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Portfolio: Natur pur (Wolfgang Brandmeier)

In unserer Serie „Portfolio“ stellen wir Dir jeweils einen Fotografen aus der fotocommunity ausführlich vor. Er gibt Dir Tipps zu seinem fotografischen Spezialgebiet und zeigt verschiedene seiner Fotos. Dieser Artikel stammt aus dem ColorFoto-Magazin 05/2017. Als Premium-Mitglied in der fotocommunity (ab einer Basic-Mitgliedschaft) erhältst Du den vollständigen Zugriff auf das ePaper der ColorFoto.


 

Mit Tarnzelt und Teleobjektiv zieht Wolfgang Brandmeier schon vor Tagesanbruch los, um heimische Vögel spannend in Szene zu setzen. Dazu besitzt der Fotograf nicht nur das richtige Equipment, sondern auch gutes Durchhaltevermögen.
neuntoeter

Natur von ihrer schönsten Seite – Ein Neuntöter bevorzugt meist kleinere Insekten als Nahrung. Hier ein schönes Männchen.
Canon EOS 1D Mk IV, Brennweite 800 mm, ISO1600, Blende 6,3, 1/2000 s, Belichtungskorrektur +/- 0,0
Fotograf: Wolfgang Brandmeier

Dass man als ernsthafter Naturfotograf auch leidensfähig sein muss, weiß Wolfgang Brandmeier aus eigener Erfahrung nur zu gut: „Zumindest, wenn man die wirklich ultimativen Bilder realisieren möchte“, erzählt der fotocommunity-Fotograf.

Auch wenn man bei der Tarnfotografie mehrere Stunden „nur“ sitzt, kann man durch die ständige Anspannung der Sinne hinterher trotzdem sehr ausgelaugt sein. Hinzu kommen oft anstrengende Witterungsverhältnisse, Hitze im Sommer, Kälte im Winter, die der Fotograf hinnehmen muss. Speziell im Sommer mutiert so ein Tarnzelt auch schon einmal zur „Sauna“.

Kuckuck

Löwenherz: Der Kuckuck hat sich in das Revier des Schwarzkehlchens gewagt. Offensichtlich war das keine gute Entscheidung! Das Schwarzkehlchen hat das Herz eines Löwen und greift den Kuckuck vehement an. Dabei handelt es sich nicht um einen Scheinangriff, nein das ca. 17 Gramm „schwere“ Schwarzkehlchen legt sich unter gezielt gesuchtem Körperkontakt mit dem scheinbar übermächtigen Gegner an und kann ihm tatsächlich auch ernsthaftere Verletzungen zufügen.
Canon EOS 1D Mk IV, Brennweite 600 mm, ISO 1600, Blende 5, 1/5000 s, Belichtungskorrektur + 0,3

An sonnigen Tagen zieht Wolfgang Brandmeier bereits in den frühen Morgenstunden los, denn sein Tarnzelt muss schon vor Sonnenaufgang an der ausgesuchten Location stehen. „In der Regel nutze ich an sonnigen Tagen nur ungefähr die ersten 30-45 Minuten nach Sonnenaufgang, um mit tiefstehender Sonne das optimale, gedämpfte Licht für schöne Farben zu bekommen“, verrät Brandmeier.

Dasselbe gilt für die Abendstunden. Je höher die Sonne steigt, umso „gleißender“ wird das Licht und helle Bereiche im Bild beginnen zu überstrahlen. „Ein K.-o.-Kriterium, das mich veranlasst, das Shooting zu beenden.“ Anders sieht es an bewölkten Tagen aus, an denen Brandmeier fotografieren kann, ohne Gefahr zu laufen, Überstrahlungen ins Bild zu bekommen. „Das für mich idealste Licht bekomme ich mit Sonne in Verbindung mit Schleierwolken, welche ein wunderbar diffuses Licht erzeugen.“

habicht

Stets im Fokus: Der Habicht ist ein exzellenter, sehr verborgener Jäger, welcher es extrem geschickt versteht, im Tiefflug Hindernisse als Sichtbarriere zu nutzen, um den Überraschungsmoment für seine Jagd zu haben. Seine Flügelformen sind prädestiniert für den rasanten, wendigen Flug im Wald.
Canon EOS 1D Mk IV, Brennweite 300 mm, ISO 1000, Blende 5,6, 1/1600 s, Belichtungskorrektur +/- 0,0)
Fotograf: Wolfgang Brandmeier

