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Fotokunst ersteigern – Gutes tun: Ein Rückblick

Die mystischen Naturfotoserien “the magical forest” von Oliver Webe

Noch einmal möchten wir an eine wirklich tolle Aktion erinnern, auf die wir im Rahmen der diesjährigen photokina hingewiesen und die wir auf unserem Messestand unterstützt und begleitet haben. Dank der vieler Helfer ist diese Aktion vom September 2012, initiiert von zwei Mitgliedern der fotocommunity, ein ganz besonderer Erfolg geworden. Über die Hintergründe und was diese Aktion überhaupt nötig machte, möchten wir heute etwas ausführlicher berichten. Auch wenn diese Aktion sehr erfolgreich war, wird dort nach wie vor Hilfe benötigt.

 

Panorama-Valle-Gran-Rey

Panorama-Valle-Gran-Rey

Was war geschehen? Seit fast einem Jahr hat es auf La Gomera kaum geregnet, da, wo auch der Arzt und Fotograf  Oliver Weber mit seiner Frau Alexandra, ebenfalls Ärztin, leben. Die kleine Kanareninsel erlebt 2012 einen Sommer, der mit einer wochenlangen Hitzeperiode und Tagestemperaturen von über 40 Grad die gesamten Kanaren wie auch das spanische Festland immer wieder in akute Waldbrandgefahr versetzen.

Das ist ganz besonders gefährlich für La Gomera, eine der kleinsten der kanarischen Inseln, mit ihren engen Tälern und dem nur recht schmalen Küstenstreifen um die Insel herum. In der ersten  Augustwoche brechen wegen dieser anhaltenden Hitzewelle und der stark ausgetrockneten Vegetation an mehreren Stellen gleichzeitig Brände aus, die Anfangs noch unter Kontrolle gebracht werden können. Aber vermutlich bleiben auf Grund von keinerlei Niederschlägen und der nicht abebbenden Hitzewelle einige Brandnester vor allem in schwer zugängigen Regionen der Insel aktiv.

Mitte der zweiten Augustwoche beginnt es erneut auf La Gomera zu brennen. Die Lage spitzt sich in nur wenigen Tagen dramatisch zu und wird von Stunde zu Stunde bedrohlicher. Die Löscharbeiten der bis zur Erschöpfung arbeitenden Bomberos und der Piloten der Löschflugzeuge werden durch anhaltenden heißen Wind (Kalima), der von Afrika her über die kleine Insel weht, immer mehr zum Kampf gegen die Uhr.

 

So sind bereits in kurzer Zeit Bereiche vom Außenring des Nationalparks Garajonay, der zum Weltnaturerbe der UNESCO gehört, verbrannt. In ihm hat sich eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt konserviert. Mehrere hundert Hektar dieses wunderbaren Parks, den jährlich viele Touristen durchwandern, werden von den Flammen in den Randzonen zerstört.


Am zweiten Augustwochenende müssen rund 5.000 Menschen auf La Gomera ihre Wohnungen und Häuser verlassen und in Sicherheit an die Küste gebracht werden. Was wird nun aus dem Heim, den Tieren werden, die man schutzlos zurück lassen musste und die für viele der Einheimischen die wichtigste Lebensgrundlage darstellen? Die Angst vor dem Feuer und die Ungewissheit, was die nächsten Stunden bringen werden, schweißt die Menschen zusammen.

Endlich gegen Morgen des 13. August gelingt es, das Feuer zu stoppen, bevor es das untere Tal erreichen kann. Auch der Wind hat leicht gedreht. Der Urlauberort Valle Gran Rey im Tal, dazu der gesamte Küstenstreifen bleiben vom Feuer verschont und sind völlig unversehrt. Als der neue Tag beginnt, ist unten im Ort nichts davon zu sehen, was das Feuer in der Nacht vom oberen Tal übrig gelassen hat. Nichts da unten und am Strand von Valle erinnert an das Inferno. Nur ein Nebel, der sich fast sanft über das Tal gelegt hat und starker Brandgeruch weisen auf die Katastrophe hin, die sich vor wenigen Stunden da oben an den Berghängen und entlang der Straße ereignet hat.

