Diese Website verwendet Cookies, um verschiedene Funktionalitäten bereitzustellen, Anzeigen zu personalisieren und Zugriffe zu analysieren. Durch die Nutzung dieser Website erklärst Du Dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden. Weitere Informationen  OK

Vorgestellt: Werner Kiera aka Datenverarbeiter

Datenverarbeiter
„Vorgestellt“ gewährt Dir regelmäßig Einblicke in das Portfolio und die Gedankenwelt einzelner Mitglieder der fotocommunity. Die bisherigen Vorstellungen findest Du hier. Heute zeigen wir Dir das Portfolio von fotocommunity-Mitglied Werner Kiera aka Datenverarbeiter. Du kennst eine Userin / einen User, der in dieser Serie nicht fehlen darf? Dann schreibe uns Deinen Vorschlag über dieses Formular. Betreff: „Vorgestellt“.

Der Abschied von Werner Kiera aka Datenverarbeiter

Der Abschied von Werner Kiera aka Datenverarbeiter

fotocommunity.de: Stell Dich doch bitte kurz vor. Seit wann fotografierst Du schon?

Werner Kiera aka Datenverarbeiter: Ich fotografiere seit ca. 1976. Schon damals hat mich eine dokumentarische Abbildung der sogenannten „Wirklichkeit“ nicht interessiert. Stattdessen habe ich mit diversen Maßnahmen versucht, Einfluss auf das Bildresultat zu nehmen.

Doppelbelichtung, verreißen beim Auslösen, diverse Filter, Negativ-Filme als Dia entwickeln und umgekehrt, Filmmaterial Laugen, zuweilen auch Säuren, auszusetzen, Anflämmen des Negativ usw.

Mit dem Aufkommen der ersten Computer wie Atari, Commedore und Mac bin ich dann zur Computerkunst resp. Computermalerei gewechselt, weil der Zuwachs an Bildgestaltungsoptionen – gerade auch mit dem Amiga-Computer – gewaltig war. Kurz darauf habe ich mit einigen Freunden eine Computer-Kunst-Gruppe namens „Maya“ gegründet.

Aus dieser Zeit, den relativen Anfängen der elektronischen Datenverarbeitung, stammt auch mein Künstlername „Datenverarbeiter“.

Passage in Time von Werner Kiera aka Datenverarbeiter

Passage in Time von Werner Kiera aka Datenverarbeiter

fotocommunity.de: Welche Projekte habt Ihr mit der Gruppe „Maya“ umgesetzt?

Werner Kiera aka Datenverarbeiter: Wir haben am Rechner mit Mal- und anderen Grafikprogrammen wilde Bilder entworfen. Diese haben wir mangels Alternative vom Monitor mittels Kamera und Stativ auf Dia abfotografiert. Zeitweilig waren wir acht verschiedene Digital-Artisten, die natürlich auch grundverschiedene Bilder entwarfen. Selbige wurden dann mit drei professionellen Diaprojektoren Live und von Hand in- respektive übereinander geblendet und auf eine 5×5 Meter große Leinwand projiziert, wobei fließend bei dem sich ändernden Überblendungsgrad immer neue Bildwelten entstanden.

Mit diversen komponierten Schauen bin ich dann mit dieser Künstlergruppe durch die gesamte Republik gereist, hauptsächlich auf den damals angesagten Cyberspace- oder Philosophie-Festivals bzw. Kongressen.

Sie hatte ihn nicht wiedererkannt von Werner Kiera aka Datenverarbeite

Sie hatte ihn nicht wiedererkannt von Werner Kiera aka Datenverarbeite

fotocommunity.de: Kannst Du Dich noch an Deine erste Kamera erinnern? Welche Kamera/s benutzt Du aktuell?

Werner Kiera aka Datenverarbeiter: Meine erste Kamera war eine Canon AE-1. Im Erscheinungsjahr (1976) habe ich auch mit der Fotografie begonnen. Später folgten noch andere analoge Canon-Kameras, beispielsweise eine T 90 und eine EOS 3, die ich natürlich alle noch besitze.

Dann habe ich noch diverse digitale, eine EOS 500 D und eine EOS 6 D. Dazu viele Exoten, Klapp- und Boxkameras, aber auch winzige Spionagekameras, besonders geeignet zum fotografieren in der Oper. Eine original Polaroid SX-70 habe ich auch noch. Und natürlich diverse iPhones ( 4, 5, 6 plus ).

Mit dem iPhone entdeckte ich eine völlig neue Möglichkeit um Fotos zu kreieren. Meine Serie mit dem iPhone und einer Live-Webcam-App namens „Non Places“ hat dann bei dem  „1. Mobile Art Europe Award“ im Berliner Museum für Kommunikation 2013 den ersten Preis gewonnen.

Derzeit fotografiere ich im Wesentlichen analog mit der Canon A 1, digital mit einer Canon EOS 6 D, sowie mit dem iPhone 6 plus. Gemein ist allen Fotos, dass sie letztendlich zur finalen Bearbeitung auf meinem iPhone 6 plus landen, um dort das zu werden, was dann – wo auch immer – aufscheint.

Hier noch zwei weitere Interviews über die Entstehungsgeschichte zu den Serien bzw. Projekten „Stolen Faces“ und „The Extended Eye“.

Das Spiel des Lebens von Werner Kiera aka Datenverarbeiter

Das Spiel des Lebens von Werner Kiera aka Datenverarbeiter

fotocommunity.de: Auf Deinem Profil zitierst Du Robert Capa mit: „Lieber ein gutes Bild in schlechter Technik, als ein schlechtes Bild in guter Technik.“ Was macht Deiner Meinung nach ein gutes Bild aus?

