Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren und die Zugriffe auf unseren Webseiten zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Deiner Nutzung unserer Webseiten an unsere Partner für Emails, Werbung und Analysen weiter. Details ansehen

Portfolio: Malen mit Licht (Ferry Böhme – FerryFotoBruck)

In unserer Serie „Portfolio” stellen wir Dir jeweils einen Fotografen aus der fotocommunity ausführlich vor. Er gibt Dir Tipps zu seinem fotografischen Spezialgebiet und zeigt verschiedene seiner Fotos. Dieser Artikel stammt aus dem ColorFoto-Magazin 06/2017. Als Premium-Mitglied in der fotocommunity (ab einer Basic-Mitgliedschaft) erhältst Du den vollständigen Zugriff auf das E-Paper der ColorFoto.


 

Oft stundenlang verharrt fotocommunity-Fotograf Ferry Böhme – FerryFotoBruck in freier Wildbahn, um heimische Tiere und Natur immer wieder neu zu entdecken. Ein fotografischer Streifzug frühmorgens durch das Alpenvorland.

azurjungfervsprachtlibelle

Azurjungfer vs. Prachtlibelle
Treffen einer Hufeisen-Azurjungfer (Coenagrion puella) und eines Weibchens der Gebänderten Prachtlibelle (Calopteryx splendens).
Brennweite 180 mm, Makro, Blende 8, 1/2000 s
Fotograf: Ferry Böhme – FerryFotoBruck

Vorbereitung

Die wichtigste Vorbereitung für Dr. Ferry Böhme ist, am Abend zeitig ins Bett zu gehen. Denn er ist bereits ab 4.30 Uhr morgens auf den Beinen, um auf die Pirsch zu gehen.

Der fotocommunity-Fotograf weiß, dass die besten Naturbilder entstehen, wenn die Tiere ungestört sind und ihr natürliches Verhalten zeigen. Daher schätzt Böhme die Zeiten, in denen nicht viele Leute unterwegs sind. Auch das Licht ist dann für seine Aufnahmen am besten.

eintagsfliege

Eintagsfliege
Eintagsfliege im Abendlicht.
Brennweite 180 mm, Makro, Blende 7,1, 1/2000 s, +0,3 EV, Stativ
Fotograf: Ferry Böhme – FerryFotoBruck

Motivsuche

Zwar stehen auf Böhmes Reise-Wunschliste Neuseeland und Schottland ganz oben, aber immer ist es die Heimat, die für den Naturfotografen die meisten Motive bereithält. Seit vielen Jahren beschäftigen ihn die Naturwunder des Alpenvorlands.

Den Anfang nahm 2006 das Projekt „Wildnis Alpenvorland – Naturerlebnis Heimat“ im Vorfeld von Europas größtem Naturfotofestival, den Internationalen Fürstenfelder Naturfototagen.

Ziel des Projekts ist, die Schönheit der heimischen Natur zu illustrieren und aufzuzeigen, um einen aktiven Beitrag zu ihrem Schutz und ihrer Erhaltung zu leisten. Aus Tausenden vorhandener Diapositive, die zwar alle gerahmt in Böhmes Archiv vorlagen, aber nie für einen Vortrag genutzt wurden, stellte der Fotograf eine erste analoge Präsentationsversion zusammen und erntete Begeisterung bei den Besuchern.

Der große Zuspruch bestärkte ihn in der Ansicht, dass die nähere Umgebung ebenso viele Naturschönheiten zu bieten hat wie die längste Fernreise. So entstanden neue Vorträge, Publikationen und vor allem Bilder aus ungewöhnlichen Perspektiven.

gaensesaeger

Gänsesäger
Gänsesäger mit Jungen.
Brennweite 550 mm, Blende 7,1, 1/1000 s, -0,7 EV, Stativ
Fotograf: Ferry Böhme – FerryFotoBruck

Bei der Motivsuche probiert der fotocommunity-Fotograf ganz bewusst, Natur und Tiere zu entdecken, „indem ich immer wieder versuche, besser sehen zu lernen.“