Am späten Nachmittag dieses 13. August 2012 dürfen die  ersten Bewohner des oberen Valle Gran Rey für ein paar Stunden hinauf. Längst haben sich die Bilder der letzten Nacht tief in die Köpfe Menschen eingebrannt. Hinzu kommen nun die Bilder vom Anblick, was das Feuer in nur wenigen Stunden einer Nacht von ihren Häusern, ihren Gärten, ihren kleinen Grundstücken, ihren Tieren, der herrlichen Vegetation ihres Tales, von ihrem Hab und Gut übrig gelassen hat. Es sind Bilder, die diese Menschen lange nicht mehr los lassen werden.

Es gibt viele ausländische Freiwillige, die nach Valle Gran Rey kommen, um zu helfen. Einige von ihnen haben Freunde und Verwandte, die hier vor Ort schon lange leben. Sie alle kommen und wollen helfen, damit diese Insel nichts von dem verliert bzw. ganz schnell wieder bekommt, was man an Einzigartigem bei einem Besuch La Gomeras erleben kann.

All diese Helfer, die sich auf so uneigennützige wie unterschiedliche Weise zusammen finden, tragen es auch immer wieder hinaus in die Welt: Der Tourismus ist eine der wichtigsten Einnahmequellen, eigentlich lebensnotwendig, besonders auch für Valle Gran Rey. Er darf nicht zum Erliegen kommen, vor allem jetzt nicht. Da es trotz dieser vielen Helfer nicht ohne finanzielle Unterstützung gehen kann, hoffen die Menschen vor Ort auf die Hilfe von außen.

Fast fünfzig Häuser im oberen Tal sind zerstört oder nicht mehr bewohnbar. Dazu die stark geschädigte Umwelt, die verlorenen Ziegen, Schafe und Hühner: der zerstörte Wohn- und Lebensraum vieler Einheimischer des oberen Tals von Valle Gran Rey, denen ihre gesamte Lebensgrundlage in nur einer Nacht genommen wurde. Einer Freundin von Oliver Weber kommt die Idee, zwei seiner wundervollen Bildreihen, die der Fotograf im Frühjahr auf einer Ausstellung in Bochum gezeigt hat, für das Valle Gran Rey zu versteigern.

Kerstin Zimmermann, der eine der beiden Bildreihen gehört, nimmt kurz entschlossen Kontakt zur „fotocommunity“ auf. In Köln ist man sofort von der Idee begeistert und sagt Unterstützung zu. Der Plan ist die Bildreihen auf der photokina zu zeigen, und sie dann gleichzeitig bei „ebay“ versteigern zu lassen.

Von nun an wird vor allem auf Facebook und auch auf dem Blog der fotocommunity über den Verlauf Aktion berichtet. Die Bilder, die den noch unversehrten Nationalpark Garajonay vom Februar 2012 zeigen, werden schließlich für fast 2000 Euro versteigert.

Im Nachhinein noch besonders erwähnenswert:

Die Bilder werden zukünftig in Valle Gran Rey/ La Gomera zu sehen sein, denn von da aus wurden sie ersteigert. Dort wurden sie von Oliver Weber (gomeraknipser in der fotocommunity) im April 2012 im Nationalpark Garajonay aufgenommen, als der Wald noch intakt war. Die Bilder sind sie inzwischen eingetroffen und bekommen einen ganz besonderen Platz, wo auch viele Bewohner von Valle Gran Rey sie sehen können – das ist ganz besonders erfreulich!

Inzwischen sind mehrere Monate seit dieser fürchterlichen Brandkatastrophe in Valle Gran Rey vergangen. Es hat ausgiebig geregnet, überall grünt und sprießt es wieder. Die Natur hat sich bereits nach wenigen Wochen erholt. Die Menschen im oberen Tal werden beim Anblick des frischen Grüns überall endlich aus der Lethargie und ihrer Trauer über ihre großen Verluste herausgerissen. Sie beginnen sogar mit neuem Lebensmut damit, die Ställe für Tiere wieder herzurichten.

