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Portfolio: Unverfälscht (Urs Scheidegger)

Taufrische Wiesen, bunte Blütenpracht und glitzernde Bergseen vor imposanter Bergkulisse: Urs Scheideggers Naturfotografien wirken wie Bilderbuchlandschaften. Mit diffiziler Vorbereitung und den perfekten Kameraeinstellungen gelingt es dem fotocommuntiy-Fotografen, die Schönheit der schweizerischen Naturlandschaft authentisch und unverfälscht auf den Kamerachip zu bringen. Die Nachbearbeitung am PC beschränkt sich auf ein Minimum. Dieser Artikel stammt aus dem ColorFoto-Magazin 05/2018. Als Premium-Mitglied in der fotocommunity (ab einer Basic-Mitgliedschaft) erhältst Du den vollständigen Zugriff auf das ePaper der ColorFoto.

Mit über 800 Hektar Rebfläche bilden die Weinbergterrassen im UNESCO- Gebiet Lavaux das größte zusammenhängende Weinbaugebiet der Schweiz und bieten Terrasse für Terrasse beste Aussichten. Diese Aufnahme mit Blick auf ein typisches Winzerhaus in diesem Gebiet ist während eines Besuchs in den Weinterrassen oberhalb des Lac Léman entstanden.
Nikon D750, Tamron SP 2,8/15–30mm, Brennweite 29mm, ISO100, Blende 8, 1/400 s, Freihand

„Wer der Landschaftsfotografie verfallen ist, kann seine Bilder nicht dem Glück überlassen“, erklärt der Schweizer fotocommunity-Fotograf Urs Scheidegger. Was in seinen Bildern so natürlich, farbenprächtig und spontan wirkt, entstand nach exakter Vorbereitung in durchdachten Shootings mit expliziten Einstellungen.

Dabei hat der Fotograf seine Aufnahmen nur dezent am Rechner nachbearbeitet. „Leider ist nicht allen Betrachtern bewusst, wie wunderbar und farbenfroh unser Land zum richtigen Zeitpunkt und am richtigen Ort ist.“

Dieser Bergsee liegt wie ein Juwel in einem Bergtal im Wallis. Diesen Ort besucht Urs Scheidegger jedes Jahr mindestens ein Mal. Je nach Sonnenstand und Wind spiegeln sich die gegenüberliegenden Gipfel im Wasser des kleinen Sees. Dazu braucht es einiges an Geduld, bis es windstill ist, um dann schnell ein paar Bilder zu machen.
Olympus OM-D E-M1, M.Zuiko 2,8/7-14mm, Brennweite 7mm, ISO200, Blende 6,3, 1/500s, Freihand

Bildideen

Als größte Herausforderung betrachtet Urs Scheidegger, ein Bild so aufzunehmen und zu entwickeln, dass es exakt jenen Farben und Stimmungen entspricht, die vor Ort herrschen. „Dies ist eine äußerst schwierige Herausforderung, die niemandem richtig und nur den wenigsten annähernd gelingt.“ Nur in Ausnahmen entstehen seine Bilder spontan bei einem Spaziergang, einer Motorrad- oder Mountainbike-Tour.

Meistens stelle er sich ein Sujet vor seinem geistigen Auge vor und gestalte dann seine Fototouren entsprechend. Oft aber braucht es mehrere Versuche, bis das Bild exakt so auf dem Sensor liegt, wie er es sich vorgestellt hat. „Da muss alles stimmen. Das Wetter, die Jahreszeit und auch die Gegebenheit vor Ort müssen passen.“ Wenn der Himmel bei Sonnenaufgang nicht rot leuchtet, dann sucht er diesen Ort ebenso lange auf, bis er das tut.

Oft sind es die Kleinigkeiten, die am Wegesrand dem aufmerksamen Betrachter ein Motiv bieten. Wie diese Küchenschelle, die an einem Bergwanderweg im Wallis ihre Blüte in die Sonne streckt. Im Hintergrund ist das Matterhorn zu sehen.
Nikon D750, Tamron SP 2,8/24–70mm, Brennweite 70mm, ISO100, Blende 13, 1/320s, -1/3 EV, Freihand

Kameraeinstellung

Mit festen Einstellungen und passendem Zubehör steht die Kamera dann auf dem Stativ: Blende 11 bis 16 (bei Vollformatsensor-Kameras), Blende 5,6 bis 8 bei Crop-Kameras von Olympus und Blende 4 bis 5,6 bei den 1-Zoll-Sensoren der Sony-Modelle. ISO 50 bis 200 sind seine Vorgaben für einen Sonnenaufgang.

