

Er hat für Euch eine Artikelserie zur Panoramafotografie vorbereitet, die fast jeden Aspekt des Themas beleuchten wird:

  1. Panoramen aus der Hand
  2. Panoramafotografie mittels Nodalpunktadapter
  3. Panoramen vom Einbein/4 Meter Pole
  4. Darstellung und Präsentation von Panoramabildern
  5. HDR Panoramen
  6. Little Planets

In seinem Blog „Lichttraeumer“ könnt Ihr übrigens mehr über Martin erfahren. Zum Beispiel wie er zur Fotografie kam und was ihn sonst noch begeistert. Hier könnt Ihr Euch übrigens das Innenleben seines Kühlschranks im Panoramaformat ansehen.

Die sind seine Webseiten, auf denen es viele weitere Panoramen zu sehen gibt:
http://www.room360.biz
http://www.karlsruhe360.de


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Panorama aus der Hand; D800, 4 Aufnahmen bei 24mm.

Die Panoramafotografie hat mich schon vor vielen Jahren in ihren Bann gezogen, und ich möchte Euch gerne meine Erfahrungen und auch meine Arbeitsweise näher bringen. Dieser erste Artikel soll eine Hilfestellung auch ohne viel fotografisches Vorwissen für einen Einstieg in die Panoramafotografie sein. Daher verzichte ich in meinen Ausführungen auf allzuviel Fachchinesisch. Ambitionierte oder erfahrene Fotografen werden daher sicherlich wenig neue Informationen finden.

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Panorama aus der Hand; D300 bei 24 mm, 10 Einzelaufnahmen.

Im Prinzip benötigt man für die Erstellung eines Panoramas lediglich eine Kamera, die man komplett auf manuellen Modus umschalten kann, ein möglichst weitwinkliges Objektiv, Lightroom (oder Ähnliches), Photoshop (Elements) und ein geeignetes Motiv. Dazu später mehr.

Der erste Schritt ist nun nur keine Scheu davor die Kamera in Bezug auf Brennweite, Blende, ISO/Lichtempfindlichkeit, Belichtungszeit, Fokus und Weißabgleich komplett manuell einzustellen. Ja, das ist vielleicht ungewohnt und auch ein wenig Arbeit, aber man lernt damit das Benutzerhandbuch als auch seine Kamera schnell besser kennen.

Die Gründe für die manuellen Einstellungen möchte ich im Detail aufzeigen, da diese eine absolut notwendige Basis für einen auch tiefergehenden Einstieg in die Panoramafotografie sind.

Brennweite: alle Panoramaprogramme, auch Photoshop (Elements) können Bilder, die mit unterschiedlicher Brennweite aufgenommen wurden, nicht zu einem Panorama zusammensetzen. Daher ist gerade bei der Nutzung eines Zoom Objektives dringend zu beachten, beim fotografieren der Einzelbilder die Brennweite nicht zu verändern.

Blende, Belichtungszeit, Weißabgleich, ISO: um Helligkeitsunterschiede, Streifen oder unschöne Lichtartefakte beim resultierenden Panorama zu vermeiden, sind Zeit-, Blenden-, Programm- oder Motivprogramme zu deaktivieren und eine zum Panoramamotiv passende Blenden-, Belichtungszeit-Kombination manuell einzustellen.

Fokus: damit die Einzelbilder durchgehend scharf sind, fokussiert man auf einen Punkt im Panoramamotiv, der sich ungefähr bei 1/3 der maximalen Entfernung zwischen der Kamera und „unendlich“ des Motivs befindet und schaltet dann den Autofokus ab. Dies gilt für aktuelle Objektive als Hilfsmittel, da diese oftmals keinen detaillierten Blendenring mehr besitzen.

Welche Blende soll ich wählen? Da ich in diesem Artikel nicht auf „Hypervokale Distanz“ oder „förderliche Blende“ eingehen möchte, müsst ihr meiner Erfahrung vertrauen. Die meisten Objektive besitzen eine sehr gute Schärfe zwischen Blende 5.6 und Blende 11, so dass man mit Blende 8 nicht viel falsch machen kann.

Praktische Tipps, den Workflow einfacher zu machen: Um nun die Belichtungszeit zur gewählten Blende für das komplette Panoramabild korrekt zu ermitteln, sucht man sich die hellste und die dunkelste Stelle innerhalb des kompletten Panoramamotivs. Dann misst man die jeweilige Belichtungszeit, z.B. mit der Zeitautomatik, merkt sich diese und bildet daraus einen Mittelwert. Danach stellt man die Kamera von Zeitautomatik auf manuell um und nutzt die ermittelte Belichtungszeit.
Eine gute Hilfe für die korrekte Ermittlung der Einstellwerte ist auch, wenn man bei einem eingestellten Zeit-, Blenden-, Programm- oder Motivprogramm ein oder mehrere Testbilder macht, sich die Kombination von Blende, Belichtungszeit und ISO merkt, um diese danach manuell einzustellen. In der Regel ist es günstiger, die Einzelbilder etwas unterzubelichten, da man mit Photoshop und Co. aus den Tiefen mehr Informationen herausarbeiten kann, als aus ausgefressenen Lichtern.
Die ISO Einstellungen sollte man auch wenn aktuelle Bildprozessoren hohe ISO Zahlen versprechen so niedrig als möglich halten. Auch Bildrauschen ist eine Art von „Unschärfe“ und die Genauigkeit beim Zusammenfügen der Einzelbilder, der Fachbegriff hierfür ist „Stitchen“, kann darunter leiden.