Werner Kiera aka Datenverarbeiter: Meiner Meinung nach ist ein „gutes“ Bild immer auch ein Bild, was man so oder ähnlich noch nicht gesehen hat. Damit scheiden schon mal (wie ich finde) fast alle bunten Bilder von vornherein aus, weil, mit denen werden wir in unserem täglichen Erleben – nicht zuletzt auch durch die Werbung – geflutet.

Schwarz-Weiß finde ich einfach schöner, zudem reduziert es die Bildinformation auf das Wesentliche, die Formen, und ist eine Insel im bunten Allerlei und Blendwerk der Wirklichkeitserfahrung.

Als nächstes denke ich, ist ein gutes Bild für mich eines, welches nicht im eigentlichen Sinne dokumentarisch ist, also nicht für sich in Anspruch nimmt, die sogenannte Wirklichkeit „korrekt“ abzubilden. Es gibt wahrscheinlich nicht mehr vieles auf der Welt, welches nicht schon fotografiert wurde.

Täglich werde Milliarden von Fotos in Galerien oder Soziale Medien hochgeladen. Folglich bietet sich hier der Bereich des Surrealen und Phantastischen an. Hier kann man echte Bildinnovationen entwerfen; nicht Dinge,die man tausendmal schon so oder ähnlich gesehen hat.

Ein – für mich – wichtiger Punkt ist, dass die Fotos nicht wie eigentlich immer, knackig scharf, voller Details und final poliert sind. Ich finde ganz pauschal gesagt, Bilder, die nicht alles sofort „verraten“, die also ein Geheimnis innehaben und mit denen man sich länger als den üblichen 2 – 5 Sekunden auseinandersetzen muss und die deshalb auch kein Eyecatcher sind und vor allem, die im wahrsten Sinne des Wortes nicht unbedingt „schön“ sind, lohnender.

Wichtig ist mir auch, dass ein Bild für sich oder als Teil einer Serie einen Bildtitel hat, der das Gesehene unterstreicht bzw. erst in die gewollte Richtung verweist. Und last but not least habe ich für mich den Anspruch, dass ein Foto immer auch eine kleine Geschichte ist. Besonders mag ich es, wenn „Große Gefühle“, philosophische oder gar existenzielle Dinge thematisiert werden.

Herr Müller dachte immer nur an das Eine von Werner Kiera aka Datenverarbeiter

Herr Müller dachte immer nur an das Eine von Werner Kiera aka Datenverarbeiter

fotocommunity.de: Ein Großteil Deiner Bilder ist „verfremdet“ und bewusst in Schwarz-Weiß gehalten. Warum hast Du Dich für diese Stilmittel entschieden?

Werner Kiera aka Datenverarbeiter: Nach Erkenntnissen der Quantenphysik existiert nur bedingt so etwas wie eine feststehende, also determinierte Wirklichkeit.

Die Quantenphysik lehrt, dass „man die beobachtete Welt“ durch den Akt der Beobachtung verändert, sie also nie so erkennen kann, „wie sie wirklich ist“. Folglich könnte man behaupten, alles ist relativ (unscharf) und auch eine sogenannte Verfremdung wäre demnach nur ein unscharfes Bild, wie auch das vermeintlich dokumentarisch fotografierte.

Und was die Schwarz-Weiß-Fotografie angeht: Im Eigentlichen Sinne gibt es wie uns die Kognitionsforschung lehrt, „da draußen“ gar keine Farben. Die entstehen nämlich nur in unserem Kopf. Da „draußen“ gibt es nur Schwarz und Weiß.

Theater of Illusion von Werner Kiera aka Datenverarbeiter

Theater of Illusion von Werner Kiera aka Datenverarbeiter

fotocommunity.de: Welche Tipps kannst Du Anfängern in der Fotografie mit auf den Weg geben?

Werner Kiera aka Datenverarbeiter: Ich weiß nicht so recht, ob ich der Richtige bin, um Anfängern Tipps zu geben. Zumal jeder eine andere Intention beim Fotografieren hat.

  • Ganz pauschal würde ich sagen, man sollte Wert auf die Ausbildung eines eigenen Stils legen, nicht alles quer Beet fotografieren und sich Themen für Serien überlegen.
  • Mehr Mut zum Ausschnitt. Nicht wenige Bilder gewinnen ungemein, wenn man sich auf einen Ausschnitt beschränkt und somit die Bildaussage stärkt.
  • Retuschieren, das werden die Nativen natürlich nicht so gerne hören, bringt auch zuweilen Klarheit.

fotocommunity.de: Danke für die spannenden Einblicke in „Deine“ Fotografie! Weitere Infos gibt es auch auf datenverarbeiter.com

The Grainworld Paradoxical von Werner Kiera aka Datenverarbeiter

The Grainworld Paradoxical von Werner Kiera aka Datenverarbeiter

Gedanken von Werner Kiera aka Datenverarbeiter

Gedanken von Werner Kiera aka Datenverarbeiter

Parallelwelt von Werner Kiera aka Datenverarbeiter

Parallelwelt von Werner Kiera aka Datenverarbeiter

Die hintere Gasse von Werner Kiera aka Datenverarbeiter

Die hintere Gasse von Werner Kiera aka Datenverarbeiter

The Flâneur von Werner Kiera aka Datenverarbeiter

The Flâneur von Werner Kiera aka Datenverarbeiter

Das Claudia-Problem von Werner Kiera aka Datenverarbeiter

Das Claudia-Problem von Werner Kiera aka Datenverarbeiter