Der Filterhalter ist aufgeschraubt, Grau-/Verlaufs- und Polfilter liegen bereit zur Anwendung. Die Spiegelvorauslösung der Kamera ist aktiviert, der Timer steht auf 2 s, der Bildstabilisator auf Off, und das gewählte Dateiformat ist stets RAW.

Eine Winteraufnahme aus Urs Scheideggers Wohnort, die er bei einem Sonntagsspaziergang aufgenommen hat. Der Nebel kroch langsam vom Tal herauf und begann, die Sonne zu verdecken. Dabei entstand auch der Ring, Halo genannt. Halo ist ein Sammelbegriff für Lichteffekte der atmosphärischen Optik, die durch Reflexion und Brechung von Licht an Eiskristallen entstehen.
Sony RX100 Mk III, 1,8–2,8/ 24–70mm, Brennweite 46mm, ISO125, Blende 8, 1/125s, Freihand

Aufnahmetechnik

Um „ausgefressene Lichter“ zu vermeiden, favorisiert Urs Scheidegger eine „Highlight- orientierte“ Belichtung, was heißt, die Aufnahmen sind tendenziell unterbelichtet. Daher wählt er zumeist den manuellen oder Blendenmodus und verwendet ein Grau- oder Verlaufsfilter.

Auch ein stabiles Stativ und ein Fernauslöser gehören dazu, um Verwackelungen zu vermeiden und das Optimum an Schärfe zu erhalten. Auch bei Langzeitbelichtungen ist ein gutes ND-3.0-Filter-System Pflicht, das die Farben natürlich wiedergibt. HDR-Technik lehnt Urs Scheidegger indessen strikt ab. „HDR-Bilder wirken je nach Bearbeitungsart unrealistisch und farblich unecht.

Wer im rechten Moment am rechten Ort ist und mit analogen Filtern umgehen kann, braucht kein HDR.“ Mit modernen Kameras und ihrer hohen Sensordynamik ertappe er sich immer öfter dabei, dass er ohne Verlaufsfilter fotografiere und im Nachhinein die Tiefen in Lightroom nach oben korrigiere. „Vielleicht klingt das jetzt etwas unprofessionell, aber es funktioniert“, sagt er.

Blick über Urs Scheideggers Wohnort Grosshöch­stetten. Ein kalter und düsterer Wintertag. Immer wieder Schneegestöber und der Nebel hüllte das Dorf ab und zu gänzlich ein. Gegen Abend riss die Wolkendecke für ein paar Minuten auf und die Sonne schien durch die Wolkendecke. Nun musste es schnell gehen: Kamera ergriffen, schnell die Einstellungen gemacht und Schuss. Das rückwärtige Licht an der Kirche ist das durch die Glasfront an Urs Scheideggers Wohnhaus reflektierte Sonnenlicht.
Sony RX100 Mk III, 1,8–2,8/24–70mm, Brennweite 27 mm, ISO 125, Blende 4,5, 1/3s, Freihand

Nachbearbeitung

Fester Bestandteil seines Workflows ist der Feinschliff der RAW-Dateien am PC in Photoshop Lightroom. Ausgenommen davon sind die „HiRes-Aufnahmen“ der Olympus-Kameras. „Um damit die Auflösung von 80 Megapixeln voll auszureizen, ist die Originalsoftware des Herstellers notwendig.“

In Lightroom bevorzugt er die Grundeinstellungen Tiefen, Lichter, Kontrast und Nachschärfen. Dazu kommen die Werkzeuge Objektivkorrektur, Verlaufsfilter und manchmal ein Pinsel, aber nie die Regler für Klarheit und Dynamik. „Diese wirken auf mich immer zu unnatürlich.“

Auch Manipulationen wie das Austauschen von Bildelementen vermeidet er. „Vielleicht liegt es auch daran, dass ich lieber draußen bin und fotografiere und dieser Technik der Bearbeitung nicht mächtig bin. Das überlasse ich lieber Fotokünstlern, die das im Griff haben.“

Ein verregneter, trüber Herbstsonntag, an dem man sich in der gemütlichen Stube am wohlsten fühlt. Und trotzdem ließ sich Urs Scheidegger zu einem Spaziergang in die angrenzenden Hügel des Emmentals überreden. Etwas missmutig nahm er seine Kamera mit – in der Annahme, dass er ohne Bilder heimkehre. Doch kurze Zeit später riss der Wind Löcher in die Wolkendecke, und die Sonne strahlte wie das Spotlight in einer Disco durch die aufgerissene Wolkendecke.
Olympus E-5 mit Zuiko FT 2,8–4/12–60mm, Brennweite 45mm, ISO200, Blende 5,6, 1/500s, Freihand