Die richtige Ausrüstung

Was in puncto Equipment für den Naturfotografen unentbehrlich ist, ist ein Objektiv mit hoher Brennweite und dazu ein Kameragehäuse, das mit einer schnellen Serienbildgeschwindigkeit überzeugen kann. Beides zusammen sollte auf einem soliden Unterbau mit leichtgängigem Stativkopf montiert sein. Brandmeier nutzt mit vollster Zufriedenheit einen hochwertigen Tele-Schwenkbügel, Wimberley Head II WH-200 Version II, in Verbindung mit einem ebenso hochwertigen GITZO Carbon-Stativ, die mit der Stabilisierung der hohen Brennweite keine Probleme haben.

Wer das allerletzte Quäntchen an Schwingungsarmut und fließenden Bewegungen sucht, greift zu einem hochpreisigen Fluidneiger, rät Brandmeier. „Dessen Vorteile sehe ich aber überwiegend in Videoaufnahmen, wobei sehr viel Augenmerk auf fließende Bewegungen gelegt wird“.

Er selbst würde die Mehrinvestition zu einem guten Fluidneiger jedoch lieber in ein solides Carbon-Stativ stecken, da hier Gewicht und Stabilität sehr ausgewogen sind. „Wer dicke Oberarme oder einen Trolley besitzt, hat mit einem relativ schweren Berlebach-Holzstativ einen optimalen Unterbau in Sachen Schwingungsdämpfung.“

bussard

Winterzeit, harte Zeit: Bussard am verendeten Wildschwein. Bei strengen, schneereichen Wintern sind die Mäusebussarde durch die Schneedecke von ihrer Hauptnahrungsquelle, den Mäusen, getrennt. Aas wird dann zur „bevorzugten“ Mahlzeit.
Canon EOS 1D Mk IV, Brennweite 300 mm, ISO 320, Blende 6,3, 1/500 s, Belichtungskorrektur + 1,0
Fotograf: Wolfgang Brandmeier

Shooting: Vorbereitung

Generell positioniert sich der Fotograf so, dass er die Sonne nach Aufgang im Rücken hat, und er achtet auf ein stimmiges Umfeld. Unter Umständen kommt es vor, dass sich das begehrte Nest oder der Ansitzast etwa direkt am Rande einer Autobahn, in der Nähe von Strommasten, Viehweiden oder ähnlichem „unfotogenem“ Umfeld befindet. Dann versucht Brandmeier sich mit Tarnzelt und Kamera so zu positionieren, dass er einen möglichst naturgetreuen Hintergrund, frei von technischen Dingen, erzeugen kann. „Die beiden kopulierenden Eisvögel habe ich keine 20 Meter neben einem Klärwerk abgelichtet.“

Zudem ist es wichtig, sich immer möglichst auf Augenhöhe mit den Tieren zu bringen. Bei einem Star, der gerade Würmer aus der Erde zieht, heißt es, sich auf den Boden zu legen. Bei einem Wasservogel ist ein schwimmendes Tarnzelt, mit dessen Hilfe sich die Kamera ganz dicht über der Wasseroberfläche positionieren lässt, die erste Wahl. Eine entsprechende Versicherung für Kamera und Equipment ist dann ebenso ratsam.

zwei-bussarde

Luftkampf: Zwei Bussarde im Luftkampf. Reviere müssen gebildet und verteidigt werden.
Canon EOS 1D Mk IV, Brennweite 300 mm, ISO 800, Blende 7,1, 1/2500 s, Belichtungskorrektur – 1,3
Fotograf: Wolfgang Brandmeier

