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Interview mit Martin Gommel von Kwerfeldein

 Martin Gommel
Heute haben wir ein Interview mit Martin Gommel für Euch. Er ist Gründer und Herausgeber des erfolgreichsten deutschsprachigen Fotoblogs, der über die Jahre zu einem Online-Magazin gewachsen ist: Auf kwerfeldein.de bieten Martin und sein 9-köpfiges Redaktionsteam ihren Lesern Information, Austausch und Inspiration mit täglichen Artikeln rund um die Fotografie. kwerfeldein.de verfügt über 350.000 Seitenaufrufe im Monat und wurde im Jahr 2011 zum Grimme Online Award nominiert. Martin fotografiert vorwiegend Menschen. Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Hochzeitsfotografie, zu besichtigen auf  http://martingommel.de
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Martin, wie bist du zum Fotografieren gekommen?

Meine damalige Freundin und jetzige Frau hatte immer die Kompaktknipse ihrer Eltern dabei. Irgendwann hab ich mir sie geschnappt und fing sofort Feuer. Seither habe ich nicht mehr aufgehört zu fotografieren. Für mich war das ein großartiges Erlebnis, Momente aufzunehmen und hinterher bearbeiten zu können. Der Otto-Normal-Fotograf würde die Fotos, die ich damals gemacht habe als “zu stark bearbeitet” einstufen, aber so ist das nunmal, wenn man anfängt. Man probiert alles aus, und so hab ich es auch gemacht. Und ich hatte einen Riesenspaß dabei.

Und wie zum Bloggen?

Viele meiner Freunde fingen 2004/2005 mit dem Bloggen an. Da ich schon immer gerne las und schrieb, gefiel mir der Gedanke, sofort etwas ins Netz publizieren zu können. Johannes Kleske (tautoko.info) nahm sich dann mal die Zeit, mich zuerst mit Blogger (gehört heute Google) und dann später mit WordPress vertraut zu machen. Ich habe einfach angefangen, meine Gedanken und Fotos ins Netz zu stellen. Super Sache.

Hattest du als Fotoblogger je den Anspruch, einer breiten Masse gerecht zu werden?

Nein. Ich schreibe für den Leser, der gerne unsere Seite besucht und von den Artikel etwas mitnehmen kann. Natürlich arbeiten wir hart daran, dass das auch passiert, aber wir verbiegen uns nicht. Und dadurch, dass wir unsere Persönlichkeiten sehr in Vordergrund stellen, ziehen wir automatisch die Leser an, die uns mögen und auf unserer Wellenlänge liegen.

Von Kwerfeldein profitieren tausende Fotografen und Fotointeressierte. Inwiefern profitierst du selbst von von Kwerfeldein?

Auf hunderttausend verschiedenen Wegen. Zum einen lese ich jeden Tag neue Artikel und Interviews über Fotografen, die ich bewundernswert finde. Und das aus erster Hand, in unserem Magazin. Das erfüllt mich schon mit Stolz. Weiter habe ich ein Team, das sehr eng zusammenarbeitet, sich kennt und eine Menge Spaß zusammenhat (und viel Arbeit). Wenn man über längere Zeit Artikel korrigiert, sich Interviews zuschiebt und täglich chattet, wöchentlich Skype-Konferenzen hat, dann wächst man zusammen. Ich schätze das sehr. Zwar gibt es bei uns keinen Jeder-Muss-Jeden-Mögen-Zwang, aber ganz oft fühlt es sich so an, als wären wir ein kleiner Freundeskreis, der die Liebe zur Fotografie in dieses Magazin steckt. Das ist einfach großartig.

Wenn Hobbyfotografen dich fragen, wie sie bessere Fotos machen können – welche Tipps gibst du ihnen auf den Weg?

Das kommt drauf an, auf welchem Wege das geschieht. Wenn ich eine E-Mail bekomme, antworte ich meist sehr kurz und ermutige zum massiven Fotografieren. Ich arbeite gerade an einem Artikel, in dem ich so eine Standardmail veröffentliche. Wenn mir jedoch jemand bei einem Bier die Frage stellt, dann stelle ich die Frage zurück. Wer bist Du? Was magst Du? Was nicht? Was fasziniert Dich am Fotografieren? Was meinst Du, was für Dich ein guter Weg wäre? Und je nach Antwort finde ich mich dann in einem anregenden Gespräch wieder, das für mich, wie für die Person spannend ist.

Viele Profis raten wie du zum „massiven Fotografieren“. Klar: Wenn ein Knipser 1000 Fotos schießt, ist sicher auch ein richtig gutes dabei. Aber lernt man tatsächlich, diese guten Fotos auch zu erkennen und besser zu werden?

Ich glaube schon. Denn niemand hat wirklich Lust, auf Dauer so viel Ausschuss zu haben. Und ich denke auch, dass man, je länger man fotografiert auch besser wird. Ich wüsste nicht, was dagegen spricht, viele Fotos zu machen. Das heißt ja nicht, dass man sich beim einzelnen Klick keine Gedanken machen soll. Mir geht es da mehr darum. jede freie Minute zu nutzen und sich in die Thematik zu bohren. Und das geht meiner Meinung nach am Besten, wenn man es auch viel und oft tut. Aber natürlich kommt das im Einzelfall immer darauf an, wie der Einsteiger die Zeit nutzt, sicher.

Was denkst du: wie wichtig ist Kritik an den eigenen Fotos – und wie gehst du selbst mit Kritik um?

Ich denke, dass Kritik immer wichtig ist, nicht nur bei Fotos. Wer sich nie kritisieren lässt, wird in den wenigsten Bereichen vorankommen. Aber: es kommt stets darauf an, ob a) der Fotografierende zu einem bestimmten Foto überhaupt Kritik möchte, b) in welchem Rahmen die Kritik formuliert wird und c) von wem die Kritik kommt. Jeder kennt den Unterschied zwischen ein paar Leuten, die ein Foto richtig gut finden und dem Lob des Lebenspartners oder eines Freundes. Letzteres wird immer eine ganz andere Wirkung haben als ersteres. Und: wenn ich mich mit einem erfahrenen Fotografen treffe, damit er mein Portfolio durchsieht mir dann Feedback gibt, ist das nochmal was anderes. Da ganz bewusst zu filtern und zu unterscheiden ist für mich ganz wichtig. Obendrauf gibt es für mich einen Unterschied zwischen einer Geschmacksäußerung und einer kompetenten Einschätzung. Beides kann Wirkung haben, aber es ist nicht dasselbe. Muss es auch nicht.