Urs Scheidegger, 1970 geboren im tiefen Emmental der Schweiz, arbeitet derzeit als Mitarbeiter des Kantons Bern und lebt in einem Dorf, das „als Tor zum wunderschönen Emmental“ gilt. Zur Fotografie kam Urs Scheidegger schon in jungen Jahren als „Urlaubsknipser“. Seine 1988 geschenkte Leica AF- C1 funktioniert bis heute einwandfrei, später gesellte sich eine Nikon-SLR dazu. Beim Tauchen entdeckte er seine Leidenschaft für die Fotografie mit einer analogen Nikonos III. 2003 wechselte er mit einer Olympus-Kamera zur Digitalfotografie und begann mit der Landschaftsfotografie in der Schweiz. „Besonders im Herbst, wenn sich die Blätter verfärben, gibt es für mich kein Halten mehr. Die weißen schneebedeckten Berge hinter goldenen Arven und Lärchen im Vordergrund, ein glasklarer Bergsee oder Bergbach – welches Fotografenherz kann da noch widerstehen?“

Website: scheidegger-fotografie.ch

Redaktion: Sabine Schneider

Eine Aufnahme vom Bielersee mit Gewitterstimmung. Da der Himmel eher flau war, hat sich Urs Scheidegger für eine Langzeitbelichtung entschieden. So gewinnt die Aufnahme durch die ziehenden Wolken an Dynamik.
Nikon D750, Tamron SP 2,8/15–30mm, Brennweite 16mm, ISO100, Blende 8, 301s, Gitzo-Stativ, Haida-Filter ND 3.0 + ND 1.8

Es herrschte für rund eine Woche diese frühwinterliche typische Wetterlage mit unten Nebel und oben Sonne. Die Hügel scheinen im abendlichen Dunst und Nebel zu versinken. Gemischt mit der untergehenden Sonne taucht dieses wunderbare weiche Licht die Gegend in eine mystische Stimmung. Es war schon längere Zeit Urs Scheideggers Wunsch, diese einzelne Baumgruppe im Abendlicht zu fotografieren. Am letzten Tag vor dem Wetterumbruch gelang ihm dieser Schnappschuss.
Nikon D750, Tamron SP 2,8/70–200mm, Brennweite 185mm, ISO100, Blende 8, 1/60s, Freihand

Im Süden der Schweiz, im Tessin, liegt das Valle Maggia. Die Aufnahme entstand während des Rückflugs vom Tessin aus einem kleinen Sportflugzeug. Der in den Tälern liegende Dunst mit den kontrast­reichen Kanten der Tessiner Voralpen und der von der untergehenden Sonne orange gefärbte Himmel ließen den Verschluss der Kamera rattern.
Olympus OM­D E­M1, M.Zuiko 1,8/75 mm, ISO200, Blende 7,1, 1/500s, Freihand durch das Fenster des Flugzeugs

Ein kalter Februarmorgen am Thunersee im Berner Oberland. Im Hintergrund der Niesen der sich diesen Morgen im ruhigen See spiegelt. Die aufgehende Sonne zauberte diese magischen Farben an den Himmel.
Olympus OM-D E-M1, M.Zuiko 2,8/12–40 mm, Brennweite 18 mm, ISO 100, Blende 7,1, 6 s, Graufilter ND 1.8 von LEE (Little Stopper), Sirui-Stativ

Eine Stimmung, wie es sie im November in dieser Gegend oft gibt. Bern liegt unter einer dicken Nebeldecke. Darüber scheint die tiefstehende Sonne in flachem Winkel über die Hügel, die laublosen Bäume und die Nebeldecke.
Olympus OM-D E-M1, Zuiko FT 2,8–4,0/50–200 mm, Brennweite 64 mm, ISO 200, Blende 5, 1/3200s, -1/3 EV, Freihand

Da Saint­-Saphorin früher von einem Mauerring umgeben war, stehen die Häuser noch heute eng und verwinkelt. In der umliegenden, 128 Hektar großen Appellation Saint-Saphorin wird aus Chasselas­-Trauben hochwertiger Wein produziert. Diese Herbstaufnahme entstand bei einem Besuch in den Weinterrassen oberhalb des Lac Léman. Da das Wasser des Sees zu dieser Jahreszeit oft wärmer als die Luft ist, bildet sich dichter Nebel, der Fotografieren fast unmöglich macht. An diesem Tag stimmte aber alles.
Nikon D750, Tamron SP 2,8/15–30mm, Brennweite 15mm, ISO100, Blende 8, 1/250s, Freihand