Einige Privatinitiativen haben die betroffenen Menschen in den letzten Monaten besonders bei notwendigen Reparaturarbeiten an Häusern und Ställen und bei dem Erwerb von Kleidung, Alltagsgegenständen u.v.m. unterstützt. Aber auch im organisatorischem Bereich wurde sehr viel Hilfe geleistet, so bei der Verteilung von Sachspenden und der Kooridinierung von Aufräumarbeiten durch die Plataforma, eine Bürgerinitiative der durch das feuer geschädigten Menschen in Valle Gran Rey. Die Hoffnung der Menschen ist groß, dass diese erste Hilfe die sie erfahren haben, nicht nachlässt.

Sie gibt ihnen dabei neue Lebenskraft und ermöglichen so auch, dass die Menschen im oberen Tal von Valle Gran Rey ein stückweit zu ihrem Alltag zurück finden können, der für sie vor der Brandkatastrophe ganz selbstverständlich war.

Die erfreuliche Erholung von Natur und Vegetation kann allerdings nicht darüber hinweg täuschen, dass die Menschen Valle Gran Rey nach wie vor um ihre Existenzen kämpfen. Viele Häuser sind immer noch nicht wieder bewohnbar oder noch stark beschädigt. Eine funktionierende Infrastruktur gerade im oberen Tal ist noch lange nicht wieder hergestellt. Dazu kommt, dass Der Ort Valle Gran Rey besonders vom Tourismus lebt. Seit der verheerenden Brandkatastrophe bangen viele Menschen um ihre Existenz. Trotz der erfreulichen Regenerierung von Landschaft und Natur sind die Urlauberzahlen stark zurückgegangen, obwohl man in Valle Gran Rey genau noch so Urlaub machen kann, wie vor der Brandkatastrophe.

Von Anfang an war klar, dass die 2000 Euro aus der Bildversteigerung nur ein erster kleiner Anfang sein können. Viel mehr Hilfe wird es brauchen – besonders auch von außen – um ganz besonders, um den Menschenvon Valle Gran Rey zu helfen, kontinuierlich und nicht nur durch solche einmaligen Aktionen. Immer noch stehen auch heute noch viele vor ihnen vor dem Nichts.

Deshalb hat Kerstin mit sechs Freunden und Kollegen Ende August einen Verein gegründet, der in diesen Tagen unter dem Namen „Helfen ohne Grenzen Münsterland e.V.“ eingetragen und dem gleichzeitig seine Gemeinnützigkeit anerkannt wurde. Die „fotocommunity“ wird die ersteigerte Summe der Auktion mit dem Einverständnis von Oliver Weber an diesen Verein überweisen.  Ersteigert wurden die Bilder von Cornelia Falkenberg und Kerstin Pirkl vom Reisebüro Viajes La Paloma in Valle Gran Rey.

Das Geld wird dann für Soforthilfen, besonders in Form von Sachleistungen den einheimischen brandgeschädigten Menschen von Valle Gran Rey zu Gute kommen. Zukünftig soll besonders den Menschen schnell und unbürokratisch weiter geholfen werden, die alles verloren haben und immer noch um ihre Lebensgrundlage kämpfen. Gerade ihnen will der Verein weiter mit Sachleistungen helfen, dafür wird er vordergründig Spenden sammeln und den Brandopfern wieder eine Lebensperspektive ermöglichen. Der Verein wird sich auch für den vorbeugenden Brandschutz in Valle Gran Rey einsetzen, damit sich eine solche Katastrophe nicht wiederholen kann. Der Verein hat dazu bereits auch erste Kontakte mit einer Organisation vor Ort, der Plataforma Valle Gran Rey geknüpft. Für den Aufbau einer freiwilligen Feuerwehr in Valle Gran Rey möchte der Verein zukünftig neben der Hilfe für die Menschen ebenfalls Spenden sammeln.

Wer helfen möchte, kann auf das Konto „Helfen ohne Grenzen Münsterland e.V.“ spenden: Sparkasse Westmünsterland – Kontonummer: 36828655 BLZ: 40154530 IBAN: DE 20401545300036828655 BIC: WELADE3WXXX Spendenquittungen werden gerne ausgestellt und können wie weitere Informationen unter hog.muensterland-ev@t-online.de angefordert werden. Erste Vorsitzende des Vereins ist fotocommunity ist Kerstin Zimmermann, bei uns bekannt als Kerstin Westost. Wer gern mehr erfahren möchte, kann sich jederzeit an Kerstin wenden.