Ein sonniger Urlausbtag in den Bergen des Salzburger Landes neigte sich dem Ende zu. Seit langer Zeit träumte ich davon, einmal nächtliche Panoramen vom Gipfel eines Alpenberges zu fotografieren. Am 25. Februar 2009 war es dann soweit – am Vorabend hatte es frisch geschneit, der Tag war einfach herrlich sonnig und die Bedingungen für einen abendlichen Aufstieg zum Grieskareck waren perfekt. Ich hatte den Urlaub in einem Berghotel auf rund 1700m gebucht, damit hatte ich nur rund 300 steile Höhenmeter bis zum Gipfel vor mir.
Also schulterte ich meinen Rucksack und begann die Bergtour. Vorbei an exotischen Tieren (das Hotel besaß einen Streichelzoo aus Alpakas, die mich einige hundert Meter begleiteten) genoss ich die herrliche Stille und Aussicht über das Salzburger Bergland und es entstand das gezeigte Foto als 4. Bild auf dem Weg nach oben. Ein tiefes Gefühl der glücklichen Ruhe stellte sich ein, als ich das Stativ ausrichtete. Doch diese herrliche Ruhe sollte unmittelbar und plötzlich auf recht dramatische Art und Weise ein Ende finden.
In einigen hundert Metern Entfernung auf der anderen Seite des Berges fuhr ein Skidoo mit beachtlicher Geschwindigkeit den Forstweg hinab und verfehlte eine Kurve. Ich sah das Geschehen im Augenwinkel, da das Fahrzeug mit einer Warnleuchte ausgestattet war. Das Licht verschwand im Wald und kurz darauf zerriss ein Krachen die Stille. Der Fahrer, ein Hüttenwirt, hatte aus ungeklärten Gründen die Kontrolle verloren und war den Abhang in den dichten Wald hinabgerutscht. Helfen konnte ich nicht, dafür war ich zu weit entfernt. Also griff ich zum Handy und rief die Bergrettung. Die Reaktion am anderen Ende war recht überraschend: man war sehr darauf bedacht, meine persönlichen Daten aufzunehmen, das Geschehen war eher zweitrangig. Ich musste meinen Hotelnamen angeben, meine Telefonnummer und vieles mehr.
Hilflos stand ich auf dem Berg und suchte nach Bewegungen zwischen den Bäumen, wo sich aber nichts regte. Nach einigen Minuten sah ich, wie einige Pistenbullys ihre Arbeit unterbrachen und sich auf den Weg zum Unglücksort machten. Das Geschehen wühlte mich auf und ich verlor die Ruhe, die ich noch Minuten zuvor so genoss. Also entschied ich mich, die Tour abzubrechen und in das Hotel zurückzukehren. An der Rezeption empfing man mich mit den Worten: “Die Bergrettung hat angerufen und uns um Bestätigung gebeten, dass Sie hier Gast sind”….
Erst am nächsten Tag traf ich eine Gruppe örtlicher Skilehrer und Liftführer während der Mittagszeit, die sich zufällig über das Geschehen austauschten: Der Fahrer war fast unverletzt nur wenige Zentimeter neben einer Fichte zum Liegen gekommen, der Skidoo war Totalschaden. Im Grunde war ich sehr erfreut über den glimpflichen Ausgang, diese überaus formale Behandlung durch die Behörden verstehe ich jedoch bis heute nicht. Ohne ein halbwegs voll geladenes Handy gehe ich aber seid diesem Erlebnis nicht mehr auf Tour.
Zum Fotograf: Stefan Bar fotografiert seit seiner Schulzeit Mitte der 80er Jahre. Geprägt wurde er durch ein Praktikum in der Bildredaktion des Stern zu Zeiten des ersten Golfkriegs, in dem er ungefiltertes Bildmaterial direkt aus dem Krieg zu sehen bekam. Heute betreut er das Marketing in einem Großhandelsunternehmen, für das er auch hin- und wieder Produktfotografie betreibt. Fotografische Schwerpunkte sind aber Architekur und Landschaften, bevorzugt bei Nacht. Zum Foto: Ein DRI aus 3 Bildern bei 24mm Brennweite an einer Vollformatkamera. Der Aufnahmestandort ist in der beigelegten Google-Earth-Datei hinterlegt: 47°19’9.32″N 13°20’39.01″E

Also Stefan, ich verstehe Dich, daß Du bei dieser Beobachtung extrem aufgeregt warst und Dir gewünscht hättest, die Bergrettung würde in der nächsten Minute ohne wenn und aber ausrücken. Wenn Du schreibst, daß sich nach einigen Minuten Pistenbullys in Bewegung gesetzt hatten um zum Unglücksort zu eilen, dann gehe ich davon aus, daß die Leute vielleicht von der Bergrettung verständigt worden sind. Die Ortsgruppe der Bergrettung weiß ja normalerweise wer sich da oben befindet und wie man jemand erreichen kann.
Ich bin sicher, daß der Grund für das formale Vorgehen auch in der Tatsache liegt, daß es schon des öfteren Fehlalarme gab bzw. “nette Zeitgenossen” dafür gesorgt haben. Da ich aus dem Gebirge stamme, weiß ich, was die Leute von der Bergrettung leisten und das freiwillig.
Manche, meistens junge Familienväter, verlieren durch die Unvernunft und die Selbstunterschätzung von Bergsteigern etc., sogar ihr Leben. So geschehen auch wieder vor kurzem am Großvenediger. Sowas nenne ich Tragik.
Ich will natürlich Deine Geschichte hier nicht vermiesen, aber doch darauf hinweisen, daß die Medaille immer zwei Seiten hat und daß man überprüft wer die Rettung alarmiert finde ich weder pedantisch noch bürokratisch.
Deine Fotos von diesem Berg kenne ich ja bereits.
Sie sind einzigartig schön.
Die Romantik der Berge kann ich dadurch gut nachempfinden, denn ich bin ja in den Bergen aufgewachsen. Ich habe aber auch gelernt, daß die Gefahr niemals unterschätzt werden darf und der Mensch dort lediglich ein winziges und zerbrechliches Wesen darstellt.
Roswitha
Nach der Erleichterung darüber, daß dem Fahrer nichts passiert ist, stellt sich auch bei mir die Verwunderung über das Verhalten der Bergrettung ein. Es ist natürlich durchaus möglich, daß sie schon sehr böse Erfahrungen mit Falschmeldungen, die einfach zum Spaß abgegeben wurden, gemacht haben, denn anders ist diese Pedanterie in einem solchen Notfall kaum zu vertreten.
Danke für die spannende Geschichte.