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Portfolio: Miniatur-Welten (Maria J.)

In unserer Serie „Portfolio“ stellen wir Dir jeweils einen Fotografen aus der fotocommunity ausführlich vor. Er gibt Dir Tipps zu seinem fotografischen Spezialgebiet und zeigt verschiedene seiner Fotos. Dieser Artikel stammt aus dem ColorFoto-Magazin 03/2017. Als Premium-Mitglied in der fotocommunity (ab einer Basic-Mitgliedschaft) erhältst Du den vollständigen Zugriff auf das ePaper der ColorFoto.


Mit Klappdisplay, männlichem Begleitschutz und Taschenlampe ist fotocommunity-Fotografin Maria J. in heimischen Wäldern und auf Friedhöfen unterwegs, um die zauberhafte Welt der Flechten zu entdecken.

echte-scharlachflechte

Die echte Scharlachflechte (Cladonia coccifera) wird zu einer sehr imposanten Erscheinung, wenn man ihr, wie hier, einen überlebensgroßen Auftritt verschafft. Eigentlich ist sie nur knapp 2 cm hoch. Sie ist eine der häufigsten Cladonia-Arten und nicht immer leicht von ihren Artgenossinnen zu unterscheiden. Ihr leuchtend roter Hut macht sie zu einer kleinen Schönheit.
Fotografin: Maria J.

Für Maria ist es eine Wohltat, an schönen Tagen durch die nähere Umgebung zu streifen. „Zusammen mit einem Freund bin ich bei gutem Wetter häufig zu Fotoexkursionen im Brandenburger und im Mecklenburger Land unterwegs, wo es herrliche Seen, alte Buchenwälder und vielerlei interessante Landschaften gibt“, beschreibt sie. Aber auch Berlin hat Seen und grüne Oasen, die zu Fuß oder per Fahrrad gut zu erreichen sind. „Und selbst auf Friedhöfen wachsen Pilze.“ Und wo Pilze stehen, sind Flechten nicht weit, weiß die fotocommunity-Fotografin aus eigener Erfahrung.

vielfingerscharlachflechte

Die Becher der Vielfingerscharlachflechte (Cladonia polydactyla) zeigen oft ungewöhnliche Formen. Auf ihrem Rand sitzen hier sehr viele kleine „Finger“, geschmückt mit roten Apothecien. Dieses etwas ungewöhnliche Objekt hatte mich sehr beeindruckt, besonders, als ich es so riesengroß am Monitor sah.
Fotografin: Maria J.

So wurden also auch in der fotocommunity diese beiden Familien sinnvollerweise zu der Sektion „Pilze und Flechten“ zusammengefasst, und es blieb nicht aus, dass die ambitionierte Pilzfotografin die Flechten als weitere Lieblingsmotive für sich entdeckte. Bis dahin kannte sie nur die Rentierflechte. „Und plötzlich eröffnete sich mir ein ganzes Universum.“

Weltweit gibt es rund 25 000 Flechtenarten – mehr als 2000 davon in Zentraleuropa. „Manche von ihnen kleben wie zertretene Kaugummis auf Gehwegen der Städte, andere gedeihen an Bäumen, Steinen, Zäunen oder Verkehrsschildern. Wieder andere bevorzugen morsche Baumstümpfe oder sandige Böden.“

pokalbecherflechten

Pokalbecherflechten oder auch Trompetenflechten (Cladonia fimbriata) sind kleine langstielige Flechten, an deren Ende sich becherartige Formen ausgebildet haben. Man kann sie häufig finden. Ob auf morschem Holz oder sandigen Waldlichtungen, sie scheinen sich fast überall wohlzufühlen. Hier habe ich ihnen eine kleine Dusche aus der Spritzflasche spendiert, und sie haben mich reichlich dafür belohnt.
Fotografin: Maria J.

Flechten entdecken

Anders als Pilze leben Flechten in einer symbiotischen Gemeinschaft, bestehend aus einem Pilz und einer Alge. Meist sind es Grünalgen, seltener Blaualgen, die die lebenswichtige Photosynthese übernehmen. Als Gegenleistung schützt der Pilz die Alge gegen Austrocknen und andere Gefahren, indem er sie mit seinem Fadengeflecht umhüllt. Jede Flechtenart hat einen anderen Pilzpartner.

Maria ist fasziniert von diesen zauberhaften kleinen Gewächsen mit ihren bildschönen, meist farbigen Apothecien, die sie anfangs für Blüten hielt. Die große Familie der Cladonien hatte es ihr besonders angetan, und bald entdeckte sie auf ihren Spaziergängen lichte Waldstücke mit größeren Gruppen dieser Flechten. „So fand ich dann auch meine kleinen Flechtenparadiese, in denen ich unendlich viele Fotos machte.“

nachbarschaft

Nachbarschaft: Auf diesem Foto tummeln sich verschiedene Flechten in enger Nachbarschaft. Ich fand sie an einem sehr sonnigen, sandigen Standort. Links sieht man eine Etagenbecherflechte, mittig und rechts eine Igel-Cladonie und dazwischen stehen braunfrüchtige Cladonien.
Fotografin: Maria J.