Dabei lässt er sich vom gesamten Spektrum fotografischer Möglichkeiten inspirieren. „Ob Makrofotografie mit dem Lupenobjektiv und Einblicke in die ,Winzigwelt‘ oder große Säugetiere, Landschaften oder ,Nature as Art‘: Alles hat seinen eigenen Reiz und stellt andere Herausforderungen an den Fotografen.“

Besonders angetan hat es ihm seit ein paar Jahren speziell die Ordnung der Libellen. „Die derzeit knapp 80 in Mitteleuropa beheimateten Arten dieser Fluginsekten sind nicht nur die schnellsten Jäger im Insektenreich, sondern zeigen auch ein fotografisch herausforderndes Farben-, Formen- und Verhaltensspektrum.

Ihre oft sehr habitatspezifische Lebensweise macht sie darüber hinaus leider zu sehr empfindlichen Umweltindikatoren. Zahlreiche Arten sind durch Biotopzerstörung schon verloren gegangen“, weiß Böhme.

Vierflecklibelle

Vierflecklibelle
Vierflecklibelle (Libellula quadrimaculata) im abendlichen Gegenlicht.
Brennweite 800 mm, Blende 7,1, 1/8000 s, -1,0 EV, Stativ
Fotograf: Ferry Böhme – FerryFotoBruck

Equipment

Unentbehrlich für Ferry Böhme ist neben seiner Canon EOS 5D MkIII ein Stativ – egal, mit welcher Brennweite er arbeitet.

„Es ist für mich bei der Arbeit fast immer hilfreich. Ob bei der Landschafts-, Tier- oder Makrofotografie – wer sich Zeit für eine aktive Bildgestaltung nimmt, wird deutlich bessere Resultate erzielen als im ,Dauerfeuermodus‘ mit Bildstabilisator aus der freien Hand, obwohl es da vermeintlich schneller geht“, erklärt Böhme.

In der Makrofotografie arbeitet er meist mit Reflektor, da er lieber das natürlich verfügbare Licht als den Blitz nutzt.

gaensesaeger 2

Gänsesäger
Gänsesäger im vollen Gegenlicht.
Brennweite 800 mm, Blende 8 bei 1/250 s, +2,0 EV, Stativ
Fotograf: Ferry Böhme – FerryFotoBruck

Aufnahmesituation

Vor Ort setzt Ferry Böhme dann auf viel Geduld. Oft stundenlang verharrt er in einer Position, bis das Setting endlich passt. „An einem Fuchsbau bin ich in der Nachmittagssonne schon einmal eingeschlafen, da ich bereits seit 5 Uhr morgens unterwegs war. Mein Fotofreund hat sich gewundert, warum ich nicht auslöse, obwohl die Welpen vorm Bau gespielt haben“, erzählt er mit einem Schmunzeln.

Zwei ältere Damen auf ihrem Sonntagsspaziergang indessen wollten Ferry Böhme „retten“, da sie glaubten, er stecke mit Hexenschuss in einem Teich fest, als er über das Stativ gebeugt direkt auf der Wasseroberfläche Kröten bei der Paarung fotografiert hat.

Rauchschwalbe

Rauchschwalbe
Flugcatering bei den jungen Rauchschwalben.
Brennweite 800 mm, Blende 10, 1/1000 s, Stativ
Fotograf: Ferry Böhme – FerryFotoBruck

Fototechniken

Dabei geht es Böhme nicht nur darum, im entscheidenden Moment einfach auf den Auslöser zu drücken, sondern mit verschiedenen fotografischen Techniken zu experimentieren. Dazu holt er sich Anregungen aus der fotocommunity und vergleicht Arbeiten und Techniken.

Mit einigen Fotografen tauscht er sich auch direkt aus. „Ich versuche einerseits, klare und sauber strukturierte Bilder umzusetzen, andererseits reizt mich der künstlerische Aspekt des ,Malens mit Licht‘ – also die Anwendung von Wischertechnik, Doppelbelichtung, Kameramitführung und Langzeitbelichtungen. Strukturen und Farben gewinnen manchmal die Oberhand“, erklärt er.

Ab und an arbeitet er sogar mit alten Objektiven aus den 50er- und 60er-Jahren, deren Bokeh- Gestaltung ihn sowohl bei Porträts als auch in der Makrofotografie begeistert.

