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Portfolio: Im Quadrat (-Z-W-I-E-L-I-C-H-T-)

Mit minimalistischem Blick und nüchternem Schnitt dokumentiert -Z-W-I-E-L-I-C-H-T- wirkungsvoll seine Innenansichten. Viele Themen und neue Blickwinkel regen zum Nachdenken an. Fest im Programm sind stets ein weißer Himmel und viel „Nichts“ – alles anders als gewöhnlich. Dieser Artikel stammt aus dem ColorFoto-Magazin 06/2018. Als Premium-Mitglied in der fotocommunity (ab einer Basic-Mitgliedschaft) erhältst Du den vollständigen Zugriff auf das ePaper der ColorFoto.

Funzel: Dieses Foto zeigt ein historisches Objekt: die Wegbeleuchtung zur ehemaligen Zeche Hannover, die man heute als Museum besuchen kann. Zum „Erleben“ gibt es nebenan die Kinderzeche „Zeche Knirps“, buchbar als Schauplatz für Kindergeburtstage.

„durch jede Menge Nichts aufzufüllen“

Deine Bilder sind alles andere als gewöhnlich und regen zum Nachdenken an. Was willst Du mit Deinen Aufnahmen ausdrücken?

Ich versuche manchmal, emotionale Stimmungen im Bild festzuhalten, was mir auch hier und da gelingt, denke ich (zwinkert). Ich versuche neue Ansichten zu zeigen und das Drumherum mitzunehmen oder teilweise auch komplett auszublenden. Oder Sichtweisen, wie ich sie habe, ins Quadrat zu bringen. Teilweise müsste ich unter meinen Bildern mein Leben offenlegen, um zu beschreiben, was gerade in diesem oder jenem Foto ausgedrückt werden soll. Der Titel und eventuell noch ein Musiklink unter dem Foto geben aber meistens die Richtung vor, in die es gehen soll. Manchmal wird genau das, was ich ausdrücken will, von anderen erkannt, und das freut mich natürlich sehr.

Komm nur: Wieder eine Fototour mit meinem Schwager und einem Freund. Es ging zum Schulenbergtunnel in Hattingen, einem ehemaligen Eisenbahntunnel, der für den Fahrradfahrenden freigegeben wurde. Der Titel bezieht sich auf die Finsternis und alles, was in ihr so schlummert. Und nach Dir ruft: „Komm nur näher!“

Wie kommst Du zu Deinen Bildideen?

Dinge, die mich im Moment bewegen, zu denen ich mir Gedanken mache, versuche ich, in eine Bildidee umzuwandeln. Längere Zeit war ich in der fotocommunity als Mitbegründer des „Fight-Club“ mit Themenvorgaben beschäftigt und habe versucht, „andere als gewöhnliche“ Bildideen zu den jeweiligen Themen zu entwickeln. Das von mir hier gezeigte Foto „take a look“ ist aus dieser Zeit und zu dem vorher festgelegten Thema „Geheimnisse“ entstanden.

take a look: Ein Projekt vom „Fight-Club“ der fotocommunity. Das festgelegte Thema hieß in diesem Fall, glaube ich, „Geheimnisse“. Es war superheiß an diesem Tag, ich war bei der Schwiegermutter zu Besuch, die die Tür ihres Karnickelstalls zur Verfügung gestellt hatte. Rauf auf die Wiese hinter dem Haus, Nagel in die Tür geschlagen, damit meine Frau sie zum Fotografieren mit einem Band festhalten konnte. Tochter und Sohn beim Schauen durchs Schlüsselloch fotografiert, und meine Tochter hat das Rennen gemacht!

Wie bist Du zu dieser Art der Fotografie gekommen?

Diese Art ist irgendwie einfach meine Art (lacht). Es hat nicht lange gedauert, dass ich das Quadrat als für mich am passendsten gefunden habe. Wie gesagt: „Diese Art“ bin ich.

dead end: Dieses Foto entstand auf einer Tour auf der Erzbahntrasse, deren damals existierende Gleisverbindung zwischen Gelsenkirchen und Bochum heute ein Fahrradweg ist. Die Gleise sind letzte Überreste und Zeitzeugen der Bochumer Stahlindustrie.

Was ist für Dich der besondere Reiz an Deiner Fotografie?

Immer wieder aufs Neue zu versuchen, andere mitzunehmen auf die Reise, mit meinen Augen zu sehen!