Aufnahmetechnik

Das Tarnzelt sollte von außen blickdicht sein, sodass nur das Objektiv zu sehen ist. Bei einigen Tieren ist dies zwar weniger relevant, bei einigen wie zum Beispiel Greifvögeln oder Rabenvögeln aber umso mehr, weiß Brandmeier. „Man sollte das Sehvermögen und die Beobachtungsgabe dieser Vögel keinesfalls unterschätzen.“

Umso wichtiger ist es, alle Sinne beim Ansitz zu schärfen, da man ja in der Regel nur den kleinen Ausschnitt im Sucher der Kamera wahrnehmen kann. „Bei meinem Siegerfoto in der NATIONAL GEOGRAPHIC war das sehr wichtig. Das Schwarzkehlchen hat unter lautem Geschimpfe zwei bis drei Sekunden vor dem Angriff seine Absicht ‚angekündigt‘. Hier galt es, den Angriff zunächst mal akustisch als Angriff zuzuordnen, und schon, bevor das Schwarzkehlchen ins Bild kam, den Auslöser zu drücken und mit 10 B/s loszufeuern. Der eigentliche Kampf dauerte ca. 0,5 Sekunden. Hätte ich also erst angefangen, den Auslöser zu drücken, wenn ich das Schwarzkehlchen im Sucher gesehen hätte, wäre schon alles vorbei gewesen, bis ich das erste Bild gehabt hätte.“ Drückt man wiederum zu früh den Auslöser, geht die Kamera nach einigen Sekunden in die Pufferspeicherung und nimmt im entscheidenden Moment keine Bilder mehr auf.

hausrotschwanz

Im Blütenmeer: Der Hausrotschwanz sucht auf einer Wiese nach Nahrung. Hier im sogenannten Rüttelflug.
Canon EOS 1D Mk IV, Brennweite 600 mm, ISO 3200, Blende 5, 1/800 s, Belichtungskorrektur + 0,3
Fotograf: Wolfgang Brandmeier

Aufnahme-Einstellungen

Wolfgang Brandmeier fotografiert fast ausschließlich mit Offenblende, was für den Fotografen mehrere Vorteile mit sich bringt: „Zum Ersten bekommt man ein wunderbar aufgelöstes Bild, in Verbin­dung mit viel Brennweite wird das Bokeh natürlich immer schöner. Die Verschluss­zeit verkürzt sich auch, was für meine Art der Fotografie oftmals unentbehrlich ist.“ Für Actionaufnahmen sollte man min­destens 1/1000 Sekunde einplanen. Da­rüber hinaus kann man durch die voll­ständig geöffnete Blende eine niedrige ISO halten, was der Bildqualität sehr zu­gutekommt.

„Möchte ich Action­aufnahmen – etwa einen Kampf, einen Anflug auf einen Ast, einen Rüttelflug, die Kopula – oder andere kurzzeitige Ereig­nisse im Bild festhalten, stelle ich meine Kamera natürlich auf maximales Dauer­feuer von 10 B/s ein.“ Als Preis für den „NATIONAL GEOGRAPHIC FOTO­GRAF 2016“ hat Brandmeier eine Olym­pus OM-­D E-­M1 Mark II bekommen. Hier stehen mit Schärfenachführung bis zu 18 B/s zur Verfügung, mit ausgeschal­tetem Autofokus sind sogar 60 B/s drin. „Als alter DSLR-­Fan stellt dies ein kom­plett anderes Fotografieren für mich dar, welches ich aber gerne ausgiebig testen werde!“, so Brandmeier.

buntspecht

Aufeinandertreffen: Buntspecht trifft auf Grünfink.
Canon EOS 1D Mk IV, Brennweite 500 mm, ISO 2000, Blende 4, 1/200 s, Belichtungskorrektur + 1,3
Fotograf: Wolfgang Brandmeier

Bildgestaltung und Nacharbeit

Meist berücksichtigt der Fotograf den „goldenen Schnitt“, um die Bildkompo­sition spannender zu gestalten. „Auf dieser Fotografenregel kann man sich aber keinesfalls ausruhen, wenn man sich von der Masse abheben möchte“, rät er.

