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Portfolio: Freie Wildbahn (Ortwin Khan)

Es ist das stete Unerwartete und Spontane, was fotocommunity-Fotograf Ortwin Khan am Fotografieren in freier Wildbahn reizt. Zu Gast an verschiedenen Orten Afrikas geht der passionierte Unterwasserfotograf in jüngster Zeit gerne auch mal über Wasser auf die Pirsch, um bepackt mit seiner Nikon-SLR, Stativ und Polfilter einzigartige Wildtiermotive einzufangen. Dieser Artikel stammt aus dem ColorFoto-Magazin 03/2018. Als Premium-Mitglied in der fotocommunity (ab einer Basic-Mitgliedschaft) erhältst Du den vollständigen Zugriff auf das ePaper der ColorFoto.

Bei den Tierbegegnungen in der Kalahari stören wenige Büsche und Bäume.
In der weiten Landschaft lassen sich Tiere wunderbar beobachten.

Interview

ColorFoto: Wie bist du zur Wildlife-Fotografie gekommen?

Ortwin Khan: Ich fotografiere seit meiner Jugend. Intensiviert wurde die Fotografie durch den Tauchsport. Hier liegt mein Schwerpunkt. Über die technisch immer aufwendigere Ausrüstung bei der Unterwasserfotografie bin ich vermehrt in den letzten vier Jahren wieder zur Wildlife-Fotografie „Überwasser“ zurückgekommen, die im Alter von 20 bis 30 schon mal eine größere Rolle gespielt hatte.

ColorFoto: Was macht für Dich die Faszination daran aus?

Ortwin Khan: Das immer wieder Unerwartete und Unplanbare. Die Interaktion mit den Tieren in ihrem Lebensraum und nach ihren Regeln. Der Respekt und das stete Wissen, dass man zu Gast ist und nur geduldet wird.

Die Beobachtung von Straußen ist nicht nur in der freien Wildbahn möglich. In Südafrika kann man in Straußenfarmen den direkten Kontakt finden und die sehr eigenen Tiere herrlich beobachten.

ColorFoto: Du fotografierst speziell gerne in Afrika. Wie bist Du dazu gekommen?

Ortwin Khan: Nachdem ich 2014 in Namibia die Wildlife-Fotografie für mich wiederentdeckt habe, ist die Sucht aktiv. In Afrika sind genial schöne Tierbegegnungen unter günstigen Bedingungen möglich.

ColorFoto: Wann ist dort Deiner Meinung nach die beste „fotografische Jahreszeit”?

Ortwin Khan: Während grünes Laub die Landschaft verschönert, halte ich die „blattlose“ Winterzeit für Tierbeobachtungen für sehr günstig, da man einfach mehr Tiere aus der Nähe sehen kann.

Wenn Zebras und Gazellen ans Wasserloch kommen, ist wirklich was los. Die Tiere erscheinen (hier im Etosha-Park) in riesigen Herden.

ColorFoto: Hast Du spezielle Reisetipps für Afrika?

Ortwin Khan: Der Afrika-Neuling ist in Etosha und im Krüger Nationalpark gut aufgehoben. Aber auch kleinere Tierreservate wie Okonjima in Namibia und Kariega in Südafrika können sich als unglaublich spannend erweisen.

ColorFoto: Welche besonderen fotografischen Gegebenheiten spielen dort eine Rolle?

Ortwin Khan: Die staubige Luft bedeutet, dass beim Objektivwechsel leicht Schmutz in die Kamera eindringen kann. Von daher sind rasches Arbeiten und Sorgfalt gefragt.

Wer Leoparden und Geparden sehen will, tut gut daran, zuvor sorgfältig zu recherchieren, da für ein Zusammentreffen mit diesen Großkatzen nur in wenigen Reservaten höhere Erfolgschancen bestehen.
In Okonjima in Namibia sind diese Bilder entstanden.

ColorFoto: Eines Deiner Lieblingsmotive ist?

Ortwin Khan: Neben den Haien und Manatees unter Wasser berühren Elefanten immer wieder die Seele. Man kann sie unaufhörlich beobachten und wird dessen nie müde.

ColorFoto: Gab es bislang schwierige Aufnahmesituationen?

Ortwin Khan: Spannend wird es, wenn beispielsweise Elefanten sich entscheiden, den Abstand zum Fotografen als dann doch zu knapp zu empfinden. Sie teilen dies ja dann mit, wollen aber auch die entsprechende Reaktion sehen. Auch Raubkatzen lassen dem Fotografen nur eingeschränkten Spielraum bei der Wahl der Aufnahmedistanz.

Elefanten halten sich gerne auch mal etwas länger an den Wasserstellen auf.
Sie haben es nicht eilig und fangen ab und an auch mal eine kleine Rangelei an.

ColorFoto: Kannst Du Deine Bildgestaltung genauer erklären?