Flechten verstehen

In ihrem fotocommunity-Kollegen Prof. Dr. rer. nat. Ulrich Kirschbaum fand Maria einen kompetenten Ansprechpartner. „Er scheute keine Mühe, zu meinen vielen Flechtenaufnahmen noch den nötigen wissenschaftlichen Hintergrund zu liefern – was mich aufgrund der vielen lateinischen Namen oft völlig überforderte.“ Aber ihre große Neugier auf die kleinen dekorativen Lebensformen war geweckt, und dank des Büchleins „Flechten einfach bestimmen“ von Volkmar Wirth/Ulrich Kirschbaum war sie bald auch selbst in der Lage, einige der fotografierten Flechten mit ihrem richtigen Namen anzusprechen und der passenden Familie zuzuordnen.

echte-scharlachflechte

Diese echte Scharlachflechte (Cladonia coccifera) zeigt sich sozusagen „in voller Blüte“. Ihre roten Apothecien scheinen von innen zu leuchten, aber tatsächlich es ist nur das Sonnenlicht, das für diesen Effekt gesorgt hat.
Fotografin: Maria J.

Flechten fotografieren

„Wo auch immer ich dann unterwegs war – überall sah ich Flechten“, erzählt die Berlinerin. Um deren Schönheit groß zu präsentieren, benutzt sie ein Makro-Objektiv. Ein Stativ oder eine stabile Unterlage für die Kamera sind zudem unumgänglich. Oft sind die Pflanzen nur 2 bis 4 cm hoch, was das Scharfstellen erschwert. „Auch ein Winkelsucher kann unter Umständen gute Dienste leisten.“

Eine möglichst kleine Blendenöffnung (circa Blende 16) kann auch hier für mehr Tiefenschärfe sorgen. „Dank des Klappdisplays meiner EOS 600D muss ich nun nicht mehr so oft auf dem Bauch liegen wie früher“, schmunzelt Maria. Die meisten der gezeigten Aufnahmen sind in freier Wildbahn entstanden.

Ein paar Flechten-Exemplare nahm sie aber auch schon mal mit nach Hause. „So konnte ich auch bei schlechtem Wetter hinter der Balkontür ein Flechten-Ensemble zusammenstellen und mit kleiner Blende und langen Belichtungszeiten experimentieren.“

flechtenbaum

Dieser Flechtenbaum ist eine kleine Kuriosität. Um einen Ast herum hatten sich Flechten kugelartig angeordnet, sodass er aufrecht gestellt, wie ein kleines Bäumchen aussah. Um ihm den nötigen Halt zu geben, habe ich ein paar weitere Flechten um ihn herum drapiert – und ein Schneckenhäuschen fand sich dann auch noch ein.
Fotografin: Maria J.

Gestaltungsmittel

In erster Linie versucht die Fotografin, das Besondere ihres Findlings durch die Bildkomposition und das Spiel zwischen Blende und Belichtungszeit herauszuarbeiten. Zum Beispiel indem sie die Flechte so im Vordergrund positioniert, dass der Hintergrund zwar nebensächlich, aber nicht überflüssig wird.

Aber auch eine weniger spektakuläre Pflanze kann – in buntem Herbstlaub eingebettet – eine gute Figur machen. „Es ist also immer gut, wenn man vorher weiß, worin die Wirkung des Bildes bestehen soll.“ Bei Flechten gestaltet sich das meist etwas schwieriger, da sie so klein sind. „Hier kommt die Idee zur Bildgestaltung oft erst, während ich durch den Sucher der Kamera nach den besten Präsentationsmöglichkeiten Ausschau halte.“

Etagenbecherflechten

Über die Etagenbecherflechten (Cladonia cervicornis subsp. verticillata) freue ich mich immer ganz besonders. Bisher habe ich sie nur an einer einzigen Stelle gefunden. Sie sind winzig klein, nur circa 1,5-2 cm hoch, und verstecken sich gern zwischen anderen Cladonien auf sandigen oder steinigen Böden. Hier sieht man deutlich, wie aus einem Becher ein weiterer herauswächst und einmal sogar vier Becher gleichzeitig.
Fotografin: Maria J.

Nachbearbeitung

Beinahe jedes Foto durchläuft bei Maria die Bildbearbeitung in Photoshop. Die Schärfe muss ohnehin nach der Komprimierung für die fotocommunity nachreguliert werden. Häufig legt die fotocommunity-Fotografin aber auch den Bildausschnitt neu fest, beseitigt Staubkörnchen und andere Störungen und passt die Farben an. Maria lacht: „Bei Pilzen und Flechten bemühe ich mich meist, die realistischen Farben wiederzugeben, aber es kann auch anders kommen.“

Redaktion: Sabine Schneider

gewoehnliche-scharlachflechte

Die gewöhnliche Scharlachflechte (Cladonia pleurota) schafft es sogar auf 3 cm Höhe. Ihre Blättchen, die der Lichenologe (ein Wissenschaftler, der sich mit der Erforschung von Flechten befasst) Partikel nennt, sind kleiner und etwas blasser als bei ihrer Artgenossin. Die leuchtend roten Apothecien hat aber auch sie aufzuweisen.
Fotografin: Maria J.

Maria fotografiert seit ihrer Kindheit und lebt in Berlin. Zu ihren Lieblingsmotiven gehören Pilze und Flechten. „Flechten sind eher ungewöhnliche Motive. Auch in der bildenden Kunst sieht man sie selten, und bevor ich die kleinen Schönheiten in der fotocommunity entdeckte, war ich ihnen noch nirgendwo bewusst begegnet.“

Ausstattung

  • Kameras: Canon EOS 600D, Canon EOS 350D, Canon Powershot SX10 IS, Panasonic Lumix DMC-FS10
  • Objektive: Canon EF-S 3,5-5,6/18-135 mm IS, Macro Lens EF 2,8/100 mm, EF-S 3,5-5,6/18-55 mm, Zoom EF 4-5,6/28-90 mm
  • Stative: Manfrotto und Berlebach, Reflektor 60 cm, Taschenlampe Fenix E15, Pinsel, Drahtauslöser, Winkelsucher (Seagull), Begleitschutz (für weit entfernte und besonders dunkle Wälder)