In seltenen Fällen „schreien“ aber auch Motive regelrecht nach mittiger Präsen­tierung zur besseren Wirkung, weiß Brandmeier. Ein guter, selbstbewusster Fotograf erkennt solche prädestinierten Motive und scheut sich auch nicht, diese mittig in Szene zu setzen. Oftmals ist es das gezielt gesuchte Gegenlicht, welches gespreizte Flügel durchleuchtet oder dem vom morgendlichen Tau bedeckten Gras ein märchenhaftes Flair verleihen kann. Auch hier sollte man auf eine sehr tiefe Kameraposition achten.

„Auch beziehe ich gerne gezielt Blüten, Zweige oder Gräser in den Vorder-­ beziehungsweise Hintergrund mit ein, um das Bild span­nender und mit mehr Tiefenwirkung zu gestalten.“ Spätere Nacharbeiten versu­che er möglichst zu vermeiden und lieber durch gezielte Planung im Vorfeld das Bild möglichst perfekt auf die Speicher­karte zu bekommen. Was dann noch übrig bleibt, sind leichte Nachbesserun­gen von Schärfe, Tonwert oder Kontrast.

grauspecht

Im Herbstwald: Der sehr seltene Grauspecht gönnt sich eine Trinkpause.
Canon EOS 1D Mk IV, Brennweite 500 mm, ISO 800, Blende 4,0, 1/800 s, Belichtungskorrektur + 0,3
Fotograf: Wolfgang Brandmeier

Interview mit Wolfgang Brandmeier

ColorFoto: Wie bist Du zur Fotografie gekommen?

Wolfgang Brandmeier: Ernsthaft fotografiere ich, seit ich „digital“ unterwegs bin, genauer gesagt seit ca. zwölf Jahren. Infiziert wurde ich, als ich in einem großen, bekannten Vogelschutzgebiet in unserer Nähe unterwegs war und einige Fotografen mit den „großen Tüten“ fotografieren sah. Die Bilder, die mit diesen Teleobjektiven entstanden, beeindruckten mich sehr.

Ich beschloss, es den Stars mit kleinem Equipment nachzumachen. Aufgrund der unterlegenen Ausrüstung war das zwar sehr frustrierend, aber für mich war es immer ein besonderer Anreiz, ähnlich gute Bilder zu bekommen. Irgendwann habe ich realisiert, dass man mit einem Tarnzelt und viel Elan auch mit kleinerer Brennweite richtig tolle Bilder bekommen kann. Mit den Jahren wuchs dann nicht nur die Erfahrung, sondern auch mein Equipment, das mir weitere Türen geöffnet hat.

ColorFoto: Was ist der besondere Reiz am Vögel-Fotografieren?

Wolfgang Brandmeier: Die Schnelligkeit der Vögel „einzufrieren“ und deren spezielle Eigenarten im Bild festzuhalten. Gerade Singvögel sind ja sehr klein und filigran, hierbei reizt es mich ungemein, die Nähe mittels Tarnung zu suchen, damit man auch die kleinsten Details der Vögel wahrnehmen kann.

So kann es auch schon mal sein, dass sich beim Porträt eines Singvogels zum Beispiel ein Baum in dessen Auge spiegelt, was gerade mal etwa zwei Millimeter im Durchmesser hat. Auch einen Habicht beim Jagdflug nach einem Kaninchen, welches in höchstem Tempo hakenschlagend versucht zu entkommen, zu erwischen, stellt so ziemlich die Königsdisziplin dar, was Geschwindigkeit und Reaktionsvermögen in der Fotografie angeht.

zwei-eisvoegel

Sekundenliebe: Zwei Eisvögel bei der Kopula. Eine wahre Sekundenliebe. Das Weibchen ist schön zu erkennen durch die orange gefärbte untere Schnabelhälfte.
Canon EOS 1D Mk IV, Brennweite 600 mm, ISO 1250, Blende 5,6, 1/1000 s, Belichtungskorrektur – 1,0
Fotograf: Wolfgang Brandmeier

ColorFoto: Und für ein gutes Foto tust Du „fast“ alles?