Storch

Storch (Frankreich)
Storchenporträt auf das Wesentliche reduziert.
Brennweite 800 mm, Blende 8, 1/1250 s, Stativ
Fotograf: Ferry Böhme – FerryFotoBruck

Nacharbeit

Böhme verbringt seine Zeit lieber in der Natur, als sie in aufwendige Nacharbeit zu investieren. Ein einfacher Workflow in Lightroom und wenige Minuten pro Bild sind fast immer ausreichend. „Sonst habe ich draußen nicht sauber genug gearbeitet”, resümiert er.

In diesem Fall geht es eben an einem anderen, neuen Morgen von vorne los. Schließlich ist es nicht die quantitative Ausbeute, die Böhme am Fotografieren fasziniert, sondern der Reiz der unblutigen Jagd: „Sich manchmal mühsam anpirschen zu müssen oder Stunden unter der Tarnung zu verharren, und keiner nimmt Schaden dabei.“

Oder wie Franz Bagyi einmal sagte: „Der Naturfotograf mag oft mit leeren Händen heimgehen, aber nie mit leerem Herzen.“

Kea

Kea (Neuseeland)
Bergpapagei im starken Wind des neuseeländischen Fjordlands.
Brennweite 800 mm, Blende 10, 1/400 s, Stativ
Fotograf: Ferry Böhme – FerryFotoBruck

Ferry Böhme – FerryFotoBruck ist weitgereister Naturfotograf, erfahrener Vortragsreferent – unter anderem auf Europas größtem Naturfotofestival und beim Deutschen Alpenverein –, Jurymitglied bei Wettbewerben, Photocoach sowie Mitglied der Gesellschaft Deutscher Tierfotografen (GDT).
Seinem ersten Heimatprojekt „Wildnis Alpenvorland – Naturerlebnis Heimat“ 2006 folgten mittlerweile zahlreiche weitere: Neben dem Agenda-21-Projekt „Lebensader Amper“ gab es Ausstellungen in Oberbayern und Oberfranken.
Im Jahr 2012 übernahm der damalige Bayerische Staatsminister für Umwelt und Gesundheit, Dr. Marcel Huber, die Schirmherrschaft über eine mehrmonatige Sonderausstellung des Landkreises Fürstenfeldbruck.
Das Bildmaterial des Projekts bildete auch die fotografische Grundlage für das Kalenderprojekt des Bayerischen Naturschutzfond 2013 „Naturjuwel Ampertal“ und des Sozialfonds der Europäischen Union, das Ende November 2012 durch den Bayerischen Staatsminister für Umwelt und Gesundheit vorgestellt werden konnte.

Gaensesager 3

Gänsesäger
Gänsesäger mit Jungen.
Brennweite 550 mm, Blende 9, 1/2500 s, -0,7 EV, Stativ
Fotograf: Ferry Böhme – FerryFotoBruck

Ausstattung

  • Kameras: Canon Spiegelreflex EOS 5D Mark II & III, Vollformat
  • Objektive: Brennweitenabdeckung von 16 mm bis 800 mm (Sigma & Canon)
  • Zubehör: Stativ, Reflektor, Winkelsucher und Kabelauslöser

Redaktion Sabine Schneider

Wachtelweizen-Scheckenfalter

Wachtelweizen-Scheckenfalter
Wachtelweizen-Scheckenfalter (Melitaea athalia).
Brennweite 800 mm, Blende 7,1, 1/160 s, -0,3 EV, Stativ, Spiegelvorauslösung
Fotograf: Ferry Böhme – FerryFotoBruck

Azurjungfer

Azurjungfer
Porträt einer Hufeisen-Azurjungfer (Coenagrion puella).
Brennweite 180 mm, Makro, Blende 3,5, 1/1000 s, Stativ
Fotograf: Ferry Böhme – FerryFotoBruck

Blesshuhn

Blesshuhn
Blesshuhnküken im Gegenlicht.
Brennweite 800 mm, Blende 9, 1/1000 s, Stativ, +0,3 EV
Fotograf: Ferry Böhme – FerryFotoBruck