Die Story zum Foto – Olaf Rocksien “Begegnung mit einem sprachlosen Dolmetscher”

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Für jeden, der gerne reist und sich für andere Kulturen, andere Menschen interessiert, ist das Portfolio von Olaf Rocksien eine Fundgrube einmaliger Fotos. Vor allem möglichst entlegene Orte Asiens, fernab des Massentourismus, haben es ihm angetan. Unter vielen seiner Bilder, die er auf der fotocommunity zeigt, finden sich ebenfalls kleine Geschichten. Reinschauen lohnt sich auf jeden Fall! Uns erzählt er von einer ungewöhnlichen und eher seltenen Begegnung mit Nachfahren der indischen Ureinwohner, den Adivasi.


Olaf Rocksien erzählt:
Zwei, drei mir unverständliche Worte meines Dolmetschers an die Frau, die mit einem kurzen Nicken ihr Einverständnis zu einigen unverhofften Bildern erklärt. Ein Trupp Männer, kurz zuvor noch eine ebenso gewaltige wie auch schwankende Bambuskonstruktion über einen Fluß bauend und dabei von meiner Kamera begleitet, kommt vorbei.
Der jüngste der Männer spricht mich an, sucht mühsam in der Erinnerung nach den wenigen Worten Englisch, die er beherrscht. Auch ich habe wenig zu bieten – denn selbst die lokale Sprache Oriya ist den Männern nur rudimentär geläufig, mir dagegen nicht im Ansatz. So verlegen wir uns ruhig auf Gesten und Worte, deren Sinn sich aus ihrer Energie, ihrem Klang und ihrem Gestus ergibt.
Er bittet mich, ihm in sein Dorf zu folgen und bald stellt sich heraus, daß es sich um Adivasi, Nachfahren indischer Ureinwohner, aus dem Stamme der Dhesia Khond handelt. Durch Zufall gerate ich so in eines jener Dörfer, welche sich verstreut in den Bergen Südorissas finden, den Rückzugsgebieten jener Ureinwohner, die weitgehend noch heute jede Anbindung an die indische Gesellschaft und den technischen Fortschritt ablehnen.
Ohne diese Begegnung wären weder das Betreten des Dorfes, geschweige denn jene Aufnahmen möglich, für die ich auf die Kamera und jene Situationen deute, die mir lohnend und dabei doch zurückhaltend genug erscheinen. Doch erst nach Ansprache meines Begleiters erfolgt einige Male das erlösende Nicken der abzubildenden Menschen. (weiter Fotos dieser Begegnung hier und hier)
So erfahre ich an diesem Tag Unterstützung durch einen Dolmetscher, mit dem ich keine gemeinsame Sprache teile – aber bedurfte es dieser wirklich….?
Ausgewählt habe ich diese Szene, weil sie symptomatisch ist für das, was oftmals den Verlauf einer Reise auszeichnet. Im Vertrauen, daß schon irgendetwas geschehen wird, sitze ich oft einfach irgendwo in der Landschaft und beobachte das Geschehen oder auch nur die Stille um mich herum. Noch öfter aber lasse ich mich einfach treiben, verlasse Wege und Vertrautes – Zeit spielt kaum eine Rolle, große Ruhe und eine beinahe beiläufige Konzentration sind es, die den Takt geben. An diesen Tagen fühle ich mich im Fluß und die daraus resultierenden und selten vorhersehbaren Begegnungen werden durch ihre Energie bestimmt – und häufig vermutlich so auch erst ermöglicht.
Irgendetwas, darauf vertraue ich, wird schon geschehen an einem solchen Tag – so, wie es mich in diesem Fall in ein versteckt im Dschungel liegendes Dorf indischer Ureinwohner führte, welches ohne die Begegnung an der Brücke weder betretbar, geschweige denn fotografierbar gewesen wäre.
Immer wieder befällt mich ein Gefühl von Dankbarkeit jenen Menschen gegenüber, die sich der Kamera und damit mir für ein Bild, für einen Plausch oder ein paar freundliche Gesten so bereitwillig öffnen.
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Zu mir:
ursprünglich aus dem graphischen Bereich kommend, habe ich mit Beginn der weiteren Reisen in den 80ziger Jahren den Fokus langsam auf die Fotografie zu legen begonnen. Noch immer bin ich auf den Reisen ausschließlich analog und mit einem Haufen Diafilmen unterwegs (Nikon F5, Fujifilme). Jetzt langsam eröffnet sich die digitale Welt in Form einer D700, deren Vorzüge ich gerade, insbesondere bei der Bühnenfotografie, zu schätzen lerne.
Einige Jahre habe ich für verschiedene Agenturen und Verlage gearbeitet und überlege gerade, dieses wieder ein wenig zu forcieren. Eine echte und tragfähige berufliche Alternative wird es vermutlich nie werden können.
Fotografischer Wahlspruch:
“Ein Bild ohne Geschichte dahinter ist kein Bild – jedenfalls nicht in der Reisefotografie”
Infos zum Foto:
Rayagada (Orissa/Indien) Nov. 2008
Nikon F5, Fuji Velvia 100, mit AF-S VR-NIKKOR 70-200mm 1:2,8G,
Scan vom (Farb-)Dia

5 thoughts on “Die Story zum Foto – Olaf Rocksien “Begegnung mit einem sprachlosen Dolmetscher”


  1. Schon seit einiger Zeit steht dieser außergewöhnliche Fotograf und “Geschichtenerzähler” bei mir auf orange. Jedes seiner Bilder ist eine Geschichte und ragt hier so wunderbar aus der grauen Masse heraus. Die Bilder sind intensiv ohne aufdringlich zu sein und von einer einzigartigen Schönheit. Ich denke auch nicht, dass sie zwingend einen Stern benötigen, auch wenn ich es mir wünschen würde. Sie sprechen für sich.
    Dafür kann man sich nur bedanken.

  2. Ich bin zwar noch recht neu hier in der fc unterwegs, kann aber wohl schon sagen, dass mir Deine Bilder sehr gefallen, sie einen sehr ansprechen und einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

  3. Wunderbare, intensive und berührende Bilder, dazu Deine Berichte wie sie entstanden sind – einfach faszinierend.
    Die Frauenpotraits haben es mir besonders angetan, ihre Gesichter lassen Raum für viele Gedanken……

  4. Und wieder erzählt ein Fotograf, den ich nicht nur bewundere, sondern bei dem ich mich auch hiermit mal bedanken möchte.
    Die Geschichte hat mich fasziniert, die Fotos tun es ohnehin.
    Gleichzeitig wurde ich fast noch zorniger über das Voting-Ergebnis des oben gezeigten Fotos, wobei ich auch hier die souveräne Art des Fotografen bewundere, der gelassen mit solch einem Ergebnis umgeht.
    Danke!