Ortwin Khan: In der Wildlife-Fotografie spiele ich gerne mit verschiedensten Arten der Präsentation. Oft ist Schwarzweiß von Vorteil, gerne arbeite ich aus großer Nähe mit Weitwinkel statt mit dem Teleobjektiv. Derzeit versuche ich, mich nicht festzulegen auf eine einzige Art der Präsentation. Bevorzugt versuche ich perspektivisch – aus der Unterwasserfotografie kommend – den Blick nach oben zu richten. Spannender als das Porträt durch das Teleobjektiv finde ich oft die Präsentation des Hauptobjektes in seiner Umgebung mittels Weitwinkel bis hin zum Fisheye. Meist entscheide ich dann zuerst über die Blende die Bildgestaltung, und dann gestalte ich je nach Grad der selektiven Schärfe das weitere Bild. Gerne verwende ich dabei ND-Filter und wenn möglich ein Stativ, um auch bei nicht optimalen Bedingungen rauschfreie Bilder zu schaffen.

Majestätisch ist der Auftritt des Löwen. In Südafrika und Namibia kann man die prächtigen Tiere in vielen Game Reserves aus nächster Nähe beobachten.
Ohne Scheu kommen die Löwen auch sehr nah an die Safari-Jeeps heran.

ColorFoto: Bearbeitest Du nach?

Ortwin Khan: Die Nachbearbeitung ist ein wichtiger Bestandteil, um Lichtsituationen zu optimieren, die nicht primär optimal waren. Bei der Gestaltung sollte man überflüssige Details auch mal aus dem Bild entfernen, wenn sie das Auge vom Hauptobjekt ablenken. Composing hat in der Wildlife-Fotografie für mich keinen Platz. Eine Optimierung der Aufmerksamkeit durch Entfernen von Störfaktoren halte ich hingegen für hilfreich.

ColorFoto: Du hast Dich im Jahr 2013 in der fotocommunity registriert. Wie bist Du zur fotocommunity gekommen und welche Funktionen der fotocommunity schätzt Du besonders?

Ortwin Khan: Gefunden habe ich zur fotocommunity über Empfehlungen. Besondere Freude habe ich an der produktiven Diskussion in ausgewählten Bereichen.

Bei der Beobachtung von Elefanten erlebt man nicht nur das machtvolle und selbstbewusste Auftreten der Tiere. Es ergeben sich gerade auch bei der Beobachtung von Jungtieren immer wieder sehr nahegehende Momente, wenn die kleinen oder halbstarken Tiere miteinander spielen oder auch mal den kleinen Warzenschweinen zeigen, wo der Hammer hängt.

ColorFoto: Holst Du Dir auch Anregungen in der fotocommunity?

Ortwin Khan: Unbedingt. Eingestellte Bilder betrachte ich nie als endgültiges Produkt, sondern lerne sehr viel aus Vorschlägen, Anregungen bis hin zu der Situation, dass ein anderer Fotograf eine alternative Bearbeitung vorschlägt. In kleinen Bereichen, wie beispielsweise in der Unterwasser-Sektion funktioniert dies hochgradig effektiv, und auch Anfänger werden langsam zu immer besseren Bearbeitungen und Präsentationen geführt. Wer sich hier öffnet, dem steht ein gewaltiger kollektiver Erfahrungsschatz offen, und man kann den eigenen Geschmack und eigene Herangehensweisen an ein Bild mit jedem neuen Kommentar optimiert kalibrieren.

ColorFoto: Hast Du fotografische Vorbilder, und wenn ja welche?

Ortwin Khan: In der Tierfotografie David Yarrow, in der dokumentarischen Fotografie Steve McCurry und in der Unterwasserfotografie Uli Kunz.

ColorFoto: Was macht für Dich Deine persönliche Handschrift aus?

Ortwin Khan: Eben gerade keine einzelne festgelegte Stilrichtung zu präferieren, sondern stets offen zu probieren und neue Wege zu testen. In der UW-Fotografie gilt meine Hauptfreude der Arbeit mit Licht und Blitzen in schwierigen Situationen.

Ortwin Khan

Ortwin Khan wohnt in der Nähe von Gießen, wo er als Internist und Kardiologe arbeitet. Die Fotografie bietet als „Parallelwelt“ zum Arbeitsalltag eine wunderbare Möglichkeit des Ausgleichs.

Der eigentliche fotografische Schwerpunkt ist die Unterwasserfotografie und hier insbesondere die Präsentation von Höhlen und sehr tief liegenden Wracks bei technischen Tauchgängen. In Ergänzung zu den wunderbaren Tierbegegnungen unter Wasser fotografiert Ortwin Khan auch leidenschaftlich gerne Tiere über Wasser.

Ausrüstung

  • Kameras: Nikon D800E und Nikon D850
  • Objektive: verschiedene Objektive von Nikon, Sigma und Tamron
  • Zubehör: Verlaufsfilter, Stativ, Polfilter

Redaktion: Sabine Schneider