Wo findest Du Deine Motive?

Überall. Ich gehe 1000 Mal an Motiven vorbei, bis ich beim 1001sten Mal etwas ganz anderes für mich darin sehe.

kopflos: Das ist ein Foto, das es so nie zu fotografieren gab. Die Skulptur ist ein Projekt der Jugendkunstschule Wanne-Eickel (die noch besteht) aus den 1980er-Jahren. Ein Kunstprojekt von jungen Menschen, die die Perspektivlosigkeit der damaligen Zeit (Arbeitslosigkeit) darstellen sollten: “Abhängen ….Biertrinken….” So nie zu fotografieren, da von mir der Hintergrund ausgetauscht wurde, der echte Hintergrund ist die B226 in Herne (Wanne-Eickel).

Was ist Dein eigenes Lieblingsmotiv?

Das Horizont-Observatorium auf der Halde Hoheward ist mein Lieblingsmotiv. Mit allem, was drumherum zu sehen ist: Zeche Ewald / Zeche Recklinghausen und die Sonnenuhr nebenan. Warum? Ich bin sehr oft und gerne an diesem Ort, früher als Tagesziel mit dem Rad, heute eher zum Spazieren- gehen und zum Abschalten.

Riss: Das Foto entstand auf der Brücke, die den Europäischen Stahlbrückenwettbewerb 2010 gewonnen hat. Die Frau hat einen Riss im Zeit-Raum-Kontinum erschaffen.

Was macht ein „gelungenes Bild“ für Dich aus?

Ein gelungenes Bild? Ich schaue es an und bin zufrieden. Wenn es auf mich harmonisch wirkt und ich merke, dass andere die kleinen Dinge wahrnehmen, die mich dazu geführt haben, dieses im Bild festzuhalten.

Was macht für Dich Deine persönliche Handschrift aus?

Ich habe keine Ahnung, was ich darauf sagen soll (zwinkert). Manchmal minimalistisch, manchmal der Schnitt, ein anderes Mal die Perspektive. Sehr oft aber auch alles gemeinsam.

geschlossen: Ein Bunker auf dem Kirmesgelände in Wanne-Eickel (Crange), umgewandelt in ein Kunstwerk, das Religionen vereint (Kreuz & Halbmond).

Hast Du fotografische Vorbilder, und wenn ja, welche?

Ich wurde von manchen in der fotocommunity in puncto Stil schon mit anderen Fotografen verglichen. Dann musste ich erst einmal googeln, um die Vergleiche nachvollziehen zu können. Die Namen der Fotografen, mit denen ich verglichen wurde, habe ich schon wieder vergessen. Das beantwortet wohl die Frage (lacht).

immer wieder: Es zieht mich immer wieder zur Halde Hoheward, einer Abraumhalde, die aufgeschüttet wurde aus dem Material der Zeche Recklinghausen II / Zeche General Blumental/ Haard und Zeche Ewald. Mein Ruhepol. Das Foto ist lichtstimmungsmäßig nicht nachbearbeitet. Ich stand vor dem Berg von Steinen, und plötzlich fiel – wie im Film – ein Bündel Licht vom Himmel auf gerade diese Steine. Wunderbar!

Du hast Dich im Jahr 2009 in der fotocommunity registriert. Welchen Einfluss hat die fotocommunity auf Deine Fotografie?

Die fotocommunity hat mir am Anfang die einzelnen Richtungen aufgezeigt. Ich habe manches versucht und viel davon wieder verworfen, weil ich gemerkt habe, dass ich meinen Stil, wenn ich das so sagen will, nicht mit der jeweiligen Rubrik unter einen Hut bekomme. Marodes finde ich immer noch interessant, aber die Art, es zu präsentieren, fällt mir schwer. Im Moment bin ich interessiert an Streetfotografie, allerdings habe ich noch nichts Vorzeigbares in meinem Portfolio.

spin: Das Foto stammt von meinem zweiten und letzten Treffen mit mehreren fotocommunity-Mitgliedern. Mit dabei war die heutige Leiterin des von mir mit gegründeten „Fight-Club“. LaPa-Du (Landschaftspark-Duisburg). Es war ein sehr schöner Tag mit sehr netten Menschen! Das Motiv ist ein „Abluftgebläse“, glaube ich zumindest, das zur Anschauung nachts beleuchtet und elektrisch angetrieben wird.