Wolfgang Brandmeier: Die Natur kann schon sehr hart sein. Egal, ob man sich durch eine stachelige Brombeerhecke zwängen muss, sich stellenweise über Stunden in fast „unmenschlichen“ Temperaturen eines Tarnzeltes aufhält, sich für ein gutes Foto in den Matsch werfen muss oder sich im hohen Gras etliche Zecken oder Moskitostiche einfängt, alle diese Entbehrungen nehme ich „gerne“ in Kauf, wenn ich mir Chancen für ein gutes Foto erhoffe.

Ich liebe es einfach, in der Natur zu sein. Das war schon als kleines Kind so. Das oftmals Spektakuläre in der Natur auf ein Bild zu bannen, macht bei mir den Reiz aus. Im Sommer um 4 Uhr aus dem Bett zu steigen und meiner Leidenschaft nachzugehen, resultiert also nicht daraus, dass ich an Schlafstörungen neige. Nein, das ist auch für mich hart. Aber wenn bei Sonnenaufgang die Natur erwacht und ich die vielen kleinen Wunder erleben kann, ist alles vergessen und ich freue mich einfach in diesem Augenblick ein Teil der Natur sein zu dürfen.

ColorFoto: Verrätst Du uns eines Deiner Lieblingsmotive?

Wolfgang Brandmeier: Da gibt es ganz viele: der Neuntöter, der gerade eine Maus aufspießt. Oder der Eisvogel, der aus dem Tauchgang mit Fisch ankommt. Oder der Habicht, der eine Krähe erlegt. Jedes Motiv ist auf seine Weise einzigartig!

Blaumeise

Es weihnachtet sehr: Heimische Blaumeise im Winter auf einem Platanenzweig. Einer der häufigsten Vögel in Deutschland.
Canon EOS 1D Mk IV, Brennweite 280 mm, ISO 640, Blende 5, 1/320 s, Belichtungskorrektur – 0,3
Fotograf: Wolfgang Brandmeier

ColorFoto: Du hast Dich im Jahr 2004 in der fotocommunity registriert. Wie bist Du zur fotocommunity gekommen und welche Funktionen der fotocommunity schätzt Du?

Wolfgang Brandmeier: Ich habe in der fotocommunity, speziell in den ersten Jahren, viele fotografische Kenntnisse mittels Austausch mit anderen Fotografen gelernt. Heute inspiriert mich die fotocommunity, selbst gute Bilder einzustellen. Kommt ein Bild in die „Galerie“, erreiche ich eine große Anzahl an Betrachtern. Die überaus positive Kritik spornt mich dann an, weitere Bilder einzustellen. Es freut mich, wenn meine Bilder auch zum längeren Betrachten verweilen. So lauten etwa die Aussagen, die ich immer wieder als Feedback bekomme.

ColorFoto: Hast Du fotografische Vorbilder, und wenn ja welche?

Wolfgang Brandmeier: Direkt als Vorbilder zu bezeichnen, wäre das falsche Wort. Da sind einige Fotografen, die ich sehr schätze. Richtig gute Naturfotografen fallen aber nicht wie Äpfel von den Bäumen (zwinkert). Sicherlich ist es bemerkenswerter, wenn sich ein Fotograf seine Motive und Locations selbst erarbeitet. Der Aufwand, der betrieben werden muss, um Tiere aufzuspüren und sie auch gut in Szene zu setzen, ist zum Teil immens.