Ein letzter Tipp: achtet darauf, dass kein Polfilter auf dem Objektiv aufgeschraubt ist. Das gibt nach dem Zusammensetzen der Einzelbilder unschöne Streifen im Panorama.

Praxis
An dieser Stelle und auch zur weiteren Motivation die der Panoramafotografie zugrundeliegende Theorie für Panoramen aus der Hand sind Euch nun bekannt folgt nun die Praxis.
In der Regel fotografiert man Einzelbilder für Panoramen im Hochformat und von links nach rechts. Im Hochformat daher, da die Einzelbilder nebeneinander zusammengesetzt werden, und man beim Querformat viel an vertikaler Bildinformationen verlieren würde; die Reihenfolge „von links nach rechts“ entspricht unserer Schreibweise und fühlt sich einfach besser an. Für das Stichen der Einzelbilder mit einer Panoramasoftware spielt die Reihenfolge, in der die Bilder aufgenommen wurden, jedoch keine Rolle.

Erstens sehr wichtig ist mit ein wenig Übung und Geduld auch kein Problem vor allem die horizontale Ausrichtung der Kamera für jedes Einzelbild. Prinzipiell besitzen alle Kameras Linien oder Autofokusmeßfelder in der Sucheranzeige, die man an dominanten horizontalen Linien der Einzelbilder ausrichten kann. Je genauer man dabei arbeitet, umso weniger Verschnitt hat man beim resultierenden Panorama.

Zweitens ist eine ausreichend große Überlappung der Einzelbilder wichtig. In der Regel genügen 25-30% mehr ist natürlich besser wobei Überlappungen größer 50% keinen Sinn ergeben. In dem für diesen Artikel verwendeten Beispiel habe ich mit einer Nikon D800 und einem 24/70 Zoom bei 24 mm ein Panorama mit der Photomerge Funktion von Photoshop CC aus sechs Einzelbildern zusammengesetzt. Bei originaler Bildgröße der Einzelbilder erhält man daraus ein Panorama von circa 11.700 x. 7500 Pixel bei 300 DPI.

Bei dem Motiv „Horbachpark in Ettlingen“ habe ich mich horizontal an der rot markierten Linie, die der kleinen See bildet, orientiert und auf eine ausreichende Überlappung (orange Linien und Punkte) beim Fotografieren von Links nach Rechts geachtet.

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Horbachpark in Ettlingen

Es ist sehr gut zu erkennen, dass mir der horizontale Schwenk entlang der roten Linie nicht immer gleichmäßig geglückt ist. Diese Tatsache wird sich später mit ein wenig Verschnitt am resultierenden Panorama niederschlagen.

Nach dem Import der Einzelbilder in Lightroom habe ich dort das gehört i.d.R. zu meinem normalen Workflow folgende Anpassungen vorgenommen: Objektivkorrektur, Weißabgleich (wenn nötig), Klarheit, Anziehen der Weiß- und Schwarzwerte, Anheben des Kontrastes.

Man sollte auf jeden Fall diese Einstellungen auf alle Einzelbilder anwenden, ehe man diese ggfs. verkleinert und als 16-Bit TIF exportiert. Die exportieren TIF’s wurden in Adobe Photomerge importiert und mit den folgenden Einstellungen verarbeitet:

Start in Photomerge

Start in Photomerge

Nach wenigen Minuten hat Photoshop die Einzelbilder zu einem Panorama zusammengesetzt, und man kann den Verschnitt durch die horizontal nicht perfekten Drehung deutlich sehen.

Photomerge-Panorama

Der Verschnitt ist deutlich sichtbar

Nun wurden die einzelnen Ebenen zu einer Ebene zusammengefügt, mittels Tonwertkorrektur und Gradationskurven ein wenig angepasst, und beschnitten … voilà.

Panorama-Final

Das fertige Panorama

Ich hoffe, ich habe mit meinen Ausführungen Euer Interesse an „Panoramen aus der Hand“ geweckt, und wünsche Euch gutes Gelingen.

Ein Wort zum Abschluss und als Überleitung zum nächsten Artikel: die Erstellung von Panoramen aus der Hand findet rasch ihre Grenzen bei Motiven, bei denen Gegenstände nahe beim Fotografen sind, zum Beispiel in Räumen oder bei Architekturaufnahmen. Dafür sollte man einen sog. Nodalpunktadapter benutzen, um Parallaxeneffekte zu vermeiden. Dazu im nächsten Artikel, der am 24. Juli erscheinen wird, mehr.