Welche Teile Deiner Ausrüstung sind für Dich unentbehrlich und warum?

Das linke und das rechte Auge, manchmal reicht auch nur eines von beiden.

Wie bereitest Du ein Fotoshooting vor?

Akkus laden, Stativ unter den Arm oder manchmal nur gar nichts, dann fotografiere ich so beim Tagesgeschehen nebenher.

triple: Eine als Motiv wohl einzigartige Eisenbahnbrücke hier im Ruhrgebiet: drei für sich autarke Brücken nebeneinander. Von mir (von der A43 Richtung Recklinghausen – Herne) zwar schon etliche Male zuvor gesehen, aber erst im Sommer 2017 auf dem Radweg entdeckt.

Kannst Du uns Deine Bildgestaltung genauer erklären?

Das ist bei mir rein intuitiv, meist nehme ich etwas überbelichtet auf, um anschließend bei der Bearbeitung die Mitteltöne wieder zu verstärken. Der weiße Himmel ist meistens Programm. Dadurch kann ins Quadrat gesetzt und der Himmel nach oben hin mit „Nichts“ beliebig erweitert werden. Die Entfernung zum Motiv kann somit auch einfach reduziert werden, um anschließend die Weite und die „Offenheit“ durch jede Menge „Nichts“ aufzufüllen (schmunzelt).

lol: Diese Foto zeigt zwei meiner vier Kinder im Sommerurlaub in Dahme an der Ostsee. Das Wetter war recht wechselhaft und die Lichtverhältnisse manchmal wirklich surreal. Für mich ein Grund mehr, die Kamera mit mir zu führen.

Wie bearbeitest Du nach?

Der größte Teil der Bearbeitung liegt im Schnitt, und bei den Fotos mit weißem Hintergrund ist das „Auffüllen“ mit „Nichts“ die Bearbeitung. Alle meine Fotos, besonders die mit dem weißen Hintergrund, sind keine „freigestellten“ Objekte im herkömmlichen Sinn. Das von mir zu fotografierende Motiv wird vor weißem Hintergrund aufgenommen, und die Landschaftsaufnahmen mit weißem Himmel sind nur ganz grob freigestellt beziehungsweise ausgeschnitten, um den Übergang zum „Nichts“ zu realisieren. Das Bearbeitungsprogramm „klont“ das Farbniveau dann auf einen Nenner.

Redaktion: Sabine Schneider

ziel: Dieser Titel ist für mich eine Herausforderung. Durch Krankheit bedingt, ist es mein stetiges Bestreben, an mein Ziel zu kommen, das ich mir gesetzt habe. Dieses Ziel ist etwa der Aufstieg dieser Halde. Die kleinen Wegweiser (Pfeile), die wesentlich kleiner sind als die auf öffentlichen Straßen, haben dieses Motiv für mich so interessant gemacht. Natürlich auch die exakte Ausrichtung auf das Observatorium.

-Z-W-I-E-L-I-C-H-T-

Geboren und aufgewachsen in Herne, Nordrhein-Westfalen. „Ganz analog und ohne Digitalspielzeug im Kinderzimmer.“ Bis 2001 kam der fotocommunity-Fotograf noch gut ohne PC aus, heute sind Digitalkamera und Rechner auch bei -Z-W-I-E-L-I-C-H-T- nicht mehr wegzudenken. Mitglied in der fotocommunity ist er seit 2009.

Bochum: Wie in den fotocommunity-Kommentaren zu diesem Foto zu lesen, ist es gar nicht so leicht, eine passende Perspektive auf dieses Motiv zu finden. Ich glaube, ich habe eine Variante gewählt, die vor mir noch niemand so abgelichtet hat. Kulturerbe Jahrhunderthalle Bochum!

typisch du: Hier ist der Titel an die Halde und mein Verhältnis zu dem Ort gewählt. Ich komme nicht von ihr los…

18: Das Foto ist im Heimatmuseum Wanne-Eickel entstanden und ist eines von ganz wenigen, die von mir komplett auf herkömmliche Weise freigestellt wurden. So viel weißes Papier (das ich sonst bei kleineren Objekten verwende), hatte ich nicht zur Verfügung. Der Titel bezieht sich auf die Straßenbahnlinie 18, die ehemals in Wanne-Eickel unterwegs war.
Nostalgie!