Dass hinter einem Bild stellenweise Wochen an Vorbereitung und intensiver Recherche und Observation stecken, sieht man dem Bild nicht an. Bundesweit gibt es viele Ansitzmöglichkeiten zu mieten. Je nach Engagement und Fähigkeiten beziehungsweise Möglichkeiten des „Vermieters“ sind diese Verstecke perfekt angelegt, sei es, dass der Tarnunterstand schön mit Sonne im Rücken ausgerichtet ist oder auch die Kamerapositionen schon perfekt zum Motiv vorbereitet sind, beziehungsweise die Tiere so angelockt werden, dass ein zeitintensives Suchen entfällt. Das alles ist auch nicht verwerflich, denn nicht jeder Naturfotograf kann oder will so viel Zeit in dieses oftmals sehr zeitraubende Hobby stecken.

feldschwirl

Unermüdliche Sänger: Der Feldschwirl scheint einen endlos langen Atem zu haben. Hier trällert er sein Liedchen lauthals, ähnlich dem Zirpen einer Grille! Das im Hintergrund befindliche Rapsfeld verschwindet in Unschärfe und gibt hierbei dem „Popstar“ unter den Vögeln einen gebührenden Rahmen.
Canon EOS 1D Mk IV, Brennweite 420 mm, ISO 200, Blende 7,1, 1/250 s, Belichtungskorrektur + 1,0
Fotograf: Wolfgang Brandmeier

ColorFoto: Was macht für Dich Deine persönliche Handschrift aus?

Wolfgang Brandmeier: Ich bin bekennender Offenblende-Fan, was sich auch ganz deutlich in meinen Bildern widerspiegelt. Darüber hinaus suche ich immer wieder die Action und Individualität in Bildern. Auch ist es für mich wichtig, Bilder mit einem hohen Anspruch an Qualität zu präsentieren.

Wolfgang Brandmeier wohnhaft in St. Leon-Rot zwischen Mannheim und Karlsruhe, Gewinner des „NATIONAL GEOGRAPHIC FOTOGRAF 2016“. Brandmeier fotografiert in erster Linie, weil es ihm Spaß macht. „Auch wenn sich das Vergnügen im sommerlich aufgeheizten Tarnzelt mit ca. 40-50 Grad oder im Winter bei stellenweise minus 20 Grad bei ca. 4-stündigem Ansitz auf ein Minimum reduziert.“

schwarzkehlchen

Infight: Das Schwarzkehlchen nimmt sich den Kuckuck „zur Brust“.
Canon EOS 1D Mk IV, Brennweite 600 mm, ISO 1600, Blende 6,3, 1/2500 s, Belichtungskorrektur +/- 0,0
Fotograf: Wolfgang Brandmeier

Einen Teil seiner Bilder stellt der fotocommunity-Fotograf in der fotocommunity ein, eher selten nimmt er an Fotowettbewerben teil. „Das Siegerbild des NATIONAL GEOGRAPHIC Fotowettbewerbes hängt aber dann auch schon mal in 1,8 Meter x 1,2 Meter Größe in den Gebäuden unseres Rathauses.“ Zudem hat Wolfgang Brandmeier mehrere Kalender über den Online-Anbieter CALVENDO erstellt, welche käuflich erworben werden können.

haubenmeise

Herbstfeuer: Die Haubenmeise, eine sehr schöne Meisenart, welche man leider recht selten zu Gesicht bekommt. Besonders schön sind deren rote Augen. Hier in wundervoller Harmonie zum Herbstlaub. Canon EOS 1D Mk IV, Brennweite 300 mm, ISO 200, Blende 6,3, 1/80 s, Belichtungskorrektur + 0,3
Fotograf: Wolfgang Brandmeier

Ausstattung

  • Kameras: Canon EOS 1D Mark IV und Olympus OMD EM1 MKII
  • Objektive: Canon EF 4/600 mm L IS II USM, Canon EF 4/300 mm L IS USM, Sigma 2,8/150 mm
  • Zubehör: Gitzo Carbon Dreibein GT 5542 LS, Wimberley Head II WH-200 Version II

Redaktion Sabine Schneider

neuntoeter

Maus am Spieß: Ein Neuntöter spießt für „schlechte Zeiten“ gerne größere Beutetiere auf Dornen auf, um bei Nahrungsknappheit auf solche Depots zurückgreifen zu können.
Canon EOS 1D Mk IV, Brennweite 800 mm, ISO 1600, Blende 8, 1/1000 s, Belichtungskorrektur +/- 0,0
Fotograf: Wolfgang Brandmeier